TECHNOLOGIE: Zuger Firma will Google-Roboter

Google will den 2013 gekauften Roboterhersteller Boston Dynamics wieder loswerden. Demiurge Technologies aus Zug will sich die Firma nun schnappen.

Maurizio Minetti
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Ein Mitarbeiter der US-Firma Boston Dynamics arbeitet an einem «BigDog»-Roboter. (Bild: Getty/Suzanne Kreiter)

Ein Mitarbeiter der US-Firma Boston Dynamics arbeitet an einem «BigDog»-Roboter. (Bild: Getty/Suzanne Kreiter)

Maurizio Minetti

Der Roboterhund «BigDog» von Boston Dynamics wirkt unheimlich. Er wiegt mehr als 100 Kilogramm und ist 90 Zentimeter lang sowie 76 Zentimeter hoch. Der Roboter, der von hydraulisch getriebenen künstlichen Muskeln in Bewegung versetzt wird, erreicht eine Geschwindigkeit von bis zu 6,4 Kilometer pro Stunde und kann ein Gesamtgewicht von 180 Kilo tragen. Boston Dynamics hat ihn vor zehn Jahren zu Forschungszwecken im Auftrag des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums entwickelt. Später entwickelte das Unternehmen weitere Prototypen, die schneller und agiler wurden.

Solche autonomen Roboter könnten künftig Bomben entschärfen oder zum Beispiel bei Nuklearkatastrophen wie etwa in Fukushima zum Einsatz kommen. Für Google schien dies 2013 ein zukunftsträchtiges Geschäft zu sein, und so übernahm der Internetkonzern die Robotikfirma Boston Dynamics.

Doch nun will sich Alphabet – so heisst seit kurzem die Dachgesellschaft, die unter anderem Google unter sich vereint – Boston Dynamics wieder verkaufen. Unter anderem weil die Maschinen auf Beinen Ängste schüren, heisst es in einem internen Papier. Boston Dynamics zeigte vor kurzem ein humanoides Modell auf zwei Beinen namens «Atlas», das Türen öffnen und von allein aufstehen kann, nachdem es von einem Menschen umgeschubst wurde. Ausserdem kann der Roboter Kisten vom Boden aufheben und in Regale stellen.

Chinesische Investoren interessiert

Als mögliche Käufer werden unter anderem der japanische Autohersteller Toyota oder der amerikanische Internetkonzern Amazon genannt. Doch nun interessiert sich auch eine Zuger Firma für die Robotik-Technologie. Die im Mai 2015 gegründete Demiurge Technologies AG mit Sitz in Zug bestätigt auf Anfrage, dass sie Boston Dynamics kaufen möchte. «Ziel ist es, ein neues Roboter-Betriebssystem zu entwickeln, das auf unserer Technologie für künstliche neuronale Netze basiert», teilt das Unternehmen mit. Künstliche neuronale Netze sind ein Zweig der Künstlichen Intelligenz, der in den letzten Jahren einen Boom erlebt hat. Viele grosse IT-Konzerne wie Google, Apple, Amazon oder Microsoft setzen auf Künstliche Intelligenz, etwa mit Assistenten in Smartphones oder mit Lautsprechern, die ihre Umgebung wahrnehmen.

Zu fünft in Zug

Demiurge hat letztes Jahr eine Finanzierung von nahezu 10 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Zu den Investoren gehören unter anderem die Gesellschaften Vantone Holdings und Hongdao Capital aus Peking. Auch die beiden Gründer von Demiurge sind Chinesen: Sie heissen Siyi Lin und Zhipan Ren, verwenden aber Pseudonyme. Siyi Liu ist die Geschäftsführerin und nennt sich Idonae Lovetrue. Ihr Geschäftspartner Zhipan Ren ist Technologiechef und nennt sich Bragi Lovetrue. «Wir sind in Zug derzeit zu fünft», sagt Idonae Love­true auf Anfrage. Zug fungiert als Zentrum für Forschung und Entwicklung. Hier sollen zum Beispiel Technologien für selbstfahrende Autos oder Weltall-Roboter entwickelt werden.

Die Gründerin gibt sich überzeugt, dass die Kombination der eigenen Software mit der Hardware von Boston Dynamics neue Anwendungsmöglichkeiten eröffnen könnte. «Wir haben eine ähnliche Methodik, und unser Fachwissen ergänzt sich», so Idonae Lovetrue.

Wie viel Demiurge für Boston Dynamics bezahlen würde, verrät das Zuger Jungunternehmen nicht. Google soll 2013 je nach Medienbericht 60 bis 500 Millionen Dollar für die Robotikfirma bezahlt haben.