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Teilzeit-DJ kommt an Spitze

Die US-Investmentbank macht den geplanten Wechsel an ihrer Spitze offiziell: Lloyd Blankfein wird Ende September als Konzernchef zurücktreten und zum Jahresende den Verwaltungsratsvorsitz abgeben.
Renzo Ruf, Washington
David Solomon war bisher die Nummer 2 bei Goldman Sachs. (Bild: Patrick Fallon/Bloomberg (Beverly Hills, 30. April 2018))

David Solomon war bisher die Nummer 2 bei Goldman Sachs. (Bild: Patrick Fallon/Bloomberg (Beverly Hills, 30. April 2018))

Gut möglich, dass «D.J. D-Sol» nun eine Auszeit nehmen muss. Denn gestern gab der Arbeitgeber des (angeblich begabten) Discjockeys, der im bürgerlichen Leben auf den Namen David Solomon hört, dessen Beförderung zum neuen Konzernchef von der Investmentbank Goldman Sachs bekannt. Der 56-jährige Solomon, der bisher als Nummer zwei des traditionsreichen Geldhauses amtierte, wird am 1. Oktober Lloyd Blankfein (63) ersetzen, der nach zwölf Jahren an der Spitze von Goldman Sachs in den Ruhestand tritt.

Die Beförderung des operativen Geschäftsleiters Solomon ist keine Überraschung. Seitdem er im März einen internen Machtkampf gegen den damaligen Co-Präsidenten Harvey Schwartz gewann, galt der Glatzkopf als ­führender Kandidat für die Nachfolge von Blankfein – dem wohl einflussreichsten Vertreter der amerikanischen Finanzindustrie. Selbst seine ungewöhnliche Freizeitbeschäftigung, seine Vorliebe für elektronische Tanzmusik, konnte den Aufstieg Solomons an die Spitze der 149 Jahre alten Bank nicht bremsen.

Der neue Chef gilt als Praktiker

Damit zahlt sich für Solomon aus, dass er seinem Arbeitgeber treu geblieben ist, obwohl er über die Jahre hinweg diverse Jobangebote bekam. So versuchte ihn der Casinobesitzer Sheldon Adelson abzuwerben, der 2014 auf der Suche nach einem neuen Chef für die Las Vegas Sands Corporation war, zu der unter anderem das «Venetian» in Las Vegas (Nevada) und das «Marina Bay Sands» in Singapur gehört. Doch Solomon schlug die Gelegenheit aus, obwohl er für seine regelmässigen Ausflüge in die Spielstadt Atlantic City (New Jersey) bekannt ist und Adelson seit den Neunzigerjahren als Ansprechpartner bei Goldman Sachs gedient hatte. Der Banker habe keine Lust darauf gehabt, die zweite Geige zu spielen, sagte anschliessend ein Vertrauter des Casino-Magnaten der Wirtschaftszeitung «Wall Street Journal». Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Blankfein gilt Solomon als Praktiker, ein Mann, der sich seine Sporen im hochspekulativen Geschäft mit Ramsch­anleihen verdiente. 1986 heuerte er bei Drexel Burnham Lambert an. Als die Investmentbank vier Jahre später zusammenbrach, im Zuge eines Skandals um illegale Geschäfte, wechselte er zu Salomon Brothers und dann zu Bear Stearns. Schon damals, sagte ein langjähriger Weggefährte Solomons, habe er seinen Vertrauten verraten, dass er eigentlich lieber für Goldman Sachs arbeiten möchte. Er sei fasziniert vom guten Image des Geldhauses gewesen. 1999 erfüllte sich der Traum Solomons und er wurde zum Partner berufen; und kaum stand er auf der Lohnliste von Goldman Sachs, stieg er die Karriereleiter hoch. 2006 übernahm er die Co-Leitung der Investment-Sparte, des traditionellen Kerngeschäfts des Finanzinstituts.

Angestellte sagen, unter Solomon habe ein schärferer Wind in der Abteilung geweht, weil er Rituale hinterfragt und die Autonomie der Angestellten eingeschränkt habe. Allerdings wird ihm auch zugutegehalten, dass er den Anteil der weiblichen Angestellten massiv ausbaute, und Wert darauf legte, dass selbst ambitionierte Banker etwas Freizeit geniessen konnten. Natürlich waren diese Bestrebungen von «D.J. D-Sol» nicht ganz selbstlos – reiste Solomon doch ab und zu auch auf die Bahamas, um dort auf dem Tanzparkett für gute Laune zu sorgen.

Branchenanalysten gehen derweil davon aus, dass David Solomon einen eher einfachen Start an der Spitze des Finanzhauses haben wird. Unter Blankfein gelang es Goldman Sachs nämlich im vergangenen Quartal den Profit um 40 Prozent auf insgesamt 2,6 Milliarden Dollar (im Vergleich zum 2. Quartal 2017) zu steigern. Auch leitete er darüber hinaus einen sanften Kurswechsel ein; so mischt die Bank neuerdings im Geschäft mit Sparguthaben und Kleinkrediten für Normalsterbliche mit.

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