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TOURISMUS: Autos müssen draussen bleiben

In einigen Schweizer Tourismusorten dürfen keine Autos fahren. Vor allem die Ruhe wird von den Gästen geschätzt. Doch vorerst dürfte es keine weiteren autofreien Destinationen geben.
Andreas Lorenz-Meyer
Anreise mit dem Zug obligatorisch: Auf die Rigi kommt man nur mit der Bergbahn. Die Rigi ist eine der neun Bergdestinationen, die autofrei sind. (Bild Roger Grütter)

Anreise mit dem Zug obligatorisch: Auf die Rigi kommt man nur mit der Bergbahn. Die Rigi ist eine der neun Bergdestinationen, die autofrei sind. (Bild Roger Grütter)

Andreas Lorenz-Meyer

Die Rigi reicht bis auf 1797 Meter Höhe. Wer hinauf will, kann mit dem Auto bis Weggis, Vitznau oder Goldau fahren. Von dort aus geht es nur noch per Zahnrad- oder Seilbahn weiter. Denn die Rigi gehört zu den Tourismusorten, die für den normalen Pkw-Verkehr gesperrt sind. Autos müssen also draussen – beziehungsweise unten – bleiben. Für Gäste eine angenehme Sache. Denn im Ort gibt es weniger Lärm. Christian Haueter, Geschäftsleiter der Rigi Plus AG: «Gäste und Einheimische schätzen, dass es keinen touristischen Autoverkehr auf dem Berg gibt.» Ruhe und Stressfreiheit bringen auch wirtschaftliche Vorteile. Sie gehö­ren laut Haueter zu den Faktoren, die bei der Reiseentscheidung eine Rolle spielen.

Autofreiheit für viele zentral

Autofrei bedeutet jedoch nicht verkehrsfrei. Die Rigi mit dem Pkw befahren darf, wer eine Bewilligung hat. Die erhalten aber nur die Bewirtschafter des Berges. Ob die Gäste deshalb gleich mit der Bahn anreisen? Die Anreise nach Vitznau mit dem Schiff ab Luzern ist sehr beliebt. Arth-Goldau als Verkehrsknotenpunkt per Zug ebenso. In einer Erhebung gaben 54 Prozent von 830 befragten Gästen an, mit öffentlichen Verkehrsmitteln angereist zu sein. «Die Umfrage ist nicht repräsentativ, zeigt aber klare Tendenzen», so Haueter. Er weist darauf hin, dass die Zahnradbahnen ab Vitznau und Arth-Goldau sowie die Luftseilbahn von Weggis nach Kaltbad als eine der wenigen den Swiss Pass akzeptieren. Das fördert die Anreise mit dem öffentlichen Verkehr.

Das Institut für Tourismuswirtschaft in Luzern führte eine Studie zur Bedeutung der Autofreiheit durch. Vier Tourismusorte wurden untersucht: Rigi, Morschach-Stoos, Riederalp und Saas-Fee. Befragungen in den Orten ergaben, dass Auto-freiheit für viele – 62 Prozent der Übernachtungsgäste – ein zentrales Kriterium bei der Destinationswahl ist. Die Aussicht auf eine lärmfreie Umgebung lockt also eine Menge Gäste an, die sonst vielleicht anderswo buchen würden.

Trotzdem Verkehrslärm

Ganz so leise geht es trotz Autofreiheit nicht zu. Es gibt Bauverkehr, land- und alpwirtschaftlichen Verkehr, Gepäck- und Lebensmitteltransporte. Werden die Erwartungen von Ruhesuchenden zum Teil enttäuscht? Roger Sonderegger von der Hochschule Luzern Wirtschaft: «Viele Gäste sind tatsächlich nicht zufrieden mit der Einhaltung der Autofreiheit und wünschen sich eine härtere Regulierung.» Zusätzlich gehe es darum, den Leuten zu erklären, wofür der Verkehr da ist. «Dann akzeptieren sie ihn auch eher. An den Fahrzeugen könnte man Tafeln anbringen: ‹unterwegs für unsere Gäste›. Oder die Bildschirme in den Bergbahnen nutzen, um zu informieren», so Sonderegger.

Nicht vermeidbarer Verkehrslärm lässt sich auch in die Zeiten verschieben, in denen nicht viel los ist. Zermatt macht es so. Die Zwischensaison (Mai bis November) ist offiziell Bauzeit. Dann dürfen Bauunternehmen eine limitierte Anzahl von Fahrten durchführen. Zudem ist es Helikoptern erlaubt, Baumaterial anzuliefern.

«Das Flair des Dorfes hat hauptsächlich mit der Autofreiheit zu tun», sagt Edith Zweifel von Zermatt Tourismus. Für die nötige Mobilität sorgt die E-Mobil-Flotte: rund 500 Fahrzeuge mit Elektroantrieb. Laut Gemeindegesetz dürfen sie nicht wie ein normales Fahrzeug aussehen. Damit klar wird: Der Ort ist wirklich autofrei. Städter müssen sich an den leisen Verkehr oft erst gewöhnen. Man kann ein Elektrotaxi oder einen Elektrobus nehmen. Oder gleich zu Fuss gehen – das Dorf misst 1400 Meter von einem Ende zum anderen. Hotels holen das Gepäck auch kostenlos am Bahnhof ab.

Viele Gäste reisen ohne Pkw an, pro Jahr kommen 3 Millionen mit der Bahn aus Visp. Es gibt direkte Verbindungen von Zürich mit direktem Anschluss. «Eine bequeme und stressfreie Anreise», so Zweifel. Dagegen sei die Anfahrt im Auto von Visp nach Täsch anstrengend. Lastwagen lassen sich kaum überholen, im Winter gibt es Schnee und Eis.

Wer ohne Auto anreist, kann sich die Gepäckstücke auch von zu Hause – von Tür zu Tür – in die Unterkunft liefern lassen. Die SBB verlangen für den Service pro Gepäckstück 12 Franken und 40 Franken Sendungspauschale. Roger Sonderegger hält das Tür-zu-Tür-Angebot für einen «grossen Fortschritt». Gerade Familien mit Kindern, die bis zu drei oder vier Koffer dabei haben, wird die Entscheidung für die Bahn so leichter gemacht.

Gepäck wird kostenlos transportiert

Auch die Alpdörfer auf dem Aletschplateau, Riederalp, Bettmeralp und Fiescheralp, sind autofrei. Umso wichtiger sind die Bergbahnen: Sie befördern nicht nur Touristen, sondern Fracht aller Art. Lebensmittel werden im Tal an die Kabinen gehängt. Oben angekommen, fährt man die Ware per Schlitten oder Pistenfahrzeug ins Restaurant oder in den Laden. Das alles frühmorgens, wenn die Gäste noch schlafen.

Die Aletsch-Arena empfiehlt die Bahnanreise. Es gibt ein Kombi-Ticket für Bahn und Bergbahn – aber nur in der Wintersaison. «Seit der Eröffnung des Alp-Transit-Tunnels hat die Anzahl der Bahnanreisenden zugenommen», so Monika König-Gottsponer von der Aletsch-Arena. Und die Matterhorn-Gotthard-Bahn fährt jetzt im Halbstundentakt. Auch das macht die Anreise ohne Auto attraktiver. Die Bahnhöfe im Tal befinden sich gleich bei den Bergbahnen. Zwei Gepäckstücke pro Person werden kostenlos hinaufbefördert. Oben bringen Transporteure alles zur Unterkunft.

Neue autofreie Orte nicht realistisch

Für Mobilität ist auch gesorgt. Im Sommer bietet man den Wanderpass Aletsch Plus an. 45 Franken pro Tag und Erwachsenen kostet die freie Fahrt auf allen Bergbahnen in der Arena, den Bahnen zu den Ausflugsgipfeln Moosfluh, Bettmerhorn und Eggishorn und die Zugstrecke der Matterhorn-Gotthard-Bahn zwischen Mörel und Fiesch/Fürgangen. Zwischen Riederalp und Bettmeralp fährt der Aletsch-Express. Dieser Elektrobus verkehrt im Sommer im Halbstunden- oder Stundentakt.

Sollte die Autofreiheit ausgebaut werden, wo sie doch offensichtlich zum Markenzeichen taugt? Dem Bergtourismus hierzulande gehe es nicht gut, stellt Roger Sonderegger von der Hochschule Luzern fest. Insofern gibt es drängendere Themen als den Verzicht auf Verkehrslärm. Neue autofreie Orte seien nicht realistisch. Schon die Einführung von Tempo 30 sei vielerorts schwierig durchzusetzen. Den bereits bestehenden autofreien Orten kann die Strategie jedoch helfen, Gäste zu halten und neue zu gewinnen.

Alpine «Perlen»

Organisation alm. Die autofreien Schweizer Tourismusorte haben sich zu einer Gemeinschaft (Gast) zusammengetan und bestimmte Qualitätskriterien aufgestellt. Dazu zählt hohe Luftqualität. Eine internationale, ökologisch ambitionierte Marke nennt sich «Alpine Pearls». Dazu gehören Alpenorte in der Schweiz, Österreich, Deutschland, Slowenien, Italien, Frankreich. Die 25 «Perlen» setzen auf «sanfte Mobilität». Zu den Kriterien gehören die Mobilitätsgarantie ohne Auto und umweltfreundliche Freizeitangebote.

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