TELEKOM: Ein Puzzle-Teil fehlt noch

Andreas Schönenberger ist seit rund einem Jahr Chef von Salt. Der ehemalige Google-Manager hat den drittgrössten Schweizer Mobilfunkanbieter restrukturiert. Jetzt schielt er auf den Festnetz-Markt.

Maurizio Minetti
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Salt-CEO Andreas Schönenberger. (Bild: Dominik Wunderli (Zürich, 11. Mai 2017))

Salt-CEO Andreas Schönenberger. (Bild: Dominik Wunderli (Zürich, 11. Mai 2017))

Maurizio Minetti

maurizio.minetti@luzernerzeitung.ch

Gleich vor dem Geschäftssitz von Salt in Zürich-West befindet sich derzeit eine Baustelle: Ein Sinnbild für das, was im Inneren des Bürogebäudes in den letzten Monaten vorgegangen ist. Nachdem Andreas Schönenberger im April 2016 die Geschäftsführung des drittgrössten Schweizer Mobilfunkanbieters nach dem abrupten Abgang seines Vorgängers übernahm, folgte eine Phase der Umstrukturierung. Salt strich knapp zwei Dutzend Stellen und baute die gesamte Geschäftsleitung um. Bereits im Vorjahr war es nach dem Verkauf von Salt an den französischen Telekomunternehmer Xavier Niel zu einem Exodus in der Teppichetage gekommen.

Nun aber seien die Umbauarbeiten innerhalb der Firma vorbei, sagt ein sichtlich entspannter Schönenberger im Gespräch mit unserer Zeitung. «Wir haben Salt jetzt so aufgestellt, dass wir für die Zukunft gerüstet sind», gibt sich der 52-jährige CEO zuversichtlich. Konkret hat Salt den Fokus auf Privatkunden sowie kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) gesetzt. Im Zuge der Vereinheitlichung auf fünf Hauptprodukte stehen Grosskunden nun weniger im Fokus für die Firma, die bis vor zwei Jahren noch Orange hiess. Schönenberger spricht von «Schlichtheit», von «Planbarkeit» und «Bodenständigkeit». Dazu passe auch die Verpflichtung von Schwingerkönig Matthias Glarner als Werbebotschafter. Das Schweizerische als verbindendes Element zu potenziellen Kunden haben allerdings auch andere Schweizer Telekomanbieter für sich entdeckt. Sunrise setzt auf Tennis-Star Roger Federer, UPC auf Moderatorin Michelle Hunziker.

Differenzierung über Dienstleistungen

Sich von der Konkurrenz abzusetzen, wird in der Schweizer Telekombranche allerdings immer schwieriger. Vor allem auch deshalb, weil alle Schweizer Netze im internationalen Vergleich als ausgezeichnet eingestuft werden und für die allermeisten Kunden in der Regel keine Unterschiede erkennbar sind.

Hinzu kommt, dass der Preis für hiesige Mobilfunkkunden nicht ausschliesslich das wichtigste Kriterium bei der Wahl eines Anbieters ist. Kurzum: Differenzierungspotenzial haben Mobilfunkprovider hierzulande vor allem bei den Dienstleistungen.

Darum verweist Schönenberger gern darauf, dass Salt in einem Test des Magazins «Connect» beim Kundendienst besser abgeschnitten hat als die Konkurrenz. Gemäss «Connect» wartet man bei Salt im Schnitt 42 Sekunden in der Leitung, bis ein Kundenberater dran ist. Bei Swisscom sind es 1:40 Minuten, bei Sunrise 2:24. Beim Netztest des gleichen Magazins landete Salt hingegen auf dem dritten Platz hinter Sunrise und Swisscom, allerdings ebenfalls mit der Bewertung «sehr gut».

Ob ein guter Kundendienst reicht, um den Kundenschwund der letzten Jahre aufzuhalten und den Trend umzukehren? Als Chef von Google Schweiz zwischen 2006 und 2010 stand Schönenberger an der Spitze der Internet-Revolution. Nun muss er das Feld von hinten aufrollen. Während die Salt-Mitbewerber Swisscom und Sunrise in den letzten Jahren in neue Geschäftsbereiche expandiert haben, ist Salt immer nur ein reiner Mobilfunkanbieter geblieben.

Bündelangebote bestehend aus Internet-Anschluss, Mobilfunk, Festnetz und TV sind für Telekom-Anbieter ein lukratives Geschäft, weil Kunden kaum den Anbieter wechseln, wenn sie alles aus einer Hand beziehen können. Der promovierte Physiker lässt durchblicken, dass auch Salt bald ins Rennen um die Bündelangebote einsteigen wird: «Unsere Mission ist es, den Markt zu verändern und zu dynamisieren», sagt Schönenberger.

Selber eine Festnetzinfrastruktur aufzubauen, wäre für Salt allerdings zu teuer und zu langwierig. Mehr Sinn macht eine Kooperation mit regionalen Energieversorgern, die seit einigen Jahren eigene Glasfasernetze bis in die Haushalte betreiben. Vor wenigen Monaten hatte die «Handelszeitung» berichtet, Salt habe bereits mit Stadtwerken aus Zürich, Bern oder Luzern Verträge über die Nutzung von Glasfasern abgeschlossen.

Erste Internet- und Festnetzangebote von Salt sollen noch dieses Jahr auf den Markt kommen, hiess es weiter. Schönenberger quittiert den Bericht mit einem Augenzwinkern: «Kunden rate ich davon ab, sich jetzt längerfristig bei der Konkurrenz zu verpflichten.»