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SYNGENTA: Suche nach Wachstumstreibern

Der Agrochemiekonzern hat derzeit einen schweren Stand bei potenziellen Kreditgebern. Zu schlecht sind die Ratings. Um kapitalmarktfähig zu bleiben, benötigt man die Unterstützung der neuen Eigentümer.
Daniel Zulauf
Das Geschäft mit Saatgut lief bei Syngenta im letzten Geschäftsjahr besser als dasjenige im Bereich Pflanzenschutz. (Bild: PD)

Das Geschäft mit Saatgut lief bei Syngenta im letzten Geschäftsjahr besser als dasjenige im Bereich Pflanzenschutz. (Bild: PD)

Daniel Zulauf

Der Agrochemiekonzern Syn­genta hofft, noch vor Ende März einen neuen Versuch zur Schuldenaufnahme starten zu können. Hilfreich wäre es, wenn die Ratingagenturen Standard & Poors und Fitch ihre Drohung zurücknehmen würden, die Bonität der Syngenta-Schuldpapiere unterhalb des (für die meisten institutionellen Anleger gerade noch investierbaren) Investment-Grade-Niveaus zu benoten, erklärte Finanzchef Mark Patrick gestern in einem Telefongespräch mit unserer Zeitung.

Ursprünglich hatte Syngenta im September die Ausgabe von Anleihen im Umfang von 7 Milliarden Dollar geplant. Das Ziel der Emission war es, die Ablösung einer im Lauf der nächsten zwölf Monate zur Rückzahlung fällig werdenden Übernahmefinanzierungsfazilität durch eine langfristige Finanzierung abzulösen.

Leichter Umsatzrückgang im vergangenen Geschäftsjahr

Syngenta musste den Plan aber kurzfristig fallen lassen, nachdem die Ratingagenturen mit Blick auf den Ausgang eines Rechtsstreites mit nordamerikanischen Maisbauern und Getreidehandelsfirmen Bedenken angemeldet hatten. Inzwischen ist eine Vergleichslösung so weit gediehen, dass sie nach Aussagen Patricks in den nächsten Tagen das Plazet des zuständigen Richters in Kansas erhalten sollte.

Über die Höhe des Vergleichs wollte sich der Finanzchef nicht äussern. Verschiedene Quellen hatten von rund 1,5 Milliarden Dollar gesprochen, die Syngenta den an der Sammelklage partizipierenden Farmern zu zahlen bereit sei. Ob nach diesem Vergleich weitere Forderungen offenbleiben oder Verfahren nach sich ziehen werden, ist unklar. Patrick bezeichnete Schätzungen über den Gesamtschaden von 15 Milliarden Dollar als «weit überhöht». Hintergrund des Rechtsstreits bilden die Praktiken Syngentas beim Verkauf der Genmaissorte Viptera. Die Sorte sei den Bauern als exportfähig für den chinesischen Markt angeboten worden, was sich im Nachhinein aber als falsch herausgestellt haben soll. Patrick hofft nach Erhalt des Plazets zu der Vergleichslösung, mit einer Emission von rund 5 Milliarden Dollar an den Kapitalmarkt gelangen zu können. Um die Be­denken der Ratingagenturen aus dem Weg zu räumen, muss er aber auch konkrete Zeichen einer finanziellen Unterstützung durch seine Eigentümerin beibringen können. «Wir hoffen, dass uns dies mit der Hilfe von Chemchina gelingen wird», sagt er. In der ­bisherigen Position der Ratingagenturen erfüllt die hoch verschuldete Syngenta die Kriterien zur Beibehaltung eines Investment-Grade-Ratings nicht. «Wir brauchen die Zusicherung, dass Syngenta fähig ist, die hohe bilanzielle Verschuldungsquote auf ­Linie mit unseren Kriterien für ein BBB-Rating zu bringen», sagt die Fitch-Analystin Amee Attri.

Man diskutiere alle Möglichkeiten, sagt Patrick: vom Dividendenverzicht bis zum Einschuss neuer Finanzmittel. Ein wichtiges Element ist auch die Fähigkeit von Syngenta, die Finanzierungsmittel selber aus dem Geschäft zu erarbeiten. Das ist wohl auch der Grund, weshalb der Konzern bei der gestrigen Vorlage einiger Finanzkennzahlen zum vergangenen Jahr den Anstieg des freien Cashflow von 1,4 Milliarden auf 1,7 Milliarden Dollar in den Vordergrund stellte. Die Verkäufe gingen im Berichtsjahr um ein Prozent auf 12,6 Milliarden Dollar zurück, wobei die Pflanzenschutzmittel mit einem Anteil von drei Vierteln an den Konzernverkäufen 3 Prozent weniger Umsatz einspielten und das Saatgut 6 Prozent Wachstum verzeichnete.

Patrick bekräftigte das Interesse von Syngenta, im Saatgut-Geschäft auch akquisitorisch zu wachsen. Eben erst hat Bayer das eigene Gemüsesaatgutgeschäft mit seinen 2000 Beschäftigten zum Verkauf gestellt, um den Wettbewerbsbehörden die Zulassung der geplanten Übernahme von Monsanto zu erleichtern. «Wir sind interessiert an Zu­käufen. Ob die Regulatoren uns ­machen lassen, ist aber eine ­offene Frage», sagt Patrick. Die Branche habe wohl ihre letzte grosse Konsolidierungsrunde gesehen. Inzwischen spielten die Regulatoren die Hauptrolle bei der Neuverteilung der Karten.

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