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THAILAND: Das müssen Thailand-Reisende wissen

Kriegsrecht im Ferienparadies! Das sei aber kein Grund, nicht nach Thailand zu reisen, sagt Experte Stephan Roemer. Im Gegenteil.
Interview Dominik Buholzer Interview Dominik Buholzer
Gelöste Stimmung in Bangkok trotz Ausrufung des Kriegsrechts: Ein marokkanischer Tourist posiert für ein Erinnerungsfoto in einem Armeefahrzeug der thailändischen Armee. (Bild: Keystone)

Gelöste Stimmung in Bangkok trotz Ausrufung des Kriegsrechts: Ein marokkanischer Tourist posiert für ein Erinnerungsfoto in einem Armeefahrzeug der thailändischen Armee. (Bild: Keystone)

Stephan Roemer, in Thailand haben die Militärs die Macht übernommen. Soll ich jetzt auf die gebuchte Thailandreise verzichten?

Stephan Roemer: Nein, und ich sage dies mit gutem Gewissen und ohne jegliches Eigeninteresse. Ich bin seit 1982 tätig und habe eine solche Situation in Thailand schon x-fach erlebt. Ich sehe keine Gefahren für Touristen, eher eine ­Chance.

Wieso Chance?

Roemer: Die Demonstrationen gibt es jetzt seit sechs Monaten. In Bangkok waren ganze Gebiete blockiert. Das fanden immer mehr auch die Thais störend. Zudem drohten die beiden rivalisierenden Lager, dieses Wochenende einander anzugreifen. Es musste etwas passieren. Daneben gibt es noch eine wirtschaftliche Seite.

Und die ist?

Roemer: Die Machtkämpfe setzten der thailändischen Währung zu. Sie war zuletzt so tief notiert wie noch nie. Zudem waren seit November die staatlichen Einrichtungen geschlossen. Ich weiss selber von Firmen, die seither auf eine Lizenz warten. Dies alles hat dem Land furchtbar geschadet. Durch den Putsch der Militärs herrscht wieder eine klare Situation. Es soll schon bald Neuwahlen geben. Dies tut Thailand gut.

Was macht Sie so sicher?

Roemer: Thailand ist seit 1932 eine konstitutionelle Monarchie. Seither kam es schon 19-mal zu einem Umsturz. Wir erleben also ein Déjà-vu. Ich bin mir sicher: In zwei Wochen wird die Sache mehr oder weniger gegessen sein.

Hatten Sie schon Anrufe von besorgten Schweizern?

Roemer: Momentan haben wir noch überhaupt keine Anrufe von besorgten Kunden erhalten. Wir haben derzeit gut 140 Schweizer in Thailand. Wir versuchen diese so gut als möglich auf dem Laufenden zu halten.

Keine einfache Sache.

Roemer: Oh doch. In Thailand selber gelangen Sie als Tourist sehr gut an Informationen. Wir selber beschäftigen 18 Festangestellte in Thailand. Wir erhalten also jeweils einen guten Überblick über die aktuelle Lage und können dies unseren Gästen weiterleiten.

Haben Sie auch einen Plan B, falls die Lage eskalieren sollte?

Roemer: Wir verfügen wie alle anderen Reiseanbieter auch über ein Notfalldispositiv. Im schlimmsten Fall könnten wir unseren Gästen innerst kürzester Zeit ein SMS mit Informationen senden.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten hat die Reiseempfehlungen für Thailand verschärft. Vorsicht ist also geboten.

Roemer: Die Empfehlungen des Bundes sind absolut korrekt. Ich kann diese nur unterstützen. Ganz wichtig ist, dass sich Touristen von Demonstrationen fernhalten. Da diese zum Teil den Charakter eines Volksfestes haben, verleitet dies Touristen, dennoch hinzugehen. Aus Sicherheitsaspekten ist dies aber alles andere als ideal.

Worauf müssen Thailand-Reisende daneben momentan noch besonders achten?

Roemer: Aktuell gilt es der Ausgangssperre Acht zu geben. Restaurants müssen um 22 Uhr schliessen. Ich gehe nicht davon aus, dass das Militär diese Ausgangssperre noch lange nach diesem Wochenende aufrecht halten wird.

Kommt es eigentlich gelegen, dass der Putsch gerade jetzt stattfand? Thailand gilt ja vor allem als Winterdestination.

Roemer: Dies hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Vor allem bei Familien ist Thailand in den Sommermonaten sehr beliebt geworden. Allerdings läuft in den Monaten Mai/Juni wenig, obwohl gerade der Mai eigentlich sensationell für Ferien in Thailand wäre.

Schlagen sich die Proteste eigentlich negativ aufs Geschäft?

Roemer: Ich kann mich nicht beklagen. Bis Ende April verzeichneten wir gar einen Zuwachs gegenüber dem Vorjahr. Für Sommer und Herbst sind die Buchungen allerdings noch unter dem Vorjahresniveau.

Lassen Sie uns noch ein wenig spekulieren: Wann wird die Regierungskrise in Thailand beigelegt?

Roemer: In den nächsten zwei Wochen wird sich die Lage weitgehend normalisieren. Im Sommer dürften dann Wahlen stattfinden, und danach haben wir wieder business as usual.

Hinweis

Stephan Roemer, Geschäftsführer des Asien-Veranstalters Tourasia, gilt als der versierteste Asien-Kenner in der Schweizer Reiseindustrie. Seit über 30 Jahre beschäftigt er sich mit dem Geschehen vor Ort, allem voran Bangkok, wo er seit sieben Jahren einen Zweitwohnsitz hat. Tourasia ist der grösste Spezialreiseveranstalter für Asienreisen in der Schweiz. Das Unternehmen wurde 1992 gegründet und beschäftigt derweil 30 Mitarbeiter in der Schweiz und über 120 festangestellte Mitarbeiter in Asien. Jedes Jahr reisen rund 20 000 Gäste mit Tourasia nach Asien.

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