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SWISSMEM: Zweiklassengesellschaft in der Industrie

Mehr Umsatz, mehr Exporte, höhere Auslastung: Die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie blickt auf ein erfreuliches Halbjahr zurück. Doch die kleinen Zulieferbetriebe bleiben zurück.
Daniel Zulauf
Auch die Metallindustrie befindet sich im Aufschwung. (Bild: Gaetan Bally/Keystone (Reichenburg, 15. März 2015))

Auch die Metallindustrie befindet sich im Aufschwung. (Bild: Gaetan Bally/Keystone (Reichenburg, 15. März 2015))

Daniel Zulauf

Zweieinhalb Jahre nach der schockartigen Aufhebung der Wechselkursuntergrenze für den Euro verdichten sich in der Schweizer Industrie die Zeichen des Aufschwungs. Der Verband der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (Swissmem) meldet für seine über 1000 Mitgliedsfirmen den zweistärksten Umsatzzuwachs in einem ersten Semester seit Ausbruch der internationalen Finanzkrise 2007.

Die Branche generiert jährlich einen Umsatz von rund 80 Milliarden Franken, wovon über 80 Prozent im Export erwirtschaftet werden. Von den etwa 680 000 in der verarbeitenden Industrie tätigen Personen in der Schweiz ist knapp die Hälfte bei Swissmem-Firmen tätig.

Hohes Wachstum trotz weniger Bestellungen

Diese für die Schweizer Volkswirtschaft wichtige Branche ist nach der Wertung ihres Präsidenten Hans Hess endlich am sehnlichst erwarteten «Wendepunkt» angelangt. «Erstmals seit 2008 stehen fast sämtliche Ampeln wieder auf Grün», erklärte Hess gestern auf einer Medienkonferenz in Zürich. Zwar gingen die Bestellungen im Berichtssemester «ein wenig enttäuschend» um 3,4 Prozent zurück, ausgehend ­allerdings von einem sehr hohen Bestellungswachstum im ersten Semester 2016.

Die Exporte stiegen in der Sechsmonatsperiode um 2,3 Prozent mit einem grössten Plus in den USA (6,8 Prozent). Nebst den guten weltweiten Konjunkturaussichten «ist uns sogar der Euro wieder freundlicher gesinnt», freute sich Hess. Der Euro ist die mit Abstand wichtigste Währung für die MEM-Firmen, die 40 Prozent ihrer Verkäufe direkt in den umliegenden Ländern der Schweiz tätigen. 60 Prozent der Ausfuhren gehen in den EU-Raum.

Die Aufgabe der Euro-Wechselkursuntergrenze durch die Schweizerische Nationalbank im Januar 2015 bedeutete für die Schweizer Industrie den «dritten Nackenschlag» in einem generell sehr schwierigen Jahrzehnt, wie sich Hess ausdrückte. Die Hälfte der 30 000 Arbeitsplätze, welche in der MEM-Industrie seit 2008 verlorengingen, sind allein auf jenen denkwürdigen geldpolitischen Entscheid zurückzuführen. Mit einem aktuellen Eurokurs von 1.14 Franken sei die helvetische Valuta zwar immer noch deutlich überbewertet, meinte Hess. Aber immerhin eröffne der schwächere Franken den MEM-Firmen endlich wieder einmal die Chance, etwas Geld zu verdienen. Zwar werde wohl auch 2017 noch eine zweistellige Prozentzahl von MEM-Firmen rote Zahlen schreiben, befürchtet Hess, doch es sollten deutlich weniger sein als in den vergangenen Jahren. Damals schrieben teilweise ein Drittel aller MEM-Firmen rote Zahlen.

Doch über den Berg ist die Schweizer Industrie noch lange nicht. Vor allem die kleinen industriellen und gewerblichen Betriebe, die den exportorientierten MEM-Firmen zuliefern, kämpfen vielfach um ihre Existenz. Swissmechanic, der Schwesterverband von Swissmem, in dem 1400 solcher Kleinbetriebe mit 65 000 Mitarbeitern organisiert sind, klagt seit langem, dass die Firmen von den Banken keine tragbaren Kredite mehr erhielten und ihre nötigen Investitionen nicht mehr stemmen könnten. Für 27 Prozent der Unternehmen gibt es keine Kredite, obwohl 70 Prozent in die Industrie 4.0 investieren möchten, klagt Swissmechanic.

Hess zeigte sich solidarisch mit den Kleinfirmen und sprach den Banken ins Gewissen: Sie sollten sich an ihre Funktion als Kreditvermittler erinnern und ihre Verantwortung wahrnehmen. Einem staatlich mitzutragenden Finanzierungsmodell für Industrie-KMU, wie es Swiss­mechanic fordert, erteilte Swissmem gestern erneut eine Absage. Gleichzeitig warnte Hess davor, dass sich der Staat einseitig für die Finanzierung von Jungunternehmen starkmache, wie es Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann unlängst mit der Übernahme einer Schirmherrschaft für einen privaten Start-up-Fonds vorgemacht hatte.

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