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TECHNIK: Fragen Sie den Arzt oder Ihre App

Obwohl sie langsamer voranschreitet als in anderen Branchen, macht die Digitalisierung auch vor dem Gesundheitswesen nicht Halt. Fachleute sehen darin grosse Chancen – aber auch Schwierigkeiten.
Daniel Schriber
Das Smartphone hält auch in der Gesundheitsbranche Einzug. (Bild: Victor Habbick/Getty)

Das Smartphone hält auch in der Gesundheitsbranche Einzug. (Bild: Victor Habbick/Getty)

Daniel Schriber

wirtschaft@luzernerzeitung.ch


Sebastian Kaiser hats richtig erwischt. Der 43-Jährige leidet an einer Lungenentzündung. Von seinem Hausarzt erhält er deshalb ein Antibiotikum verschrieben, das er in den kommenden Tagen ­regelmässig zu sich nehmen soll. Nebst der Erklärung seines Arztes erhält Kaiser auch noch den Download-Link zu einer passwortgeschützten Smartphone-App. Diese beliefert den Patienten fortan ­jeden Tag mit verschiedenen Informationen und Tipps zum Thema Antibiotika. Das Besondere: Dank einer individuellen Konfiguration ist die App genau auf Kaisers Therapie abgestimmt. Das geht so weit, dass das Programm den Patienten via Push-Nachricht daran erinnert, sollte er die Einnahme seines Antibiotikums mal vergessen.

Auch wenn es sich bei Sebastian ­Kaiser um ein fiktives Beispiel handelt, ist klar: Was nach Zukunftsmusik tönt, ist heute schon Realität. Möglich macht es die App Antibiotika.coach. «Die korrekte Einnahme eines Antibiotikums ist mitentscheidend für den Therapieerfolg und hilft beim Kampf gegen die weitere Ausbreitung von Resistenzen», erklärt André Gerber, Gründer der Firma Doc.coach AG aus Basel. «Mit unserer App begleiten wir die Patienten und unterstützen sie beim korrekten Umgang mit Antibiotika.» Gerber betont jedoch, dass eine App wie der Antibiotika.coach weder kurz- noch mittelfristig den Besuch beim Arzt oder Apotheker ersetzen soll. «Unser Ziel ist es vielmehr, eine Brücke zwischen der analogen und der digitalen Welt zu schlagen.»

Steigende Gesundheitskompetenz

Der Antibiotika.coach wurde im vergangenen November im Rahmen des Europäischen Antibiotikatags veröffentlicht und wird seither von verschiedenen Top-Pharm-Apotheken angeboten. Dabei handelt es sich um die grösste Gruppierung selbstständiger Apotheken in der Deutschschweiz. Auch Barbara Ochsner von der Apotheke 13 in der Stadt Luzern kennt den Antibiotika.coach. Die Apothekerin mit bald 30 Jahren Berufserfahrung schätzt an der App nicht nur den ­hohen Informationsgehalt, sondern die lockere Aufmachung. «Das Programm kommt fast wie ein Spiel daher und ist deshalb wohl für vor allem für jüngere Patienten interessant.»

Die Apothekerin ist überzeugt, dass es in Zukunft noch «viel mehr solche Angebote» geben wird. Die 52-Jährige sieht in der Digitalisierung primär eine grosse Chance: «Wenn dank solcher Angebote die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung gestärkt wird, spricht aus meiner Sicht nichts dagegen.» Dass sie aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung bald um ihren Job bangen muss, glaubt Ochsner hingegen nicht. «Ohne den persönlichen Kontakt wird es auch in Zukunft nicht gehen.» Als Ergänzung seien solche digitalen Angebote zwar sinnvoll, trotzdem werde der menschliche Kontakt auch im Gesundheitswesen von morgen eine entscheidende Rolle spielen. «Unsere Aufgaben werden sich ­jedoch weiter verändern. Galten Apotheker früher primär als ‹Schubladenzieher und Medikamentenverkäufer›, werden wir den Kunden und Patienten in Zukunft noch stärker beratend als Coaches zur Seite stehen.»

Auch Ueli Zihlmann, Geschäfts­führer der Ärztegesellschaft des Kantons Luzern, glaubt, dass die Digitalisierung den Alltag der Apotheker und Ärzte verändern wird. Von heute auf morgen werde dies jedoch nicht geschehen. Ein Grund dafür: die Kosten. «Von der digitalen Praxis spricht man seit 20 Jahren. Die Umstellung vom Papier auf den Computer ist jedoch mit grossem zeit­lichem und finanziellem Aufwand verbunden», sagt Ueli Zihlmann. Für André Gerber von der Doc.coach AG kann die Digitalisierung nicht schnell genug vorankommen. Der Antibiotika.coach sei erst «eine Duftmarke» dafür, wie Apps in Zukunft das Gesundheitswesen ergänzen könnten. Aktuell tüfteln Gerber und sein Team an wesentlich aufwendigeren Programmen. Schon in ­naher Zukunft will Doc.coach Konzepte für Menschen mit nicht übertragbaren Krankheiten (Bluthochdruck, Diabetes, Adipositas etc.) und für die Prävention auf den Markt bringen. Zum einen sollen die Applikationen bei den Patienten auf spielerische und motivierende Weise eine Verhaltensänderung erreichen, zum andern sollen sie «vernetzen, über­raschen und unterhalten».

Hinweis

Weitere Infos: www.abcoach.info

www.toppharm.ch/antibiotika-coach

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