TABAKBRANCHE: Dampf ersetzt den Zigarettenqualm

Der Tabakkonsum ist weltweit rückläufig. Die Zigarettenhersteller gehen darum neue Wege. Der Tabakkonzern JTI zum Beispiel lanciert ein Tabakdampfgerät ohne Rauch, Rauchgeruch und Asche in der Schweiz.

Rainer Rickenbach
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Ploom, die neue Zigaretten-Alternative des Tabakkonzerns JTI, im Einsatz. (Bild: Kiyoshi Ota/Getty (Tokio, 28. Juni 2017))

Ploom, die neue Zigaretten-Alternative des Tabakkonzerns JTI, im Einsatz. (Bild: Kiyoshi Ota/Getty (Tokio, 28. Juni 2017))

Rainer Rickenbach

Die Zigaretten-Alternative des Tabakkonzerns Japan Tobacco International (JTI) braucht kein Feuer, sondern Strom. Sie heisst Ploom, funktioniert ähnlich wie eine E-Zigarette und mit einem Akku. Das technische Kernstück bildet eine Art Verdampfer, der eine Flüssigkeit auf lediglich 30 Grad erwärmt. Von dort strömt der gewonnene Dampf durch eine Kapsel mit gemahlenem Tabak und dann in den Mund des Rauchers. «Die Flüssigkeit im Zwischenstück ist nikotinfrei und darum in der Schweiz erlaubt. Dank der Tabakkapsel vermittelt unser neues Produkt einen Tabakgeschmack, der einer herkömmlichen Zigarette sehr nahe kommt», sagt Kevin Suter, Sprecher von JTI Schweiz.

Der weltweit drittgrösste Tabakkonzern JTI betreibt seit über 45 Jahren in Dagmersellen eine Zigarettenfabrik mit 300 Mitarbeitenden. Von dort aus beliefert er neben der Schweiz rund 20 Länder vor allem im Nahen Osten und Nordafrika mit herkömmlicher Raucherware. Zugpferde sind die Marken Camel, Winston und Natural American Spirit.

Entwickelt und hergestellt in Japan

Die Schweiz ist nach Japan das zweite Land, in dem der Konzern die Zigaretten-Alternative Ploom lanciert. Seit letzter Woche ist das Tabakdampfgerät bei Coop und an Kiosken erhältlich. Entwickelt wurde es in Japan, auch die Produktion ist dort angesiedelt. Die Tabakkonzerne Philip Morris und British American Tobacco hatten schon zuvor ähnliche Raucherutensilien mit weniger gesundheitsschädlichen Stoffen auf den Markt gebracht, die den Tabak nicht mehr verbrennen. Bei ihren Modellen wird die Flüssigkeit aber auf rund 300 Grad erhitzt.

Die Tabakmultis haben gute Gründe, erfinderisch zu sein. Seit ein paar Jahrzehnten nimmt der Anteil von Zigarettenrauchern an der Gesamtbevölkerung kontinuierlich und weltweit ab. In der Schweiz zum Beispiel rauchten 1975 rund 40 Prozent der Einwohner Zigaretten. 2015 waren es noch 25 Prozent. Das gestie­gene Gesundheitsbewusstsein, hohe Tabaksteuern, weit verbreitete Rauchverbote und die Gesundheitsprävention haben ihre Wirkung nicht verfehlt.

Die Gesundheitsrisiken der Tabakdampfprodukte sind umstritten. Die körperlichen Folgeschäden des neuen JTI-Produktes lassen sich noch nicht schlüssig beurteilen, da Langzeitstudien fehlen. Suter: «Auch bei Ploom handelt es sich um ein Produkt mit gesundheitlichen Risiken. Wir können aber sagen, dass im Dampf von Ploom 99 Prozent weniger Schadstoffe gemessen wurden als im Rauch von Tabakzigaretten.» Durch das neue Tabakdampfgerät würden sich zudem Nichtraucher nicht mehr gestört fühlen, denn es produziere weder Rauch noch Rauchgeruch.

Für experimentierfreudige erwachsene Raucher

In Japan verkauft sich Ploom seit einem Jahr gut. Suter: «Eine Woche nach der Lancierung waren bereits alle Geräte weg, die für den Verkauf von fünf Monaten geplant waren. Darum lässt sich auch das Marktpotenzial noch nicht abschätzen.» Verkauft wird in Japan allerdings erst in zwei Städten. In der Schweiz bilden gemäss Suter erwachsene Raucher, die nach neuen Wegen im Tabakgenuss suchen, das Zielpublikum. Die Bereitschaft dafür scheint zu wachsen: Der Umsatz im weltweiten E-Zigaretten- und Tabakdampfgeschäft wird auf über 7 Milliarden Dollar geschätzt. Das ist gemessen an den 460 Milliarden Dollar Gesamtumsatz der Tabakbranche zwar wenig, doch die Tendenz ist im Gegensatz zu den Tabakzigaretten steigend.

In der Schweiz fristen E-Zigaretten wegen der scharfen Vorschriften indes ein Mauerblümchendasein. Die Geräte sind zwar zulässig, doch die Nikotin-Flüssigkeit müssen die Benutzer im Ausland bestellen. Die Zahlen der Oberzolldirektion offenbaren eine geringe Nachfrage.

Ploom kostet in etwa gleich viel wie die Tabakzigaretten. Eine Nachfüllpackung mit fünf Tabakkapseln ist für 7.50 Franken zu haben und reicht für zirka 250 Züge. Das entspricht laut Suter rund einem Paket mit 20 Tabakzigaretten, von denen die meisten mehr als 8 Franken kosten.