SWISSPORARENA: Lieber die Nati als die Stones

Es rockt auf der Allmend: Gölä und The Bosshoss treten auf. Allerdings bleiben Konzerte in der Swissporarena die Ausnahme.

Rainer Rickenbach
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Der Schlagerstar und selbsternannte König von Mallorca Jürgen Drews bringt die Luzerner Swissporarena zum beben. (Bild Dominik Wunderli)

Der Schlagerstar und selbsternannte König von Mallorca Jürgen Drews bringt die Luzerner Swissporarena zum beben. (Bild Dominik Wunderli)

Dieses Stadion schreie geradezu nach Konzerten, sagt Roman Müller. Er ist Mitorganisator von «Luzern rockt». Nebst dem Berner Mundartrocker Gölä sind in der Swissporarena heute ab 15.45 Uhr Fabian Anderhub, Shakra und The Bosshoss zu sehen. «Das Stadion ist ein weiterer Star des Konzerts, ein wirklich sehr spezieller Ort», schwärmt Müller. Dass der Vorverkauf eher schleppend verlief, führt er auf die inflationäre Häufung von Konzerten unter freiem Himmel und auf die Fussball-WM zurück. Etwa 7500 Tickets sind bereits verkauft – Müller rechnet heute mit 10 000 bis 11 000 Besuchern. Platz hätte es je nach Bühnenkonzept für 17 000 bis 20 000. Auf der Internetplattform ricardo.ch waren gestern Tickets für weniger als den halben Originalpreis im Angebot.

«Luzern rockt» soll aber trotzdem nicht ein Einzelfall bleiben. Müller sagt dazu: «Wir wollen es zur Marke aufbauen: Das jährliche Luzerner Konzert in der Fussball-Sommerpause». Eine Marke? Seit bald drei Jahren steht nun die Swissporarena auf der Luzerner Allmend. Die Fussballer spurten dort täglich trainingshalber oder im Ernstfall dem Ball hinterher. Doch Auftritte von Musikkünstlern gab es im Stadion bisher nur ein einziges Mal: Am 3. Juni 2012 traten Schlagerstars wie Jürgen Drews und Francine Jordi zur Open-Air-Schlagernacht auf. Bei strömendem Regen hatten 11 000 Schlagerfans den Weg in die schmucke Arena auf sich genommen.

Rasen ist wichtiger als Superstars

Ganz anders in Zürich, Bern und Basel. Im Letzigrund füllten die Stones im letzten Jahr das Stadion komplett, im Basler St. Jakobspark war «Metallica» ein Publikumsmagnet. Morgen Sonntag gibt sich Sir Elton John sogar in der St. Galler AFG-Arena die Ehre – ausverkauft ist sie freilich noch nicht. Lassen sich keine internationale Popgrössen nach Luzern locken? Oder haben die Stadionbetreiber wegen der Übersättigung kein Interesse an solchen Mega-Events? «Die Swissporarena ist in erster Linie ein Fussballstadion. In der Sommerpause sind vielleicht ein bis zwei Musikkonzerte möglich. Wenn die Fussballmeisterschaft beginnt, muss der Rasen aber wieder in einem tadellosen Zustand sein», sagt Toni Bucher, Chef der Sarner Eberli AG und Hauptaktionär der Swissporarena.

Die grösste Sorge des Stadionmanagers gilt denn auch dem Rasen. Reto Mattmann von der Swissporarena Events AG sagt: «Anders als beim Schlagerkonzert steht die Bühne diesmal eine ganze Woche lang auf der Horwer Seite. Sie ist auf Stahlplatten montiert.» Für die Auswechslung des zerdrückten Naturrasens müssen die Konzertveranstalter aufkommen. Roman Müller hat dafür 20 000 bis 30 000 Franken vorgesehen. «Bei gutem Wetter dürften es weniger sein. Es ist ohnehin nur ein kleiner Teil der Grünfläche, der beeinträchtigt wird», sagt er. Dass die Stones oder Robbie Williams die Arena nie von innen sehen werden, ist für Mattmann kein Problem. «Dafür ist unser Stadion ohnehin zu klein», sagt er. Die Stadionbetreiber sind sich zwar bewusst, dass FCL-Spiele allein nicht reichen, das Stadion rentabel zu führen. «Es ist wie bei einem Flugzeug: Steht es am Boden, bringt es nichts ein. Die Unterhaltskosten fallen aber trotzdem an», so Mattmann.

Um «lange Wartezeiten am Boden» zu vermeiden, setzten die Stadionmanager zum einen auf die Nationalmannschaft. Sie füllte das Stadion (U 21 mitgerechnet) bereits fünfmal. Zuletzt in den beiden WM-Vorbereitungsspielen gegen Jamaica und Peru. Davon haben Stadionbetreiber und die Nati etwas: Die Fussballer spielen in Luzern vor einer stimmungsvollen Kulisse, und die Betreiber streichen Miete ein. Kommt hinzu: Im Gegensatz zu Konzerten braucht es nicht zusätzliche Sicherheitsmassnahmen, andere Catering-Konzepte oder ergänzende sanitäre Anlagen. Zum andern vermarktet die Eventabteilung den VIP-Bereich während des ganzen Jahres für Firmenanlässe, Weihnachtsessen, Geschäftsanlässe oder Hochzeiten. Als die Arena noch brandneu war, gab es im ersten Jahr mehr als 300 Anlässe mit bis zu 800 Teilnehmern. «Der Neugiereffekt hat sich natürlich etwas verpufft. Doch die Zahl der Anlässe bewegt sich nach wie vor auf sehr guten Niveau», sagt Mattmann dazu.

Standortnachteil Billettsteuer

Selbst wenn die Arena für Grosskonzerte konzipiert wäre, würden die Veranstalter vermutlich einen Bogen um Luzern machen. «Anders als in Zürich und Basel sind in Luzern 10 Prozent Billettsteuer fällig», sagt Roman Müller von «Luzern rockt». Ist das der Grund, warum es bislang bei der einen Schlagernacht im Stadion blieb? Schlagernacht-Organisator Sämi Honegger verneint: «Wir hatten vor, weitere Schlägernächte in der Arena durchzuführen. Doch es braucht Stars wie Andrea Berg, Helene Fischer und Andreas Gabalier, um sie zu füllen. Es ist seither nicht gelungen, die Stars für den gleichen Abend zu engagieren.»