Prognose
Topmanager hopp, Büezer flopp: Wie sich die Löhne in den nächsten Jahren verändern werden

Die Mehrheit der Schweizer Lohnempfänger wird ihre Kaufkraft in den nächsten Jahren bestenfalls halten können.

Daniel Zulauf
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UBS-Chef Sergio Ermotti steht in der Rangliste von Europas bestverdienenden Managern auf Rang 3. Arnd Wiegmann/Reuters

UBS-Chef Sergio Ermotti steht in der Rangliste von Europas bestverdienenden Managern auf Rang 3. Arnd Wiegmann/Reuters

REUTERS

Der Kontrast könnte kaum grösser sein: Hier UBS-Chef Sergio Ermotti, der gemäss einer neuen Studie mit seinem letztjährigen Gehalt von 13,7 Millionen Franken den dritten Rang unter den bestbezahlten Managern Europas belegt. Dort die grosse Masse der Arbeitnehmer, die im laufenden Jahr einen kleinen Verlust und in den nächsten zwei Jahren nur minimale reale Lohnzuwächse erwarten darf.

Obschon die Gewerkschaften im August Lohnerhöhungen für das kommende Jahr von 1,5 Prozent bis 2 Prozent gefordert haben, erwartet die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF), dass den rund 4,5 Millionen Lohnempfängern in der Schweiz im nächsten Jahr nach Abzug der Teuerung durchschnittlich bloss 0,2 Prozent mehr im Portemonnaie verbleiben werden. Für viele dürfte sich die minimale Gehaltsaufbesserung sogar eher wie eine Einbusse anfühlen – je nachdem wie stark die steigenden Krankenkassenprämien und andere Preiserhöhungen sich auf das Budget auswirken.

Reale Lohnsenkung im 2017

Im laufenden Jahr gibt es für Herrn und Frau Schweizer nicht einmal eine theoretische Gehaltsaufbesserung. Den KOF-Ökonomen zufolge sinkt der durchschnittliche Reallohn um 0,1 Prozent, nachdem die Nominal-Lohnsteigerungen von 0,3 Prozent selbst die immer noch ungewöhnlich niedrige Teuerung (0,4 Prozent) nicht auszugleichen vermögen. Erst ein Mal in der 80-jährigen Geschichte des schweizerischen Lohnindex sei das Nominallohnwachstum so gering ausgefallen wie im laufenden Jahr, so die KOF-Ökonomen in ihrer gestern veröffentlichten Herbstprognose.

Das war 1999, als eine mehrjährige Stagnationsphase im Anschluss an den grossen Immobilienkrach zu Ende ging. Sollten die KOF-Ökonomen recht behalten, könnte eine für die Arbeitnehmer in der Schweiz prosperierende Zeit zu Ende gehen. Just in den Jahren der Finanz- und Schuldenkrise und auch davor durften die hiesigen Lohnempfänger reale Zuschüsse von über 2 Prozent und mehr entgegennehmen.

Das Wachstum der Reallöhne habe in den letzten Jahren sogar zumeist das gesamtwirtschaftliche Wachstum der Arbeitsproduktivität übertroffen, stellen die KOF-Ökonomen fest. Das ist ein ungewöhnliches Phänomen, denn nach Theoriebuch gilt: dass die Arbeiter ihren Lohn im Prinzip nur in dem Mass erhöhen können, wie sie auch ihren Ausstoss respektive ihre Produktivität zu steigern in der Lage sind.

Während in den meisten Industrieländern der Anteil der Lohnempfänger am Gesamteinkommen der Wirtschaft teilweise stark gefallen ist, ist die sogenannte Lohnquote in der Schweiz in den vergangenen Jahren in «ungekannte Höhen» (KOF) gestiegen. Das ist ein Grund dafür, weshalb die Einkommensverteilung in der Schweiz deutlich weniger stark auseinandergedriftet ist als beispielsweise in manchen angelsächsischen Ländern oder auch in Deutschland.

Allen Auswüchsen bei den Managergehältern zum Trotz ist die Verteilung der Löhne nämlich weitaus gleicher als jene der Vermögen, aus denen die Vermögenseinkommen (Zinsen, Dividenden etc.) resultieren. Nun erwarten die KOF-Ökonomen aber für die Schweiz, dass sich die Vermögenseinkommen in den nächsten Jahren deutlich besser als die Lohneinkommen entwickeln werden.

Viel zu verteilen gibt es nicht

Die Arbeitgeber werden ihren Anspruch auf ein grösseres Stück am Kuchen damit rechtfertigen, dass ihr Anteil im Zug der drei Frankenschocks in den vergangenen zehn Jahren deutlich kleiner geworden sei (Margenverluste). Inwieweit sich die Gewerkschaften auf dieses Argument einlassen, dürfte sich in den bereits laufenden Lohn-Verhandlungen für 2018 zeigen. Viel zu verteilen gibt es in der Schweizer Wirtschaft aber ohnehin nicht.

2017 wird das Bruttoinlandprodukt gemäss KOF-Prognose nur um 0,8 Prozent zunehmen, was auf Pro-Kopf-Basis einem Rückgang von 0,3 Prozent entspricht. Von dem prognostizierten Wachstum von 2,2 Prozent im kommenden Jahr würden zwar im Durchschnitt immerhin 1,2 Prozent auf jeden Bewohner des Landes entfallen. Doch angesichts des Wachstumsbooms, in dem sich vor allem Deutschland und andere grosse Volkswirtschaften inzwischen befinden, geht es in der Schweiz immer noch sehr gemächlich voran.