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Tegut hat sich aufgefrischt: Die Migros-Tochter kooperiert mit Amazon

Die süddeutsche Supermarktkette Tegut hat alle Läden modernisiert und macht dank einer Onlinekooperation mit Amazon erste Gehversuche ausserhalb ihres Stammgebiets.
Thomas Griesser Kym
Eine Mitarbeiterin von Amazon Fresh in München. (Bild: PD)

Eine Mitarbeiterin von Amazon Fresh in München. (Bild: PD)

Detaillisten und Drogisten in Deutschland sind eher schlecht zu sprechen auf den Heimlieferservice von Amazon. Die Münchner Biomarktkette Basic, der Allgäuer Lebensmittelhändler Feneberg oder die niedersächsische Drogeriemarktkette Rossmann – sie alle haben mit Amazon kooperiert, sind aber mittlerweile aus dem Verkauf ihrer Produkte über die Lieferplattform des Online­giganten schon wieder ausgestiegen oder zeigen sich unzufrieden mit der Entwicklung.

Zumindest ein Partner aber äussert sich positiv über die Kooperation. Es ist die süddeutsche Supermarktkette Tegut, die seit 2013 der Genossenschaft Migros Zürich gehört. Seit Frühling vergangenen Jahres verkauft Tegut Eigenmarken über Amazon Fresh und Prime Now. Gegenüber dem Portal supermarktblog.com liess Tegut jüngst verlauten, «die Umsatzerwartungen haben sich erfüllt», und man sei «mit der Zusammenarbeit zufrieden». Konkret habe sich Tegut dank der Kooperation aus dem Stand heraus in Deutschland einen Marktanteil am E-Commerce mit Nahrungsmitteln und Getränken von 0,3 Prozent gesichert. Gemessen an diesem Gesamtmarkt von geschätzten 1,5 Milliarden Euro (2017) sind das vergleichsweise bescheidene 4,5 Millionen Euro.

Happige Gebühren

Laut Tegut ist aber die «Tendenz steigend», und via Amazon kann das Unternehmen, das mit seinen Supermärkten schwergewichtig in Hessen, Thüringen und Bayern präsent ist, mit seinen Eigenmarken neue Kunden erreichen, und das auch ausserhalb der Ladenöffnungszeiten sowie in anderen Gebieten Deutschlands. Wobei der Ausbreitung allerdings Grenzen gesetzt sind, denn Amazon Fresh beliefert mit Hilfe der Deutsche-Post-Tochter DHL lediglich Kunden in Berlin, Potsdam, Hamburg und München, und der Schnelllieferdienst Prime Now ist gar nur in Berlin und München aktiv. Wer diese Heimlieferungen beanspruchen will, muss zudem Mitglied sein bei Amazon Prime, und das kostet eine Jahresgebühr von 69 Euro plus einen Monatsbeitrag von 9.99 Euro. Dafür sind Lieferungen über 40 Euro gratis. Wer den Monatsbeitrag sparen will, zahlt bei jeder Lieferung eine Gebühr.

Aus 750 Produkten sollen Tausende werden

Das Konzept richtet sich also eher an einen begrenzten Kreis an Konsumenten mit gewisser Kaufkraft, die keine Zeit oder Lust zum Einkaufen im physischen Laden haben. Dennoch sieht Tegut Potenzial. Von seinen 20000 Produkten sind derzeit 750 bei Amazon verfügbar, wobei vor allem Artikel des Tegut-Kerngeschäfts, des Biosortiments (siehe Zweittext), «sehr stark» nachgefragt würden. Vergangenes Jahr sagte Tegut-Geschäftsleiter Thomas Gutberlet indessen, «durch die Partnerschaft mit Amazon können wir Kunden Zugang zu Tausenden neuen Produkten ermöglichen», und das, ohne selber «einen weiteren Vertriebs­kanal aufzubauen». Trotz aller Wachstumspläne macht sich Gutberlet aber keine Illusionen: Zumindest am Anfang wäre ein Umsatz in der Grössenordnung eines grossen Tegut-Markts «in Ordnung».

Supermärkte sind revitalisiert

Im vergangenen Jahr hat Tegut die Umsatzmarke von einer Milliarde Euro übertroffen. Verkauft wurden Waren für 1,008 Milliarden, das sind 12 Millionen oder 1,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Gut ein Viertel des Umsatzes wurde mit Bioprodukten erwirtschaftet. Ende Jahr zählte Tegut 273 Supermärkte, wobei acht Neueröffnungen sieben Schliessungen gegenüberstanden. Im laufenden Jahr will man zehn neue Standorte eröffnen.

Als die Migros Zürich Anfang 2013 Tegut übernahm, hatten viele Läden Renovationsbedarf. Vergangenes Jahr sei die «Revitalisierungsphase» abgeschlossen und der Investitionsstau abgebaut worden. Seit 2013 sei jährlich «ein mittlerer, zweistelliger Millionenbetrag» in die Erneuerung des Filialnetzes investiert worden. Tegut beschäftigt rund 6800 Mitarbeitende.

Die Firma wurde 1947 in der Not vom Grossvater des aktuellen Geschäftsleiters Thomas Gutberlet gegründet. Den Beginn machten zwei kleine Märkte im hessischen Fulda. (T. G.)

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