Topmanager verlassen Migros

Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen kämpft mit Abgängen ranghoher Kader. Nun gehen zwei Mitglieder der Generaldirektion. Ob die Rücktritte mit den Sparplänen zusammenhängen, ist nicht klar.

Benjamin Weinmann
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Eingang und Logo der Migros-Filiale am Flughafen Zürich. (Bild: Melanie Duchene/Keystone, Kloten, 17. Februar 2018)

Eingang und Logo der Migros-Filiale am Flughafen Zürich. (Bild: Melanie Duchene/Keystone, Kloten, 17. Februar 2018)

Bei der Migros bleibt derzeit kein Stein auf dem anderen. Seit der Neuenburger Fabrice Zumbrunnen das Zepter beim orangen ­Genossenschaftsriesen übernommen hat, tut sich einiges: Zumbrunnen lancierte kurz nach Amtsantritt verschiedene Spar- und Effizienzprogramme, gab den Abbau von 290 Stellen am Hauptsitz am Limmatplatz bekannt und strich Budgets zusammen. Laut Insidern herrscht in so mancher Abteilung grosse Verunsicherung und ein Chaos.

«Man fühlt sich zuweilen wie auf einem schnell drehenden Karussell und erhält plötzlich eine neue Position, ohne wochenlang zu wissen, welche Aufgabe man in Zukunft übernimmt», sagt ein Kadermann. Und nun kommt es auch in der obersten Generaldirektion zu Bewegungen. Gleich zwei Topmanager ­gaben am Mittwoch ihren Rücktritt per 2019 bekannt: Industriechef Walter Huber (61) und Marketingchef Hansueli Siber (52).

Huber leitet 14 000 Angestellte in 25 Migros-Industriebetrieben wie Jowa, Bischofszell oder ­Micarna. Diese setzten zuletzt 6,5 Milliarden Franken um. Vor seinem Antritt 2008 war Huber beim Milchverarbeiter Emmi. Wie die Migros in ihrem Communiqué schreibt, habe die Beliebtheit von Migros-Marken in Hubers Ägide zugenommen, und vor allem das Auslandgeschäft sei gewachsen. Heute erzielen die Industriebetriebe mit Café-Royal-Kapseln, Frey-Schokolade oder Elan-Waschmittel fast 1 Milliarde Franken im Ausland. Huber lässt sich zitieren, er habe bereits vor einiger Zeit signalisiert, dass er vor seiner Pensionierung nochmals eine neue Herausforderung annehmen wolle, etwa in Verwaltungsräten.

Weitere Abgänge ranghoher Kader

Siber hingegen ist erst seit vier Jahren Marketingchef – für Migros-Verhältnisse eine kurze Zeit. Insgesamt war er neun Jahre bei der Genossenschaft tätig. Nun habe er sich entschieden, seine Manager-Karriere zu beenden. Stattdessen will Siber sein Wissen in Verwaltungsräten und bei Start-ups einbringen. Sowohl ­Huber als auch Siber bleiben bei der Migros, bis ihre Nachfolger gefunden sind. Migros-Chef Zumbrunnen bedauert im Communiqué die Abgänge seit seinem Amtsantritt: «Ich bedaure und respektiere die persönlichen Weichenstellungen. Gleichzeitig freue ich mich, dass wir bis zur Neubesetzung der beiden Schlüsselpositionen auf das bewährte Know-how von Walter Huber und Hansueli Siber zählen können.»

Es sind allerdings nicht die einzigen Abgänge. Erst vor kurzem wechselte der Leiter Marketing-Kommunikation zur Grossbank Credit Suisse. Auch andere ranghohe Kader haben sich vom Limmatplatz verabschiedet.

Ärger über Kommunikation

So kann nicht ausgeschlossen werden, dass trotz der versöhn­lichen Worte auch im Falle von Siber und Huber Zumbrunnens Strategie zum Abgang beigetragen hat. Schliesslich sind sowohl die Industrie als auch das Marketing stark von Zumbrunnens Sparplänen betroffen. Wie die «Handelszeitung» schreibt, sorgen nicht nur die Reorganisationspläne für Ärger. Nach innen und aussen kommuniziere die Migros-Spitze nur mangelhaft. Dafür würden Medienartikel im Intranet ausgiebig kritisiert und als Desinformation abgetan.