Mobilfunk
Telefonieren in den Ferien wird billiger: Aber nur für EU-Bürger

Wenn Neelie Kroes den Tarif durchgibt, dann zittern Europas Telekomanbieter: «Touristen und Geschäftsreisende brauchen keine Rechnungsschocks mehr zu fürchten», sagt die für Telekommunikation zuständige EU-Kommissarin.

Sven Millischer
Merken
Drucken
Teilen
Teurer Ferienschwatz: Schweizer zahlen bis zu 433 Prozent mehr. Imago

Teurer Ferienschwatz: Schweizer zahlen bis zu 433 Prozent mehr. Imago

Denn ab nächstem Monat senkt Brüssel die Preisobergrenze für Mobilfunk und SMS innerhalb der Europäischen Union um weitere 10 Prozent. Dann darf ein Auslandsgespräch mit dem Handy noch umgerechnet maximal 49 Rappen pro Minute kosten. Ein SMS nicht mehr als 15 Rappen.

Solche Obergrenzen legt die EU seit 2007 fest und hat seither kräftig an der Preisschraube gedreht. So sind die Roaminggebühren innerhalb der Union in den letzten Jahren um über zwei Drittel gesunken. Und macht Kroes klar, wo das Fernziel liegt: «Es gibt keinen Grund, weshalb Roaming teurer sein sollte als ein Inlandgespräch mit dem Handy.» Dieses kostet heute im EU-Schnitt 12,6 Rappen pro Minute.

Datenroaming als Kostenfalle

Als dreiste Kostenfalle ist auch das Datenroaming ins Visier der EU-Kommissarin geraten. Also, wenn mit dem Smartphone im Ausland nicht nur telefoniert, sondern auch im Internet gesurft wird. Bereits im nächsten Jahr will Kroes deshalb den Datenroaming-Preis deckeln und bis 2014 sukzessive auf gut 65 Rappen pro Megabyte absenken. Dabei handelt es sich um Grosshandelspreise. Also jene Tarife, die sich die Anbieter untereinander verrechnen.

Welch fürstliche Margen – trotz behördlicher Obergrenze – immer noch für die Telekomanbieter übrig bleiben, zeigt eine Untersuchung der EU-Kommission. Demnach liegen die tatsächlichen Bereitstellungskosten bei knapp 20 Rappen. Datenroaming sorgt also für Margen von 200 und mehr Prozent.

Während die EU beim Roaming Druck macht, lässt Bundesbern die Anbieter gewähren. Und dies, obwohl hierzulande noch unverschämter abgezockt wird: «Die Standardtarife für Sprachroaming und jetzt auch für SMS sind in der Schweiz deutlich höher als in der EU», hält der Bundesrat in seiner letztjährigen Evaluation zum Fernmeldemarkt fest.

Wer beispielsweise im europäischen Ausland ein SMS verschickt, der zahlt als Schweizer gegenüber einem EU-Bürger 60 Prozent mehr. Und auch bei der Tarifierung werden hiesige Mobilfunkkunden im Ausland geschröpft: Während in der EU für Roaming-Gespräche der Sekundentakt gilt, wird in der Schweiz auf die Minute abgerechnet.

Preisüberwacher: «Ein Ärgernis»

Für Preisüberwacher Stefan Meierhans sind die überhöhten Roaming-Gebühren ein Ärgernis: «Ein bilaterales Abkommen mit der EU wäre die beste und einzige befriedigende Lösung, die gleich tiefe Roaming-Gebühren wie in EU-Ländern sicherstellt.» Doch die Chancen, zeitnah ein solches Abkommen abzuschliessen, sind minim. So verweist der Fernmeldebericht auf den «europapolitischen Kontext», der mitbedacht werden müsse.

Mit anderen Worten: Roaming hat keine Priorität. Der Bundesrat ist nicht gewillt, das Dossier aus dem Bilateralen-III-Paket herauszulösen und gesondert zu verhandeln. Dies, trotz zahlreicher Vorstösse wie jenem des Berner SVP-Nationalrats Thomas Fuchs. Dieser fordert jüngst in einer Motion, dass der Bundesrat analog zur EU einheitliche Höchsttarife fürs Roaming festlegt. Doch die Behörden scheuen eine Lösung am Verhandlungstisch und verweisen auf die Anbieter, die im Ausland bessere Konditionen aushandeln sollen.

Das Gegenteil ist der Fall. Ein Beispiel: Wer bei der britischen Vodafone Kunde ist, kann auf all ihren 22 europäischen Mobilfunknetzen zu Konditionen surfen wie zu Hause. Auch France Télécom, zu der Orange gehört, betreibt ein gutes Dutzend Mobilfunknetze in Europa. Doch Orange gewährt ihren Kunden keine Sonderkonditionen für konzerneigene Netze, obwohl hier die internen Kosten noch tiefer liegen dürften.