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Kommentar

Thomas Cook: Die Reise ist zu Ende

Der britische Reisekonzern ist an zwei Entwicklungen gescheitert: am veränderten Reiseverhalten und an der neuen digitalen Konkurrenz. Darauf hat Thomas Cook aufgrund seiner Grösse zu spät reagieren können.
Roman Schenkel
Roman Schenkel.

Roman Schenkel.

Es ist paradox: Reisen ist ein gewaltiges Geschäft. 1,4 Milliarden Menschen waren im vergangenen Jahr als Touristen unterwegs. Die Ausgaben steigen Jahr für Jahr – 2018 gaben die Schweizer 18 Milliarden Franken für ihre Ferien aus. Die reisefreudigen Deutschen liessen sich ihren Urlaub 70 Milliarden Euro kosten. Den Briten war ihr Holiday 83 Milliarden Pfund wert.

Und dennoch: Thomas Cook, der älteste Reisekonzern der Welt und Erfinder der Pauschalreise, macht den Laden dicht. Anfang Woche ging die englische Traditionsfirma pleite. 600'000 Feriengäste – die Hälfte davon aus Deutschland und England – sassen an ihren Ferienorten fest. Tausende andere, die bereits eine Reise bei Thomas Cook gebucht haben, müssen ihre Pläne ändern. Und die mehr als 21'000 Mitarbeiter des Konzerns stehen vor einer ungewissen Zukunft.

Die Pleite ist nicht irgendeine Pleite. Thomas Cook war hinter Tui die Nummer zwei im europäischen Reiseveranstalter-Markt. Das Ende des Konzerns wird Folgen für die ganze Branche haben. Wie konnte das passieren?

Zwei Entwicklungen haben dem Reisekonzern den Boden unter den Füssen entzogen. Zum einen hat sich in den letzten Jahren das Reisen stark verändert. Die Zeit der Pauschalreise alter Prägung läuft ab. Die Menschen bevorzugen heute individuelle Ferien und achten immer mehr auf Nachhaltigkeit. Katalogreisen – mit Flug, Hotel, Verpflegung, Rückflug all inclusive – sind weniger gefragt. Die Leute wollen etwas erleben und stellen sich ihre Flüge und ihre Unterkünfte selbst im Internet zusammen.

Im Netz beginnt zugleich die zweite Misere der Reiseveranstalter. Hier machen ihnen neuere Anbieter das Leben schwer. Um gegen die Einzelangebote von Booking.com, Easyjet oder Airbnb anzukommen, müssen Thomas Cook & co. auf viel Marge verzichten. Bei Margen, die bereits klein sind.

Noch in diesem Frühjahr erklärte der CEO von Thomas Cook, der Schweizer Peter Fankhauser, in seiner Antrittsvorlesung als Honorarprofessor an der Hochschule St. Gallen, wie er sein Unternehmen puncto Digitalisierung fit machen und auf das veränderte Reiseverhalten umstellen wolle. Für seine Pläne fehlte ihm schliesslich die Zeit. Gerade grosse Veranstalter wie Thomas Cook, die selber Hotels, Fluggesellschaften und Ferienresorts betreiben, werden von den Veränderungen im Reisegeschäft besonders hart getroffen. Ein grosser Tanker lässt sich jedoch nicht so schnell umsteuern.

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