TANKSTELLEN: Socar-Schweiz-Chef: «Wir wollen weiterwachsen»

Die aserbaidschanische Erdölfirma Socar kam vor fünf Jahren in die Schweiz. Socar-Schweiz-Chef Edgar Bachmann erzählt im Interview, wie sich heute mit Tankstellen noch Geld verdienen lässt und wohin die Reise geht.

Dominik Buholzer
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Die neue Autobahnraststätte St. Katharina Süd auf der Autobahn A14 bei Inwil. (Bild: Pius Amrein (5. Mai 2017))

Die neue Autobahnraststätte St. Katharina Süd auf der Autobahn A14 bei Inwil. (Bild: Pius Amrein (5. Mai 2017))

Interview: Dominik Buholzer

Edgar Bachmann, vor fünf Jahren trat Socar in den Schweizer Markt ein. Ihre Bilanz?

Wir können stolz sein auf unsere Leistung. Es ist uns gelungen, mit einer neuen Marke in einem Markt Fuss zu fassen, in dem seit Jahrzehnten nicht mehr viel passiert ist. Umfragen zeigen, dass wir sehr nahe dran sind an den grossen Namen.

In Zahlen?

Wir konnten 23 neue Partner gewinnen. Bereits nach zwei, drei Jahren erhielten wir die ersten Anrufe von Tankstellenbetreibern, die zu uns wechseln wollten. Der Netzentwicklung werden wir auch in den kommenden Jahren unser Augenmerk widmen. Unsere Pipeline ist voll, die Kooperation mit der Migros läuft bestens.

Als Socar 2011 das Tankstellennetz von Esso übernahm, zählte dieses 162 Standorte. Wo sind Sie heute?

Wir sind heute an 163 Standorten vertreten. Es ist ein ganz normaler Prozess, dass ein Teil der bisherigen Standorte bei einer Übernahme wegfällt. Wir sind weiterhin am Wachsen, und dies in einem mehr oder weniger gesättigten Markt.

Sie wollen das Netz ausweiten. Was ist geplant?

Wir beabsichtigen, in den kommenden zwei Jahren 10 bis 15 weitere Tankstellen für uns zu gewinnen. Unsere Zielgebiete sind die Zentral-, Ost- und Teile der Westschweiz.

Wo haben Sie die grössten Lücken?

In der Zentralschweiz. Aus diesem Grund ist es auch so wichtig, dass wir an der A14 bei Inwil die beiden Raststätten eröffnen konnten.

Mit Inwil sind Sie ein Risiko eingegangen. Ziemlich in der Nähe gibt es bereits eine Raststätte, die einen ziemlich harten Start hatte.

Inwil ist einer der besten Standorte in der Schweiz. Unsere Raststätte Richtung Süden ist seit einem Monat offen, und unsere Erfahrungen sind sehr positiv. Die Zahlen sind viel besser als erwartet. Die Raststätte hat auch nationalen Vorzeigecharakter, weil sich alles auf einer Ebene befindet, der Kunde schnell wieder weiterfahren kann, wenn er dies will.

So viele Möglichkeiten bieten sich Ihnen nicht mehr, über Tankstellen an neuen Standorten zu wachsen.

Das stimmt. Deshalb konzentrieren wir uns auf Partnerschaften mit bestehenden Betrieben. Wir sind auch weiterhin daran interessiert, ein Tankstellennetz zu übernehmen. Wir halten unsere Ohren offen.

Sie haben also schon Gespräche mit einem möglichen Übernahmekandidaten geführt?

Dies ist ein vertrauliches Thema. Dazu will ich keine Stellung nehmen.

Welches sind die Herausforderungen an eine Tankstelle heute?

Es gibt vermehrt Singles ohne Kinder, und die wollen sich nach einem strengen Arbeitstag schnell noch mit frischen Lebensmitteln bei uns und nicht im Shoppingcenter versorgen. Wir legen aus diesem Grund grossen Wert auf hochwertige Produkte in unserem Sortiment. Daneben ist auch E-Mobilität ein ganz grosses Thema für uns. Wir waren der erste Anbieter mit Ladestationen für Elektrofahrzeuge auf Autobahnraststätten. Wir sind aber auch offen für andere Antriebsstoffe wie beispielsweise Wasserstoff.

Autos werden leistungs­effizienter. Also ist mit dem Verkauf von Treibstoff nicht mehr das grosse Geld zu machen.

Richtig ist, dass die Fahrzeuge durchschnittlich weniger Benzin verbrauchen. Aber die Mobilität ist und bleibt ein grosses Thema. Sie hat auch nicht abgenommen, im Gegenteil. Wir sehen in diesem Bereich für uns sehr wohl noch einige Chancen.

Werden in zehn Jahren an Schweizer Tankstellen die Ladestationen für Elektro­mobile die Zapfsäulen verdrängt haben?

So schnell wird dies nicht gehen. Die Entwicklung der Motoren ist noch nicht abgeschlossen. Ich denke, in 20 bis 30 Jahren werden sich Veränderungen erst bemerkbar machen. Persönlich sehe ich ein grösseres Potenzial beim Wasserstoff, weil das Gewicht von der Batterie eines E-Mobils wegfällt.

Hinweis

Edgar Bachmann (50) ist seit Juli 2012 Chef Schweiz der Erdölgesellschaft Socar, die dem Staat Aserbaidschan gehört.