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TECHNIK: «Ich hab das alles ja nicht geplant»

Mit 13 erklärte er im Internet, wie das iPhone funktioniert. Heute ist er 19 und berät die Spitzen von Konzernen. Die erstaunliche Karriere des Philipp Riederle.
Dominik Buholzer
Mit seinem Internetblog erregte der damals 13-jährige Philipp Riederle grosse Aufmerksamkeit (Bild hinten), heute erklärt der 19-Jährige Unternehmen wie die junge Generation tickt. (Bild Thomas Züger)

Mit seinem Internetblog erregte der damals 13-jährige Philipp Riederle grosse Aufmerksamkeit (Bild hinten), heute erklärt der 19-Jährige Unternehmen wie die junge Generation tickt. (Bild Thomas Züger)

Am Dienstag der Auftritt am Alpensymposium in Interlaken, am Mittwoch ein Gastspiel in Zürich und nächste Woche der Termin am Weltwirtschaftsforum in Davos: Philipp Riederle ist ein gefragter junger Mann. Der 19-jährige Münchner ist der Shootingstar der digitalen Welt. Als 13-Jähriger stellte er seinen ersten Videopodcast «Mein iPhone und ich ...» ins Internet und wurde fast über Nacht zum Sprecher der ganzen Generation. Riederle berichtet in dem Podcast über seine Erfahrungen mit dem iPhone und stellt Apps vor. Als 15-Jähriger sprach er als Referent erstmals vor Topmanagern. Heute berät er Firmen wie Audi. Vor zwei Jahren erschien Philipp Riederles Buch «Wer wir sind und was wir wollen».

Philipp Riederle, während andere mit 13 draussen Fussball spielen, sassen Sie drinnen und drehten Ihren ersten Podcast. Was lief bei Ihnen schief?

Philipp Riederle (schmunzelt): Nichts, gar nichts. Ich habe mich schon immer für Technik interessiert. Als ich 13 war, wollte ich unbedingt ein iPhone. Damals gab es die Dinger aber bei uns noch nicht, also importierte ich eines aus Amerika und hackte es, sodass ich es benutzen konnte. Ich dachte mir, vielleicht interessiert dies ja noch andere.

Also setzten Sie sich vor die Videokamera und stellten den Film ins Netz.

Riederle: Genau. Aber ich habe nie damit gerechnet, dass dies auf ein solch grosses Echo stossen würde. Zuerst waren es ein paar hundert, die meinen Podcast anschauten, dann mehrere tausend und plötzlich mehrere zehntausend.

Mittlerweile sind Sie 19, ein gefragter Redner und erklären selbst den Spitzen von grossen Banken, wie Ihre Generation tickt. Welches Gefühl ist es für Sie als junger Mann, vor solchen Gruppen zu referieren?

Riederle: Ich habe das alles ja nicht geplant. Am Anfang stand die Anfrage einer grossen Firma, ob ich vor dem Management einen Vortrag über Facebook und Social Media halten könne. Offenbar machte ich meine Sache nicht schlecht, denn mein Name wurde plötzlich von einem Unternehmen zum anderen gereicht.

Und heute ist es für Sie eine Selbstverständlichkeit, vor 500 Leuten und mehr zu referieren.

Riederle: Gerade eine Selbstverständlichkeit nicht. Aber ich habe mich daran gewöhnt. Am Anfang war das schon ein komisches Gefühl, vor diesen hohen Tieren in ihren steifen Anzügen zu stehen.

Normalerweise holen sich solche Firmen gestandene Berater, die ihnen die Welt erklären, und nicht einen Schuljungen. Ist das nicht ein wenig eine verkehrte Welt?

Riederle: Wenn ich mit denen spreche, dreht sich ja alles um meine Generation. Dann geht es um Fragen wie: Wie ticken wir? Stimmen all die Vorurteile? Verändern sich die Wertvorstellungen? Wie kann man uns als Kunden oder Mitarbeiter gewinnen? Als Direktbetroffener fällt es mir leicht, darüber zu sprechen. Ich kann direkt aus dem Leben der Jugendlichen berichten.

Wenn man Ihr Buch liest, gewinnt man den Eindruck, dass die Jugendlichen von heute nur machen, was ihnen Freude bereitet, und dies möglichst ohne grosse Einschränkungen. Müsste es nicht anders sein? Müssten sich nicht die Jungen den Bedingungen der Älteren unterordnen?

Riederle: Dies ist eine Folge des demografischen Wandels. Der Anteil der jungen Bevölkerung wird immer mehr abnehmen. Wenn es immer weniger Jugendliche gibt, wird es auch immer weniger Mitarbeiter geben. Zahlreiche Firmen bekunden bereits heute Schwierigkeiten, an junge Fachkräfte zu gelangen. Und wer nicht auf die Talente eingeht, ist sie schnell wieder los. Dies hat viel mit dem Wertewandel zu tun.

Das heisst?

Riederle: Wir sind die dritte Nachkriegsgeneration, wuchsen mit hohem Wohlstand auf. Wir hatten schon von Beginn an eine viel grössere Wahlfreiheit. Deshalb ist für uns Selbstbestimmung so wichtig.

Und dies manifestiert sich jetzt auch bei der Wahl des Arbeitgebers.

Riederle: Genau. Bei uns gelten andere Wertmassstäbe. Für die Generation unserer Eltern waren Geldverdienen, ein Auto und die Möglichkeit, Macht auszuüben, wichtig. Bei meiner Generation, der Generation Y, finden Sie all diese Werte auf den letzten Plätzen. Wir wollen etwas Sinnhaftes tun, uns verwirklichen und all dies in einem Rahmen, der unseren Bedürfnissen entspricht. Weshalb sollen wir von 8 bis 16 Uhr in der Stadt in einem Bunker arbeiten, wenn ich weiss, dass ich nachts zwischen 22 und 4 Uhr zu Hause viel kreativer bin? Wir erwarten, dass auf solche Bedürfnisse eingegangen wird.

Wird sich dieser Wandel verschärfen?

Riederle: Das hängt sehr stark vom Berufsfeld ab. Aber der Wunsch nach Selbstbestimmung wird sich auf jeden Fall noch verschärfen. Die Generation Y steht ja erst am Anfang ihres Berufslebens. In zehn Jahren werden wir rund 70 Prozent aller Arbeitnehmer ausmachen. Unternehmen, die sich nicht darauf einstellen, werden es noch viel schwieriger haben, zu jungen Fachkräften und somit zu Innovationen zu gelangen.

Die Firmen müssen sich also ändern?

Riederle: Ja, aber es geht uns nicht primär ums Umwerben. Es geht uns um diesen Kulturwandel. Wir wollen machen, was uns tatsächlich Freude bereitet, wir wollen mitbestimmen, Informationen austauschen, voneinander lernen, im Team arbeiten. Bei uns steht Teamwork im Vordergrund und nicht die Profilierung.

In Ihrem Buch üben Sie harsche Kritik am heutigen Schulsystem. Was funktioniert denn nicht?

Riederle: Es wird an einem Grossteil der Kinder vorbeigebildet. Statt auf die individuelle Begabung einzugehen, wird alles über einen Leisten geschlagen. Statt auf stumpfes auswendig Lernen müsste die Schule auf mehr Selbstbestimmung und Praxisbezug setzen. Ich kann Ihnen garantieren, dass ich beim Abitur, das ich vor einem halben Jahr mit einer guten Note abgeschlossen habe, heute komplett durchfallen würde.

Sie hoffen auf Veränderungen. Ist dies mehr Wunschdenken, oder stellen Sie auch Fortschritte fest?

Riederle: Es finden im Bildungsbereich auch dauernd Reformen statt. Aber dies sind meist nur minimale Veränderungen. Es braucht dringend ein Umdenken. Schüler müssten sich doch in ihrem eigenen Tempo den Lernstoff aneignen können und sich nicht mit dem Lehrer, sondern mit Lerncoaches treffen. Ich versichere Ihnen, es gäbe dann auch kaum mehr Probleme mehr mit der Disziplin der Schüler, und der Lehrerberuf würde erst noch viel attraktiver.

Kürzlich beklagte der deutsche Internetexperte der ersten Stunde Sascha Lobo in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», das Internet sei aufgrund des NSA-Skandals nicht das, wofür er es gehalten habe. Hat er Recht?

Riederle: Man darf das Internet nicht als Wundermittel sehen. Es ist und bleibt ein Kommunikationsmittel, das uns die grossartige Chance bietet, auf ein grosses Wissen zurückzugreifen. Wer das Internet aber nicht als reines Werkzeug sieht, sondern als Friedensbringer, wird unweigerlich enttäuscht. Facebook funktioniert nur, wenn man es mit Daten füttert, deswegen muss dies aber nicht gleich schlecht sein.

Das Smartphone machte unseren Alltag schneller. Wir sind heute während 24 Stunden an 7 Tagen der Woche erreichbar. Wie soll man mit dieser digitalen Flut umgehen?

Riederle: Es benötigt ein Mass an Selbstdisziplin. Wir sollten uns am Tag bewusst eine halbe oder ganze Stunde Zeit nehmen, um unsere Mails zu beantworten. Das Smartphone sollte nicht unseren Alltag bestimmen. Ich halte denn auch nichts von Multitasking. Dies ist sowieso ungesund. Studien zeigen, dass unser IQ bei Multitasking um 10 Punkte abnimmt.

Haben Sie denn derzeit Ihr Smartphone nicht auf sich?

Riederle: Doch, natürlich. Aber ich habe es auf stumm geschaltet, ich erwarte derzeit keine dringende Nachricht. Und in der Nacht stelle ich mein Smartphone sowieso ganz ab.

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