Uhrenmesse
Sylvie Ritter: «Die Baselworld muss den Markt widerspiegeln»

An der Uhren- und Schmuckmesse schwinden Grenzen zwischen Uhren, Schmuck und Mode zusehends. Für die Messeverantwortliche Sylvie Ritter ist das wenig überraschend. Die Messe bilde ab, was am Markt laufe, sagt sie.

Stefan Schuppli und Muriel Mercier
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Baselworld-Messeleiterin Sylvie Ritter:

Baselworld-Messeleiterin Sylvie Ritter:

Kenneth Nars

Im Augenblick bekommen die Stände im Messegebäude den letzten Schliff. Überall werden letzte Überreste des Aufbaus – Verpackungen und so weiter – beseitigt, es wird geputzt, gefegt, auf Hochglanz poliert. Und mitten in diesem Treiben sprach «Die Nordwestschweiz» mit Sylvie Ritter, Messeleiterin der Baselworld.

Organisatorisch laufen bei Ihnen die Fäden zusammen. Wir nehmen an: eine unglaubliche Aufgabe.Sylvie Ritter: Ja, es sind sehr volle Tage, sie sind durchgeplant und bringen doch immer wieder Überraschungen. Sie müssen sich das vorstellen: Wir hatten über 20 000 Personen, die sich mit dem Aufbau der Messe beschäftigten, also vor allem Handwerker, die zum Teil hausgrosse Stände aufstellten. Seit kurzem sind auch die Aussteller eingetroffen. Die Ausstellungsobjekte kommen zuletzt an. In der Stadt sind die Hoteliers an der Arbeit, engagiert ist auch die Stadtgärtnerei.

Es ist die erste Messe im neuen Gebäude – sind Sie zufrieden?
Es klingt vielleicht etwas pathetisch, aber der Wunsch, den wir hatten, ist erfüllt worden. Was wir wollten, war eine Hülle, die nicht nur einen qualitativ hochstehenden Ausstellungsraum bietet. Sie ist auch die richtige Verpackung für das, was ausgestellt ist. Die räumlichen Bedingungen waren hohe Hallen mit wenig oder keinen Säulen. Auch äusserlich, architektonisch, soll man den Wert erkennen. Diese hochwertige Infrastruktur ermöglicht auf allen Ebenen höchste Präzision und hat etwas sehr Weltstädtisches.

Was waren die Herausforderungen kurz vor der Eröffnung?
Es war die Frage: Klappt der Standaufbau? Dazu muss man wissen: Für diesen Aufbau sind die Aussteller selber verantwortlich. Diese müssen also schauen, dass sie «on time» fertig sind, zum morgigen Pressetag. Das sind gewisse Unsicherheiten. Über 400 neue Stände sind es allein in der neuen Halle 1. Das heisst, es sind 400 Projekte, fast alle in der Grösse von Einfamilienhäusern. Diese mussten in kürzester Zeit aufgebaut werden.

Und wurden alle fertig?
Ja, der Standbau ist abgeschlossen, da bin ich sehr froh. Es ist extrem gut gelaufen, besser als erwartet. Aber wir haben uns gewappnet mit Notfallszenarien, falls es zu Verzögerungen gekommen wäre.

Die Messe hat sich sehr stark entwickelt und gewandelt.
Die Hauptaufgabe einer Messe ist unseres Erachtens die Widerspiegelung des Marktes. So wandelt sich auch die Uhren- und Schmuckmesse. Mit dem Neubau hatten wir die einmalige Chance, die ganze Messe neu zu strukturieren.

Was sind die Elemente der neuen Struktur?
Das Zusammenwachsen von Uhren und Schmuck zu ganzen Markenwelten. Noch vor etwa 10 Jahren kaufte man Schmuck oder Uhren, heute sind es Markenprodukte. Die meisten Hersteller bieten beides an. Die Messestruktur war entsprechend: In der einen Halle gabs Schmuck, in der anderen nur Uhren. Heute haben wir die Aussteller nach dem Bekanntheitsgrad der Marken gegliedert. In der Halle 1 befinden sich die Global Brands, die dem Endkunden weltweit ein Begriff sind. In der Halle 2 haben wir die International Brands, auch Uhren- und Schmuckmarken. Das sind Firmen, die in mehreren Ländern tätig sind. Die Anbieter von Edelsteinen und Perlen finden sich in der Halle 3, und schliesslich die Länderpavillons und Maschinen-Anbieter in der Halle 4.

Vor wenigen Jahren gab es noch die kleinen, etwas improvisierten Pavillons hinter dem Musical Theater. Dort waren die Chinesen, Hongkong. Das hatte Charme. Jetzt fehlen sie. Warum?
Neu sind die Aussteller in der Halle 4 zu finden. Angesichts der fehlenden Fläche mussten wir uns beschränken. Was die Baselworld von den anderen Messen unterscheidet, sind die Markenprodukte. Die Länderaussteller nehmen an verschiedenen Messen teil und haben viele ähnliche Produkte im Angebot. Wir konzentrieren uns auf Aussteller, die international oder weltweit tätig sind.

Sonst aber wird China immer wichtiger. Was bedeutet das für Baselworld, sieht man das der Messe an?
Ja. Wir haben sehr viele Journalisten hier, gerade auch aus Asien. Die Stände sind deshalb immer mehr auch für Journalistenbesuche ausgerichtet. Es kommen viele Lifestyle- und Magazinjournalisten, Wirtschaftsmedien und Fernsehteams. Das hatte einen direkten Einfluss auf den Standbau. Die Produkteinformation wird allgemeiner gehalten. Die üblichen Einkäufer kennen die Marke und das Produkt jeweils sehr gut. Ihnen muss die Marke nicht erklärt werden. Die Medienpräsenz ist enorm, wir werden sehr stark wahrgenommen.