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TOURISMUS: Bern eifert Luzern nach

Bern will sich verstärkt als Destination für Städtereisen und Kongresse positionieren. Dabei profitiert die Stadt von einer Schweizer Premiere.
Artur K. Vogel
Ein Blick in ein Hotelzimmer von Prizeotel in Deutschland. (Bild: PD)

Ein Blick in ein Hotelzimmer von Prizeotel in Deutschland. (Bild: PD)

Weder handelt es sich bei der Schönburg in Bern um eine Burg, noch ist sie besonders schön. Die Schönburg ist ein kreuzförmig angelegtes, acht Stockwerke hohes, massives Bürogebäude mit 20 000 Quadratmetern Nutz­fläche auf einem 14 000 Quadratmeter grossen Grundstück an bester Aussichtslage. Gebaut wurde es für die Post, die hier ab 1970 ihren Hauptsitz hatte, jedoch im vergangenen Jahr neue Büros im Entwicklungsquartier Wankdorf-City bezogen hat. Der massive, braune Klotz gilt wegen der «Klarheit der Grossform» als «bedeutendes Zeugnis der 1960er-Jahre».

Swiss Prime Sites (SPS), die grösste Schweizer Immobilien­firma, welche die Schönburg 2014 kaufte, will rund 130 Millionen Franken in das Gebäude investieren – Hotel exklusive.

Luzern mit mehr Tradition und Gästen

Dass in der Berner Schönburg überhaupt ein Hotel einzieht, ist unter anderem dem jahrelangen Drängen von Markus Lergier zuzuschreiben, dem Direktor von Bern Tourismus. Bern will sich verstärkt als Kongressstadt positionieren. «Mit dem umgebauten Kursaal, der neuen Halle von Bern Expo und so weiter können wir Top-Lokalitäten für Kongresse und Konferenzen zur Verfügung stellen», sagt Lergier: «Findet aber ein solcher Kongress statt, stossen wir schnell an die Kapazitätsgrenze; andere Veranstalter haben dann keine Chance mehr.» Lergier hat deshalb seit langem dafür plädiert, in Bern, das rund 3500 Betten in 30 Betrieben zählt, zusätzlich 500 bis 1000 Hotelbetten zu schaffen.

Zum andern soll Bern auch als Tourismusdestination attraktiver werden. «Natürlich haben wir nicht die gleiche Tradition wie Luzern oder Interlaken», räumt Lergier ein. Und die Zahlen sprechen für sich: Luzern mit rund 50 Hotels und knapp 6000 Betten verzeichnete im vergangenen Jahr 1,3 Millionen Logiernächte, Bern nur gut die Hälfte, nämlich 714 000. Doch die Tendenz ist auch in Bern steigend.

Designhotel wagt Sprung in die Schweiz

Nun ist Lergier «absolut begeistert», wie er sagt: Neben 135 Wohnungen von 1,5 bis 5,5 Zimmern, einem Fitnesscenter und einer Coop-Filiale wird es an dieser «idealen Lage zwischen Altstadt, Bern Expo und Wankdorf» tatsächlich ein Hotel geben. Es handelt sich dabei um eine Schweizer Premiere: Prizeotel, eine kleine Gruppe von bisher drei preisgünstigen Designhotels in Bremen, Hamburg und Hannover, wagt in Bern den schweizerischen Markteintritt. Zwar sei das Hotel «als Dreisternehaus positioniert», sagt Prizeotel-Gründer Marco Nussbaum: «Aber der Gast wird mehr bekommen, als er erwartet.»

Prizeotel hat seit kurzem einen international renommierten Partner: Die Hotelkette Carlson Rezidor, die unter anderem in Luzern das Hotel Radisson Blu betreibt, hat sich mit 49 Prozent an Prizeotel beteiligt und «betritt damit Neuland», wie Martin Melzer betont, der in der Rezidor-Gruppe für die Kommunikation in Nord- und Mitteleuropa verantwortlich ist: «Zum ersten Mal haben wir eine Marke nicht selber entwickelt.» Mit Prizeotel kann Rezidor seine Angebots­palette in den Budgetbereich ­hinein erweitern.

In Deutschland macht Prizeotel mit Zimmerpreisen ohne Frühstück von 59 Euro Werbung. Dass dieses Niveau in der Schweiz nicht zu halten sein wird, ist sowohl Prizeotel-Gründer Nussbaum als auch Rezidor-Sprecher Melzer klar. Hier wird man sich eher im Bereich von 120, 130 Franken bewegen. Dafür kann man aber eine Dachterrasse erklimmen, auf der einem Stadt, Landschaft und Alpen­gipfel zu Füssen liegen. Fast wie schon wie in Luzern.

Artur K. Vogel

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