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TECHNOLOGIE: Trump springt Qualcomm bei

Der US-Präsident verbietet eine feindliche Übernahme des Prozessorherstellers Qualcomm durch das Singapurer Unternehmen Broadcom. Grund dafür dürfte die Angst vor ausländischem Zugriff sein.
Renzo Ruf, Washington
Nahaufnahme eines Serverprozessors von Qualcomm am Mobile World Congress in Barcelona. (Bild: Simon Dawson/Bloomberg (27. Februar 2018))

Nahaufnahme eines Serverprozessors von Qualcomm am Mobile World Congress in Barcelona. (Bild: Simon Dawson/Bloomberg (27. Februar 2018))

Renzo Ruf, Washington

Der Präsident zieht die Notbremse. Unter Verweis auf ein 1950 verabschiedetes Rüstungsgesetz hat Donald Trump am Montagabend eine feindliche Übernahme des kalifornischen Technologiekonzerns Qualcomm durch den Konkurrenten Broadcom aus Singapur ein für alle Mal untersagt.

Damit stoppte er auf dem Verwaltungsweg eine Transaktion, die nicht nur in der amerikanischen Geschäftswelt für Unruhe gesorgt hatte. Ihm lägen «glaubwürdige Beweise» vor, wonach die Übernahme des amerikanischen Chipherstellers durch Broadcom die «nationale Sicherheit» der USA gefährdet hätte, hielt Trump in seiner Anordnung fest.

Schlüsseltechnologie für US-Streitkräfte

Der Schritt des US-Präsidenten kam einerseits nicht unerwartet. Vor zehn Tagen ordnete die Aufsichtsbehörde CFIUS (Committee on Foreign Investment in the United States) bereits eine Verschiebung der Qualcomm-Generalversammlung an, an der Broad­com die Macht im Qualcomm-Verwaltungsrat hatte übernehmen wollen.

Andererseits schien sich das CFIUS, präsidiert durch Finanzminister Steven Mnuchin, bis vor einigen Tagen nicht im Klaren zu sein, ob es überhaupt ein Mandat besitzt, die Broadcom-Avancen zurückzuweisen. Denn normalerweise schreitet das CFIUS erst ein, wenn ein formales Übernahmeangebot durch einen ausländischen Konzern auf dem Tisch liegt. Beobachter sprachen deshalb von einem «aussergewöhnlichen» Entscheid des Präsidenten. Es war dies das fünfte Mal, dass ein US-Präsident unter Verweis auf die Sicherheitspolitik die Übernahme eines US-Unternehmens durch einen ausländischen Interessenten verbot.

Hinzu kommt: Broadcom ist ein Spezialfall. Konzernchef Hock Tan ist ein Alliierter von Trump, der im vorigen November im Oval Office des Weissen Hauses empfangen wurde und im Beisein des Präsidenten ankündigte, dass er das Broadcom-Hauptquartier bald zurück in die USA verlegen und Steuern auf 20 Milliarden Dollar zahlen werde. Trump lobte Broadcom damals als «ein wirklich grossartiges, grossartiges Unternehmen».

Broadcom war 1991 in Kalifornien gegründet worden; 2016 wurde das Unternehmen durch den singapurischen Konzern Avago Technologies übernommen, behielt aber den alten, amerikanischen Namen bei. Der Firmensitz von Broad­com befindet sich im asiatischen Stadtstaat Singapur. Broadcom besitzt aber im Silicon Valley in Kalifornien immer noch ein Standbein. Warum Trump sich letztlich dazu entschied, dem Tausendsassa Hock Tan in den Rücken zu fallen und sich auf die Seite von Qualcomm zu schlagen, ist aus der präsidialen Anordnung nicht ersichtlich. In Washington und San Diego, dem Hauptsitz von Qualcomm, kursieren zwei Theorien. Die erste: Das offizielle Amerika befürchtete, dass Broadcom Böses im Schild führte und das Qualcomm-Budget für Forschung und Entwicklung massiv kürzen wollte. Dies hätte negative Auswirkungen auf die Entwicklung eines neuen 5G-Standards für die Mobilfunktelefonie gehabt, an dem Qualcomm auf amerikanischer Seite federführend tätig ist. Davon wiederum hätte Huawei profitiert, der chinesische Technologiekonzern, der im Auftrag Pekings am neuen 5G-Standard arbeitet. Broadcom dementierte allerdings, solche Pläne zu hegen.

Die andere Theorie dreht sich um geschäftliche Beziehungen von Broadcom zu anderen ausländischen Firmen. Demnach habe Broadcom im Gespräch mit amerikanischen ­Regierungsstellen nicht wahrheitsgemäss Auskunft über angebliche Geschäftsbeziehungen mit ungenannten Drittunternehmen gegeben. Daraus lässt sich ableiten, dass Washington befürchtete, ausländische Akteure könnten nach vollendeter Übernahme direkten Zugriff auf Qualcomm bekommen – ein Unternehmen, das als Zulieferer der amerikanischen Streitkräfte eine wichtige Rolle spielt.

Modem-Chips und WiFi-Chips

Der Halbleiterhersteller Qualcomm, der die 117-Milliarden-Offerte zurückgewiesen hatte, teilte mit, die wegen der Prüfung durch das CFIUS-Komitee verschobene Jahresgeneralversammlung nun am 23. März abzuhalten. Im vorbörslichen US-Handel gab die Aktie um fast 5 Prozent nach.

Qualcomm und Broadcom zählen zu den weltgrössten Halbleiterherstellern und bieten beide Handychips an, wenn auch mit unterschiedlichen Schwerpunkten: Qualcomm versorgt Anbieter wie Apple, Samsung oder LG mit sogenannten Modem-Chips, die die Telefone mit drahtlosen Datennetzwerken verbinden. Broadcom liefert denselben Smartphone-Konzernen WiFi-Chips, die aber eher als Standardprodukte gelten und deshalb deutlich günstiger sind als Modem-Chips.

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