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TECHNOLOGIE: Schweizer Börse SIX setzt auf Blockchain

Die Schweizer Börse SIX will mit der US-Technologiebörse Nasdaq zusammenarbeiten, um den Handel strukturierter Produkte zu vereinfachen. Eine erste Testversion soll es Ende Jahr geben.
Maurizio Minetti
Am SIX-Hauptsitz in Zürich setzt man in Zukunft auf Zusammenarbeit. (Bild: Emmio Leanza/Keystone (16. Mai 2017))

Am SIX-Hauptsitz in Zürich setzt man in Zukunft auf Zusammenarbeit. (Bild: Emmio Leanza/Keystone (16. Mai 2017))

Maurizio Minetti

Die Ankündigung der Zusammenarbeit ist gut versteckt in einer Eingabe an die US-Börsenaufsicht SEC: Die amerikanische Technologiebörse Nasdaq hat im Juli ein Abkommen mit dem Schweizer Börsenbetreiber SIX Swiss Exchange unterzeichnet. Ziel ist es, den ausserbörslichen Handel – auch Over the Counter (OTC) genannt – von strukturierten Produkten auf eine neue technologische Basis zu stellen.

Als strukturiertes Finanzprodukt bezeichnet man ein Anlageinstrument, das aus einem Basiswert (zum Beispiel Aktien, Währungen, Rohstoffe usw.) und einer derivativen Komponente besteht. Mit einem Derivat spekuliert man darauf, ob der Preis eines Basiswerts steigen oder fallen wird. Strukturierte Produkte werden entweder über die Börse oder eben ausserbörslich gehandelt. Ausserbörslich gehandelte Geschäfte werden individuell zwischen Marktteilnehmern vereinbart und abgewickelt. Dadurch geschieht der Handel nicht an einem zentralen Punkt, sondern ist über mehrere Teilnehmer und Standorte verteilt, wodurch das System eher langsam und fehleranfällig ist.

Nicht das erste Blockchain-Projekt von SIX

Aus diesem Nachteil wollen SIX und Nasdaq nun einen Vorteil machen. Denn der verteilte Handel ist sozusagen prädestiniert für eine Technologie, die in letzter Zeit in aller Munde ist: die Blockchain. Dabei handelt es sich vereinfacht gesagt um ein dezentrales, verteiltes Kontobuch, das in Echtzeit erfasst, wer welche Papiere besitzt. Die Vorteile: Die Blockchain ist sicher, schnell und für alle Teilnehmer transparent einsehbar.

SIX-Sprecher Jürg Schneider bestätigte gestern die Kooperation mit der Nasdaq. Die beiden Börsen arbeiten an einem sogenannten Minimal Viable Product (MVP), wörtlich ein «minimal überlebensfähiges Produkt». Im Klartext soll mit dem MVP in Erfahrung gebracht werden, ob die Technologie Marktchancen hat. «Das MVP würden wir gerne mit ausgewählten Kunden von uns testen», sagt Schneider. Welche das sein werden, ist noch unklar. Voraussichtlich soll das MVP bis Ende Jahr gebaut sein und dann in einer Testumgebung geprüft werden. Konkret soll die Blockchain-Technologie der Nasdaq für das MVP der SIX implementiert werden. Das Ziel dürfte sein, die Effizienz zu steigern und damit langfristig die Kosten zu senken. Dazu sagt Schneider: «Wir wollen in erster Linie praktische Erfahrung sammeln.»

Die Finanzindustrie hat die Blockchain längst für sich entdeckt. Mehrere Banken, darunter die UBS, haben entsprechende Projekte aufgegleist. Die Nasdaq verfolgt die Technologie seit 2015. Auch für die SIX ist es nicht der erste Gehversuch mit der Blockchain. Einen ersten Schritt unternahm SIX bereits 2015 mit der Gründung des Fintech-Innovationszentrums F10. Im September 2016 folgte eine Zusammenarbeit mit dem New Yorker Blockchain-Start-up Digital Asset. Hier geht es um den Bau eines Prototyps für die Wertpapierlebenszyklus-Verarbeitung. Im gleichen Monat kündigte die Hochschule Luzern ein Forschungsprojekt an, das die Blockchain als Basis für ausserbörslich gehandelte Aktien verwenden will. Mit dabei sind unter anderem Swisscom, die Zürcher Kantonalbank und auch SIX. Das Projekt mit der Nasdaq habe nichts mit dem Forschungsprojekt der Hochschule Luzern zu tun, betont SIX.

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