Grundversicherung
Tausende wechseln die Krankenkasse aufs neue Jahr – das sind die Gewinner und Verlierer

Die Verliererin der abgelaufenen Wechselsaison ist die einstige Berner Beamtenkasse, die KPT. Dafür konnte die Swica mächtig zulegen.

Roman Seiler
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Wer die Krankenkasse wechselt, kann Geld sparen, ohne beim Arzt gewesen zu sein – Hunderttausende haben das auf das neue Jahr hin getan. (Symbolbild)

Wer die Krankenkasse wechselt, kann Geld sparen, ohne beim Arzt gewesen zu sein – Hunderttausende haben das auf das neue Jahr hin getan. (Symbolbild)

KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Krass sind gewisse Aufschläge der Grundversicherungsprämien auf Anfang 2017: Bis zu 22 Prozent schlägt das Standardmodell im Verbreitungsgebiet der «Nordwestschweiz» auf. Dennoch zeichnet sich kein Rekord bei den Kassenwechslern ab. Offenbar ziehen es Versicherte zunehmend vor, ihre Prämien beim bestehenden Versicherer zu optimieren. Das führt dazu, dass mehr Prämien-Sparangebote wie Hausarzt- und Telefonmodelle oder höhere Franchisen gewählt werden.

Sprecher Stefan Heini sagt, die Zahl der Wechsel bei der Helsana-Gruppe liege «leicht über dem üblichen Mass» von rund acht Prozent. «Trotz gestiegener Prämien bewegen sich die Wechselzahlen im Durchschnitt der letzten fünf Jahre«, sagt CSS-Sprecherin Nina Meyer. Rund zehn Prozent der Versicherten hätten entweder zur Gruppe gewechselt oder diese verlassen. Netto resultierte ein Zuwachs von mehr als 16 000 Kunden.

Gegen 800 000 Kassenwechsel

Insgesamt dürften sich also gegen 800 000 Grundversicherte eine neue Kasse ausgesucht haben, schätzt die «Nordwestschweiz» aufgrund einer Umfrage bei den grössten Krankenversicherern sowie denjenigen im Kanton Aargau. Die Angaben sind noch provisorisch. Definitive Zahlen stehen erste Ende Januar fest. Wechseln darf nämlich nur, wer beim alten Versicherer nicht in der Kreide steht; das heisst, alle Prämien sowie Kostenbeteiligungen bezahlt hat.

Wer die Kasse gewechselt hat, kann auch in diesem Jahr viel Geld sparen: Zum Teil kürzten Grundversicherer die Rabatte bei Wahlfranchisen und alternativen Versicherungsmodellen. Wegen der Verbesserung des Risikoausgleichs müssen nämlich Billigkassen mit vielen jüngeren und gesünderen Kunden ab dem kommenden Jahr mehr Geld an Konkurrenten mit älteren, kränkeren Versicherten überweisen. Das schlägt direkt auf die Prämien durch. Dazu kam: Die Helsana- und die Sanitas-Gruppe sowie die ÖKK reduzierten auf Anfang Jahr die Zahl ihrer Grundversicherungsanbieter mittels Fusionen um vier Tochtergesellschaften. Auch dies führte zu teilweise happigen Prämiensprüngen im zweistelligen Prozentbereich.

Dieser Trend dürfte sich fortsetzen: 2017 dürften weitere Billigkassen verschwinden. Schweizweit erhöht sich die Standardprämie mit der Minimalfranchise von 300 Franken inklusive Unfalleinschluss im Schnitt um 4,5 Prozent. Das entspricht in etwa dem jährlichen durchschnittlichen Aufschlag seit Einführung des Krankenversicherungsgesetzes auf Januar 1996. Entsprechend halten sich die Veränderungen der Versicherungsbestände in einem relativ engen Rahmen.

*Schätzung «Nordwestschweiz»; **Bestand 2015

KK Birchmeier abgestraft

Prozentual am meisten Abgänge verzeichnete die in Künten AG domizilierte KK Birchmeier. Die in den vergangenen Jahren stark gewachsene Kasse zog auf Anfang Jahr nochmals mehr als 2100 neue Kunden an. Wechsler kosten in der Regel wenig, weil sie gesund sind. Die deswegen entsprechend stark angestiegenen Zahlungen in den Risikoausgleich rissen ein Loch in die Finanzen.

Daher musste die KK Birchmeier ihre Prämien bereits im letzten September im Schnitt um 20 Prozent anheben. Die massive Erhöhung dürfte dazu führen, dass die Kasse auf Anfang Jahr mindestens 3600 oder 30 Prozent ihrer Kunden verloren haben wird, schätzt die «Nordwestschweiz». Von den Kassenverantwortlichen war dazu kein Kommentar erhältlich. Den stärksten Einbruch verzeichnete die einstige Berner Beamtenkasse, die KPT, mit 15 000 Abgängen.

Assura wächst nur noch wenig

Prozentual am meisten neue Kunden zog die Berner Atupri an. Der Anstieg beläuft sich auf 13 Prozent. Das entspricht 21 000 Grundversicherten. Die in Winterthur ZH domizilierte Swica erhielt gar 35 000 neue Kunden, die Concordia in Luzern «mindestens 20 000». Die Assura wuchs um eine tiefe, einstellige Prozentzahl, schätzt die «Nordwestschweiz». Das liegt weit unter dem stürmischen Wachstum der Vorjahre als der Kassendiscounter aus der Waadt mit Tiefprämien 250 000 neue Versicherte anlocken und sich damit als Nummer 4 der Branche etablieren konnte.