Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

TIERSEUCHE: Schweinevirus nähert sich der Schweiz

Die Afrikanische Schweinepest ist auf dem Vormarsch. Für den Menschen ist diese zwar harmlos. Ohne Impfstoffe oder Behandlungsmöglichkeiten birgt der Virus für die Schweinewirtschaft aber enormes Schadenpotenzial – gerade im Kanton Luzern.
Raphael Bühlmann
420000 Hausschweine leben im Kanton Luzern. Ein Ausbruch der Schweinepest wäre fatal – infizierte Bestände werden gekeult. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Ballenberg, 7. Juli 2014))

420000 Hausschweine leben im Kanton Luzern. Ein Ausbruch der Schweinepest wäre fatal – infizierte Bestände werden gekeult. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Ballenberg, 7. Juli 2014))

Raphael Bühlmann

Es hängt ein Damoklesschwert über der Schweizer Landwirtschaft. Im Jahr 2014 wurden Fälle der Afrikanischen Schweinepest (ASP) im Osten Europas gemeldet. Seit drei Jahren breitet sich der Virus Richtung Westeuropa aus und erreichte 2017 Schweineställe in der tschechischen Region Zlin – keine zehn Autostunden von der Luzerner Kantonsgrenze entfernt. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) ist entsprechend alarmiert und erstellt in Zusammenarbeit mit dem deutschen Friedrich-Loeffler-Institut fortlaufend ein Bulletin zur aktuellen Lage.

Besonders beunruhigend sei, mit welcher Geschwindigkeit sich die Schweinepest aktuell verbreite, heisst es darin. «Die neusten Nachweise sind besorgniserregend, da diese eine sprunghafte Ausbreitung der Tierseuche in Richtung Westen bedeuten.» Eine Verbreitung, die durch Menschen sowie Schwarzwild stattfindet.

Branche ergreift bereits Massnahmen

Für den Menschen selber ist der Erreger allerdings ungefährlich. Umso mehr aber für die Schweinewirtschaft einer Region. Denn gegen den Virus, an dem Haus- und Wildschweine elend zu Grunde gehen, gibt es weder eine Therapie noch einen Impfstoff. Infizierte Bestände werden gekeult. Was bleibt, ist die Prävention. So stellt einerseits das BLV auf seiner Homepage wichtige Informationen zur Verfügung, um die Bevölkerung bezüglich Reisen oder im Umgang mit Schweinefleisch zu sensibilisieren (siehe Kasten).

Anderseits seien auch Wildschweinrotten im Auge zu behalten. Bei Jagdgesellschaften finden derzeit Informationsveranstaltungen statt. «Den Kontakt zwischen Haus- und Wildschweinen gilt es unter allen Umständen zu verhindern», erklärt Matteo Aepli, Geschäftsführer der Suisag, dem zentralen Dienstleistungs- und Kompetenzzentrum der Schweizer Schweinebranche. Bei einer Infektion müssten um die betroffenen Ställe Schutz- und Überwachungszonen errichtet werden. «Ein stark eingeschränkter oder sogar gesperrter Verkehr von Tieren, Menschen und Waren hätte gerade für die eng vernetzte Luzerner Schweinewirtschaft fatale Auswirkungen», warnt Aepli. Der finanzielle Schaden über die ganze Branche bis hin zu den betroffenen Schlachtbetrieben wäre kaum zu beziffern. Bei Kern- und Vermehrungszuchtbetrieben hat die Suisag über ihren Schweinegesundheitsdienst SGD bereits Massnahmen ergriffen, um den Kontakt zwischen Haus- und Wildschweinen zu verhindern.

Tatsächlich wäre gerade eine Einschleppung in den Kanton Luzern verheerend. Sieht man von den Nebenprodukten bei der Milchproduktion ab, ist der Schweinesektor tatsächlich der be deutendste Wirtschaftszweig der Luzerner Landwirtschaft. Sein Anteil am gesamten Produktionswert beträgt ohne Direktzahlungen 27,8 Prozent, wie der Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband bestätigt. 32 Prozent aller Muttersauen und 28 Prozent aller Mastschweine der Schweiz würden im Kanton gehalten. Und obschon bei hochansteckenden Tierseuchen wie bei der ASP eigentlich das BLV an der Spitze ist, scheinen dessen bisherige Massnahmen den Luzernern zu wenig konsequent zu sein.

So reichte SVP-Kantonsrätin Barbara Lang Anfang Dezember einen Vorstoss ein, in dem sie eine Situationsanalyse verlangt. Lang vermutet, dass ein Ausbruch der ASP für die im Kanton Luzern lebenden 420 000 Hausschweine gravierend wäre, die Auswirkungen auf die Landwirtschaft und die nachgelagerten Gewerbe ruinös. «Ich kann nicht verstehen, dass wir über Jahrzehnte Hunderte von Millionen Franken in die Schweinegesundheit investieren, um jetzt nicht entschlossen zu reagieren», erklärt Lang gegenüber unserer Zeitung.

Die Kantonsrätin verlangt aber nicht nur eine umfassende Aufklärung der breiten Bevölkerung, auch die Wildtierkorridore stellt sie in Frage. Lang spricht hier von den baulichen Massnahmen, durch welche auch Wildschweine natürliche Barrieren wie Autobahnen leichter überwinden können. Diese entsprechen der Biodiversität-Strategie des Bundesrates. Gemäss Aktionsplan sollen unter anderem autobahnquerende Wildtierkorridore saniert und mit zusätzlichen Wildtierpassagen ergänzt werden. Im Kanton Luzern gehören die Übergänge in Neuenkirch, Langnau bei Reiden und Knutwil-Sursee dazu, wie das Bundesamt für Umwelt auf Anfrage erklärt.

In Luzern sind Wildübergänge für 30 Millionen Franken geplant

Investitionen, die auch beim Luzerner FDP-Ständerat Damian Müller wenig Begeisterung auslösen. In einer Ende November eingereichten Interpellation stellt er den Nutzen der Wildtierübergänge nicht zuletzt wegen der drohenden Schweinepest, vor allem jedoch wegen den geplanten Ausgaben in Frage. Die Gesamtkosten für diese drei Übergänge auf einer Strecke von knapp 20 Kilometern würden mit insgesamt rund 30 Millionen Franken veranschlagt. «Das scheint mir in Anbetracht der angespannten Finanzlage des Bundes doch äusserst luxuriös», schreibt Müller auf seiner Homepage.

Weniger verhalten reagiert man derweil in Deutschland – dem bedeutendsten Produzenten von Schweinefleisch in Europa. Der Deutsche Bauernverband hatte vergangene Woche gefordert, 70 Prozent aller Wildschweine in Deutschland zu erlegen, worauf Bundesagrarminister Christian Schmidt gestern ankündigte, vorsorglich die Schweinepest-Verordnung zu verschärfen.

Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest (Bild: Quelle: BLV; Grafik: Martin Ludwig)

Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest (Bild: Quelle: BLV; Grafik: Martin Ludwig)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.