TEXTILUNTERNEHMEN: Calida investiert in Onlinehandel

Die Calida-Gruppe hat mit all ihren Marken Gewinne erzielt. Mit dem Kauf eines deutschen Onlinehändlers setzt sie zu einer Offensive im Internethandel an.

Rainer Rickenbach
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Calida-CEO Reiner Pichler an der gestrigen Medienkonferenz in Zürich. Bild: Walter Bieri/Keystone (3. März 2017)

Calida-CEO Reiner Pichler an der gestrigen Medienkonferenz in Zürich. Bild: Walter Bieri/Keystone (3. März 2017)

Rainer Rickenbach

rainer.rickenbach@luzernerzeitung.ch

Eigentlich ist der frühere Calida-Konzernchef Felix Sulzberger gegangen, weil der Verwaltungsrat eine Konsolidierungsphase ohne weitere Firmenübernahmen anstrebte. Doch auch Nachfolger Reiner Pichler – er steht seit April 2016 an der Spitze – kaufte zu. Zwar kein weiteres Unternehmen mit Markenbekleidungen, dafür aber einen profitablen deutschen Onlinehändler. Es handelt sich um Reich Online Services, einen Mehrmarken-Wäscheshop (onmyskin.de) mit 75 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 14 Millionen Euro (14,98 Millionen Franken). Der Deal ging am 1. März über die Bühne.

Wenn Pichler über die Zukunft des Onlinehandels redet, gerät er ins Schwärmen. 3,6 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet der Kleider- und Wäschehersteller Calida heute übers Internet. «Weltweit wächst das Geschäft in keinem anderen Absatzkanal so schnell wie über E-Commerce. In Europa liegt der Anteil heute bei rund 10 Prozent. Bis in ein paar Jahren werden es 30 Prozent sein», sagte Pichler gestern an der Bilanzmedienkonferenz in Zürich. Der zu Calida gestossene Onlinehändler Reich setzt mehr um als Calidas eigener Onlineshop und verfügt über einen grossen Stamm von Kundenadressen. Mit der Übernahme im Rücken will Pichler den Umsatzanteil des Onlinegeschäfts im laufenden Jahr vorerst einmal verdoppeln.

Calida wächst stärker als der Gesamtmarkt

Schleppend verläuft hingegen der Kleidermarkt in den Läden. In Europa dümpelten die Verkaufszahlen der Branche in den letzten Jahren bei minus bis plus einem Prozent. Gemessen daran lässt sich das Jahresergebnis der Calida-Gruppe sehen. Der Umsatz stieg 2016 um 3,3 Prozent auf 370,9 Millionen Franken. Der Betriebsgewinn hätte im gleichen Ausmass auf 22,3 Millionen Franken zugelegt, wenn ihn nicht Einmalkosten von mehreren Millionen Franken schmälern würden. Der Grund: Die Sanierung der Millet Mountain Group in Frankreich kostete Calida 4 Millionen Franken. Der Reingewinn summiert sich darum auf 14,8 Millionen Franken (minus 13,1 Prozent). Trotz der Gewinneinbusse kommt das Jahresergebnis bei den Marktbeobachtern gut an. «Fast alle Marken wuchsen schneller als der Gesamtmarkt. Besonders die Marke Calida legte stark zu, obwohl sie 40 Prozent ihres Umsatzes in der Schweiz erwirtschaftet», schreibt etwa der Bank-Vontobel-Analyst René Weber. Er empfiehlt den Investoren, die Aktie zu halten. Diese legte gestern an der Börse um 0,41 Prozent zu. Die Aktionäre erwartet eine gleichbleibende Dividende von 0.80 Franken pro Aktie.

Die Marke Calida steigerte den Umsatz um 1,9 Prozent und steuerte mehr zum Gewinn bei als noch vor einem Jahr. «Der Calida-Umsatz legte, obwohl wir in das Marketing und die Internationalisierung dieser Marke investiert haben, zu», so Pichler. Aubade (Unterwäsche) erhöhte den Umsatz leicht, Millet Mountain Group (Outdoor) legte um 2,9 Prozent zu, und Furniture (Gartenmöbel) wuchs im vergangenen Jahr mit 8,7 Prozent nach wie vor am schnellsten. Die sich in der Umstrukturierung befindliche Division Oxbow (Surf- und Lifestyle-Marken) musste eine Umsatzeinbusse von 3,5 Prozent hinnehmen, wurde aber profitabler. 2017 werde ein Übergangsjahr, so Pichler. Obwohl der Einzelhandel in Europa kaum vom Fleck komme, setzt sich nach seiner Einschätzung die stabile Entwicklung der Gruppe fort.

Einfachere Führungsstruktur

Mit dem Fokus auf organischem Wachstum und der Übernahme von Reich Online vereinfacht Calida die operative Führungsstruktur. Neu wird ein Executive Board mit den divisionsübergreifenden Funktionen eingeführt. Es besteht aus CEO Reiner Pichler, CFO Thomas Stöcklin, COO Daniel Gemperle und Personalchefin Manuela Ottiger. Die erweiterte Gruppenleitung besteht künftig aus dem Executive Board sowie sämtlichen General Managern der Divisionen, die neu mit Karin Stäbler eine Leiterin der Division Online Services erhalten.

Calida-Gruppe 2016 (Bild: Quelle: Calica / Grafik: Janina Noser)

Calida-Gruppe 2016 (Bild: Quelle: Calica / Grafik: Janina Noser)