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TAXI: Didi und Uber buhlen um die Welt

In China ist Didi Chuxing bereits die unangefochtene Nummer eins. Nun will der Fahrdienstvermittler aus Fernost weltweit expandieren und Marktführer Uber noch mehr Konkurrenz machen. Dabei steckt hinter beiden derselbe Geldgeber.
Felix Lee, Peking
Der Fahrdienstvermittler Didi Chuxing hat sich in China durchgesetzt und will jetzt expandieren.Bild: Getty (Dalian, 27. Juni 2017)

Der Fahrdienstvermittler Didi Chuxing hat sich in China durchgesetzt und will jetzt expandieren.Bild: Getty (Dalian, 27. Juni 2017)

Felix Lee, Peking

Travis Kalanick hatte mal gesagt: «Wenn du Verkehrsdienstleistungen so zuverlässig machen willst wie Leitungswasser, kann man ­einen Fünftel der Weltbevölkerung nicht ignorieren.» Nur wer in China erfolgreich sei, werde auch weltweit die Nummer eins. Viele Milliarden US-Dollar investierte der US-Fahrdienst für sein Geschäft im bevölkerungsreichsten Land der Welt.

Der einstige Uber-Chef hat Recht behalten. Nur anders, als er es sich vorgestellt hatte: Kalanick ist als Chef inzwischen geschasst. Das Uber-Geschäft in China hat der chinesische Konkurrent Didi Chuxing vor knapp zwei Jahren geschluckt und ist im Reich der Mitte quasi Monopolist. Nun expandiert das chinesische Start-up auch im Ausland. Und Investoren weltweit wollen mit dabei sein.

56 Milliarden Dollar Unternehmenswert

Zum zweiten Mal in einem Jahr hat sich der chinesische Fahrdienst eine Kapitalspritze im Spitzenbereich sichern können. Sie liegt nach firmeneigenen Angaben bei 4 Milliarden Dollar. Der Wert des chinesischen Unternehmens steigt auf rund 56 Milliarden Dollar. Didi zählt damit zu einem der grössten Start-ups Asiens. Uber aus San Francisco wird derzeit auf 48 Milliarden Dollar taxiert und damit rund 30 Prozent niedriger als zuletzt bewertet – vor kurzem hatte Uber es noch auf fast 70 Milliarden Dollar gebracht.

Bereits im April hat Didi eine Kapitalspritze in Höhe von rund 5,5 Milliarden Dollar erhalten. Didi selbst nannte keine Namen der Investoren. Wie das «Wall Street Journal» unter Berufung auf informierte Kreise berichtet, soll der japanische Technologieriese Softbank zu den Geldgebern gehören. Softbank ist bereits an Didi beteiligt, ebenso das Emirat Abu Dhabi über seinen Staatsfonds Mubadala Capital. Auch Apple ist angeblich wieder mit dabei. Der iPhone-Konzern hatte bereits im vergangenen Jahr rund 1 Milliarde Dollar in das chinesische Start-up-Unternehmen gesteckt.

Didi will 1 Million Elektrofahrzeuge bis 2020

Mit dem Geld wolle man in Zukunftstechnologien wie künstliche Intelligenz investieren, heisst es in einer Mitteilung von Didi. Bis zum Jahr 2020 wolle das Unternehmen 1 Million Elektrofahrzeuge an sein Netzwerk anbinden, aktuell seien es 250 000 Stück. Zudem will Didi seine Dienste auch in anderen Ländern anbieten. Derzeit expandiert das chinesische Unternehmen vor allem in Südostasien. Wie aus firmeninternen Kreisen zu vernehmen ist, sollen 2018 die Dienste auch auf Mexiko ausgeweitet werden. Didi sieht für sich gute Chancen vor allem in Ländern mit Städten, die denen in China ähnlich sind, also Megastädte mit eher chaotischen Verkehrsverhältnissen, ständigen baulichen Veränderungen und vielen Staus. Doch auch in Europa ist Didi vertreten und hat in den estnischen Uber-Rivalen Taxify investiert. Taxify wurde 2013 in Estland gegründet und ist nach eigenen Angaben mit über 2,5 Millionen Nutzern der am schnellsten wachsende Fahrdienstvermittler in Europa und Afrika.

Sein Dienst werde in 18 Ländern Europas und Afrikas genutzt, darunter Ungarn, Rumänien, Südafrika, Niberia und Kenia. Didi zählt weltweit mehr als 400 Millionen Kunden.

In den USA hält sich Didi mit seinen Diensten derzeit zwar noch zurück. Allerdings hat das chinesische Start-up im vergan­genen Jahr im kalifornischen Mountain mit Didi Labs eine Forschungsstätte gegründet, um eigenen Firmenangaben zufolge «möglichst viele technologische Vordenker aus dem Silicon Valley zu gewinnen und im Rennen um die Mobilität von morgen vorne mitzuspielen».

Im Prinzip hat Didi das gleiche Geschäftsmodell wie Uber. Über spezielle Taxi-Apps finden Fahrer und Fahrgast zueinander. Für ein Land wie China ist dieser Dienst aber noch mal von viel grösserer Bedeutung als etwa in den USA oder Europa. In China leiden Taxifahrer immer extremer unter dem dichten Strassenverkehr und den zunehmenden Staus. Viele Fahrer vor allem der staatlichen Taxiunternehmen sind genervt und fühlen sich zugleich unterbezahlt. Der Frustfaktor ist gross.

Regelrechte Preisschlacht in Peking

So hart der Wettbewerb im Fahrdienstvermittlungsgeschäft auch in anderen Erdteilen ist – in China lieferten sich Uber und Didi eine regelrechte Schlacht. Fahrten etwa, die in Peking mit dem regulären Taxi rund 100 Yuan kosten (rund 15 Dollar), boten Uber und Didi ihren Kunden für unter 20 Yuan an. Beide Unternehmen verbrannten mit Rabatten und Fahrersubventionen Milliarden.

Noch 2015 zog Uber den Kauf des chinesischen Konkurrenten in Erwägung. Doch es kam genau umgekehrt. Anfang 2016 gab der damalige Uber-Chef Kalanick erstmals zu, dass sein Unternehmen in China jährlich mehr als 1 Milliarde Dollar verliere. Wenig später verkündete er den Ver-kauf seines China-Geschäfts an Marktführer Didi. Im Gegenzug erhielt Uber eine Beteiligung von 17 Prozent am Konkurrenten.

Das meiste Geld nahm der japanische Grossinvestor Softbank in die Hand. Das einstige Technologieunternehmen ist neben seiner Beteiligung an Didi in China mit Ola auch in Indien bereits aktiv. Zudem ist Softbank an den Fahrdienstvermittlern Grab in Singapur und 99 in Brasilien beteiligt. Gründer und Chef Masayoshi Son hat nun einen Fonds von sage und schreibe 100 Milliarden Dollar für Investitionen in Zukunftstechnologien zusammengetragen und hat dem «Wall Street Journal» zufolge für rund 10 Milliarden Dollar auch 15 Prozent an Uber erworben.

Sprich: Hinter den Konkurrenten steckt der identische Geldgeber.

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