Software
Temenos kehrt in die Gewinnzone zurück

Der grösste Bankensoftwarehersteller der Schweiz überraschte mit hohem Wachstum beim Neugeschäft.

Matthias Niklowitz
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Digitale Welt: Schweizer Softwarekonzern Temenos liefert IT-Standardlösungen für Grossbanken

Digitale Welt: Schweizer Softwarekonzern Temenos liefert IT-Standardlösungen für Grossbanken

KEYSTONE

Banken sind eigentlich Informatikfirmen mit hohem Gelddurchsatz und Bankenlizenz: Das Geld für die Informatik bilden neben den Löhnen (und Boni) der wichtigste Ausgabenposten. Die beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse sind denn auch die grössten IT-Arbeitgeber im Land.

Banken verlassen sich bei ihrem Geschäft auf «Kernbankensysteme» für die wichtigsten Geschäftsprozesse wie Kontenführung und Zahlungsverkehr. Ergänzt werden diese Systeme um weitere Module für die Verwaltung von Wertschriften oder das Risikomanagement.

Die IT-Systeme von Banken sind über Jahrzehnte gewachsen. Gerade bei Grossbanken überwiegen die über viele Jahre gebauten Eigenentwicklungen . Diese Eigenentwicklungen gelten zwar im Alltagsbetrieb als sehr robust, aber Anpassungen kosten viel Geld und für neue Produkte wie beispielsweise Finanzderivate oder neue Anforderungen wie neue Auflagen der Regulatoren an das Risikomanagement sind die alten Lösungen nicht vorbereitet. Irgendwann einmal werden die Wartungsarbeiten und Anpassungen zu teuer.

Dann lohnt sich beim Kernbankensystem der Wechsel auf eine Standardlösung. Praktisch alle Kantonal-, Regional- und Privatbanken der Schweiz haben in den letzten zehn Jahren einen solchen Wechsel auf moderne Lösungen von schweizerischen Anbietern wie Avaloq, Finnova oder der US-Firma Sungard vollzogen. Auch für Grossbanken gibt es Standardlösungen. Mit Temenos mit Sitz in Genf hat die Schweiz einen der weltweit führenden Anbieter. Konkurrenten sind Misys aus Grossbritannien, i-Flex, TCS und Infosys aus Indien - und die IT-Abteilungen von Grossbanken mit ihren Eigenentwicklungen.

Bei Grossbanken aus der westlichen Welt sind Ablösungen von Eigenbauten durch Standardlösungen aufgrund der extrem hohen Komplexität und der damit verbundenen grossen operativen Risiken selten. Solche Ablösungen lassen sich am ehesten bei Fusionen vornehmen.

Anders sieht es in vielen aufstrebenden Märkten aus: Hier haben Banken oft eine veraltete IT-Infrastruktur und die Risiken (und Kosten) des sich-weiter-Durchwurstelns übersteigen rasch die Kosten einer Ablösung.

In diesem aufstrebenden Märkten gewinnt Temenos seine Kunden. Gefeilscht wird bis kurz vor Jahresende, weil die Banken auf der Käuferseite ganz genau wissen, wie hoch der Umsatzdruck bei den Softwareherstellern ist. Temenos verzeichnete denn auch ein über den Erwartungen gut ausgefallenes letztes Quartal.

Allerdings brauchen die Banken nicht nur Kernbankenlösungen, sondern auch Software für das Internetbanking, mobiles Banking über Smartphones, für die Datenanalyse und das Private Banking. Temenos hat in diesen Bereichen einiges selber entwickelt und vieles zusammengekauft. Die Verkaufsorganisation hatte sich aber bisher - auch aufgrund eines nicht optimalen Bonussystems - auf den Verkauf der Kernbankenlösungen konzentriert, wie der neue CEO David Arnott am Mittwoch an der Analystenpräsentation freimütig einräumte.

Dass die Temenos-Aktie gestern um 10 Prozent nach oben schoss, lag am überraschend gut ausgefallenen Umsatzwachstum Ende 2012: Der überaus wichtige Lizenzumsatz stieg gleich um 17 Prozent. Nach einem Verlust von 28 Millionen US-Dollar 2011 gelang mit einem Reingewinn von 24 Millionen Dollar die Rückkehr in die Gewinnzone. Vontobel-Analyst Panagiotis Spiliopoulos zeigte sich in seiner Einschätzung begeistert: Das Management habe das Vertrauen in das Unternehmen weiter gestärkt und auch die ehrgeizigen mittelfristigen Prognosen seien erreichbar.

Das ist auch deshalb überaus wichtig, weil Banken lieber Geschäfte mit einem Softwarelieferanten machen, der finanziell selber robust dasteht. Und gelegentlich steht sogar der Softwarelieferant besser da als die Bank.