TOURISMUS: Asiaten retten das Geschäftsjahr der Schweizer Hotels

Die Schweizer Hotellerie ist 2015 trotz anfänglicher Befürchtungen mit einem blauen Auge davongekommen. Zwar brachen die Buchungszahlen aus Europa wegen der Frankenstärke ein. Gäste aus Asien konnten die Delle aber fast auswetzen.

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Jürg Schmid, Direktor von Schweiz Tourismus, an der Jahresmedienkonferenz in Zürich. (Bild: Keystone / Dominik Baur)

Jürg Schmid, Direktor von Schweiz Tourismus, an der Jahresmedienkonferenz in Zürich. (Bild: Keystone / Dominik Baur)

Insgesamt zählten die Hotels im vergangenen Jahr 35,6 Millionen Logiernächte, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Dienstag mitteilte. Auf die ausländischen Gäste entfielen dabei 19,6 Millionen Übernachtungen, ein Minus von 1,7 Prozent.

Demgegenüber steht die Treue der Schweizerinnen und Schweizer zum Heimatland. Die Logiernächte der Einheimischen stiegen leicht um 0,2 Prozent auf 16,1 Millionen. Das ist ein neuer Rekord. Unter dem Strich blieb so ein Minus von 0,8 Prozent.

Tiefster Stand seit 1958

Besonders deutlich gab die Nachfrage aus Europa nach. Die Zahl der Übernachtungen sank um 9,3 Prozent. Das BFS führt das klar auf die Auswirkungen der Aufhebung des Euro-Mindestkurses Mitte Januar 2015 zurück.

Europa generierte noch 11,8 Millionen Übernachtungen, so wenig wie seit 1958 nicht mehr. Die deutlichste Abnahme verbuchte dabei Deutschland mit 541'000 Logiernächten oder 12,3 Prozent. Deutlich zurück ging auch die Nachfrage aus den Niederlanden (-14,4%), Frankreich (-6,2%), Italien (-7,6%) und Belgien (-9,5%).

Auch Russland wies wegen der Ukraine-Krise und der trüben Wirtschaftslage eine deutliches Minus von 30,7 Prozent aus. Aus dem Vereinigten Königreich ging die Nachfrage um 1,6 Prozent zurück.

Asiaten retten die Bilanz

Dass die Bilanz nicht allzu trübe ausfällt, ist den Gästen aus Asien zu verdanken. Ihre Zahl steigt bereits seit 2009 stark an. Mit einem Zuwachs um 18,6 Prozent erreichten die Logiernächte von Asiatinnen und Asiaten 2015 einen neuen Höchststand und überschritten erstmals die Schwelle von 4 Millionen.

Am stärksten war die absolute Zunahme mit 344'000 Übernachtungen oder 33,3 Prozent bei den Gästen aus China ohne Hongkong. Es folgten die Golfstaaten mit einer Zunahme um 20,6 Prozent oder 159'000 zusätzlichen Logiernächten. Zunahmen gab es zudem bei den Gästen aus Indien (22%) und Südkorea (20,5%). Die Übernachtungen von Gästen aus Japan sanken hingegen um 10,3 Prozent.

Die Logiernächte aus dem amerikanischen Kontinent legten um 4,7 Prozent zu. Afrika (7,5%) und Ozeanien (3,4%) verzeichneten ebenfalls ein Wachstum.

Weniger lang im Land

Die Dauer der Aufenthalte sank 2015. Die Gäste verbrachten durchschnittlich noch 2 Nächte in einem Schweizer Hotel nach 2,1 im Vorjahr. Die Zimmerauslastung belief sich auf 51,5 Prozent nach 52 Prozent 2014.

Sieben von 14 Tourismusregionen verbuchten einen Rückgang. Am ausgeprägtesten war er mit 6,6 Prozent in Graubünden. Das Wallis verzeichnete 3,8 und das Tessin 5,7 Prozent weniger Übernachtungen. Die städtischen Destinationen legten hingegen zu. Hier war Zürich mit einem Plus von 3,9 Prozent der Spitzenreiter. Zulegen konnten auch die Region Luzern/Vierwaldstättersee und das Berner Oberland.

Mieser Dezember

Allein auf den Monat Dezember gesehen, zeigte sich ein markanter Rückgang. Gegenüber dem Vorjahr registrierten die Hotels mit 2,5 Millionen 5,6 Prozent weniger Übernachtungen als im Vorjahr. Dabei sank die Zahl der ausländischen Logiernächte um 9,1 Prozent und jene der Schweizer um 1,4 Prozent. Das Bundesamt führt die ungünstigen Schneeverhältnisse als Grund an.

Am markantesten war der Rückgang bei den Deutschen mit 18,8 Prozent oder 61'000 Logiernächten. Es folgten die Gäste aus den Niederlanden und Russland. Demgegenüber stiegen mehr Gäste aus den Golfstaaten, den Vereinigten Staaten und Indien in den Hotels ab.

Zehn der 14 Tourismusregionen mussten zum Jahresende einen Rückgang hinnehmen. Mit 14,7 Prozent fiel er wie bereits im Gesamtjahr am deutlichsten in Graubünden aus. Das Genferseegebiet verzeichnete das ausgeprägteste Plus.

(SDA)