Reinach
Tag der Arbeit für die Leber

Der bereits schon traditionelle Harassenlauf profitierte vom schönen Wetter und war gut besucht. Die öffentliche Biertrinkerei mit ihren Nebenwirkungen gefiel freilich nicht allen.

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Bier

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bz Basellandschaftliche Zeitung

LEIF SIMONSEN

«Jetzt hör mal auf zu denken!», brüllt ein Harassenläufer kurz vor dem Start in Reinach seinen Partner an. Treffender hätte er den Sinn des Anlasses nicht formulieren können: Die rund 3000 Biertrinker waren am gestrigen Tag der Arbeit weit entfernt von Klassenkampf und Kritik an Besitzverhältnissen. Im Vordergrund sollte der Spass stehen - der Spass an der Sinnlosigkeit.

Nicht von allen Seiten wird der Event, der mittlerweile ohne offizielle Organisatoren als Selbstläufer funktioniert, gleichermassen goutiert. «Wir sind absolut gegen diesen Anlass», sagt Barbara Umiker Krüger von der Sicherheitsdirektion Baselland und fügt bei: «Das muss in dieser Deutlichkeit gesagt werden.»

Notfalls wird zurechtgewiesen

Zusammen mit fünf bis sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern steht sie im Startbereich und verteilt Flyer, auf denen den Jugendlichen gewisse Verhaltensregeln in Erinnerung gerufen werden: Sich an die markierte Route halten, die Toiletten benutzen, den Abfall richtig entsorgen. Gleichzeitig will Umiker Krüger nicht moralisieren. Ihre primäre Aufgabe ist es, mit Hilfe ihrer Kollegen den Anlass jährlich etwas sauberer zu gestalten. Sie will «Schadensbegrenzung betreiben», wie sie es ausdrückt. «Die Toilettenkabinen, die von uns organisiert werden, tragen beispielsweise erheblich dazu bei.» Gleichzeitig nimmt sie sich auch das Recht, notfalls verbal einzuschreiten: «Wir begleiten den Harassenlauf und weisen die Teilnehmer nötigenfalls zurecht.»

Umweltbewusstsein vorhanden

Während Barbara Umiker Krüger und ihre Helfer noch Aufklärungsarbeit leisten, rollt der Tross schon los in Richtung Grün 80. Es ist dies das Ziel eines Rennens, das nur die wenigsten als kompetitive Herausforderung nehmen. Daniel Jung etwa hat vor zwei Jahren seine sportlichen Ambitionen begraben: «Mein Partner und ich hatten uns intensiv auf den Lauf vorbereitet und rechneten uns Chancen aus. Doch dann verpassten wir das Tram und waren zu spät dran.»

Seither steht für ihn der Spass im Vordergrund. Auch er räumt ein, dass man den Anlass an sich in Frage stellen könne. Aber man müsse anerkennen, dass er ausserordentlich anständig und friedlich sei. Als positiv hebt er ausserdem das Umweltbewusstsein der meisten Teilnehmenden hervor: «Wenn man bedenkt, wie viele Leute mitmachen, entsteht erstaunlich wenig Abfall. Einige achten sogar darauf, die Zigarettenkippen wieder mitzunehmen.»

Die Strecke blieb erstaunlich sauber

Ob es die Arbeit von Umiker Krügers Team oder der schweizerische Hang zum Umweltbewusstsein ist, ist unklar. Das Teilnehmerfeld hinterlässt zwischen Reinach und Münchenstein zwar noch immer viel Abfall, aber dass 3000 betrunkene Jugendliche hier vorbeigezogen sind, sieht man der Strecke indes nicht an. Offensichtlich sind die Harassenläufer also von vielen, aber nicht allen guten Geistern verlassen.