TOURISMUS: Das Luxusproblem der Schweizer Hotellerie

Das Klima für die 5-Sterne-Hotels ist in der Schweiz rauer geworden. Dies spüren auch die Betriebe von Relais & Chateaux. Das Hotel Park Weggis verfügt aber über einen wesentlichen Vorteil.

Dominik Buholzer
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«Die Chinesen ersetzen uns nicht die guten Europäer, die das Essen zelebrieren», sagt Peter Kämpfer vom Hotel Park Weggis. (Bild Corinne Glanzmann)

«Die Chinesen ersetzen uns nicht die guten Europäer, die das Essen zelebrieren», sagt Peter Kämpfer vom Hotel Park Weggis. (Bild Corinne Glanzmann)

Philippe Vuillemin ist jedes Mal von Neuem überwältigt. «Ich bin jetzt sicherlich schon das zehnte Mal hier. Aber an diesen unglaublichen Anblick kann ich mich nicht gewöhnen», sagt er und lässt seine Arme über das Bergpanorama und den Vierwaldstättersee streifen. Dann hält er kurz inne und sagt dann: «Das Hotel Park Weggis hat einen riesigen Vorteil. Es gibt wohl keinen Ort, der so perfekt für die Schweiz steht wie Weggis.»

Es ist Sonntagabend. Pflichttermin für Philippe Vuillemin. Der Maître de Maison im Hotel de la Cigogne in Genf ist als Präsident der Schweizer Delegation von Relais & Chateaux in den Luzerner Tourismusort gereist. Relais & Chateaux wurde 1954 in Frankreich gegründet und stellt das weltweit grösste Netzwerk der Sternerestaurants dar. 530 Hotels auf allen fünf Kontinenten gehören heute zur exklusiven Vereinigung. 29 kommen aus der Schweiz und Liechtenstein. Das Hotel Park Weggis ist eines von ihnen und am vergangenen Sonntag Austragungsort der Generalversammlung. Es herrscht eine aufgeräumte, phasenweise schon familiäre Stimmung, man prostet sich zu und geniesst die letzten Sonnenstrahlen des Tages. Geschäftlich sieht die Lage weniger freundlich aus. 131 Millionen Franken Umsatz erwirtschafteten die Mitglieder von Relais & Chateaux im vergangenen Jahr in der Schweiz und Liechtenstein; dies bei einem durchschnittlichen Preis von 383 Franken pro Zimmer und 181 Franken pro Person in den Restaurants der Vereinigung. Damit können sie zufrieden sein, damit bewegen sie sich in der Schweiz auf Vorjahresniveau. In den Relais & Chateaux-Betrieben weltweit gab es eine Zunahme von 3 Prozent, in der Schweiz immerhin eine von 2 Prozent.

Gäste von immer weiter herholen

Die aktuelle Lage ist aber alles andere als beruhigend. «Wir verspüren einen deutlichen Rückgang sowohl im Leisure- als auch im Businessbereich», betonte Vuillemin.

Peter Kämpfer, General Manager des Hotel Park Weggis, kann ein Lied davon singen. Da sind zum einen die Russen, die im grossen Stil ausbleiben. Und da sind zum anderen die Chinesen, die diese Lücke (noch) nicht schliessen können. «Die Chinesen ersetzen uns nicht die guten Europäer, die das Essen zelebrieren. Das kennen Chinesen noch nicht, auch wenn wir bei ihnen einen zunehmende Neugierde für den Wein feststellen», sagt er. Kämpfer geht davon aus, dass in absehbarer Zeit die Zahl der Chinesen, die in Luxushotels absteigen wollen, stark zunehmen wird. Doch dies löst ihm nicht die derzeitigen Probleme. «Wir müssen heute unsere Gäste von immer weiter holen», sagt er. Beispielsweise den Golfstaaten oder Brasilien; auch Indonesien stellt ein zunehmendes Potenzial dar.

Die Durststrecke hält für die Betriebe von Relais & Chateaux schon länger an. «2008, 2009 waren die letzten wirklich sehr guten Jahre», sagt Philippe Vuillemin. Danach wurde es anspruchsvoll. Und seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank sehr anspruchsvoll – um es positiv zu formulieren. «Wir überleben, und dies wohl nicht schlecht. Aber die Lage ist schwierig», sagt Vuillemin. Klagen auf hohem Niveau? Nicht nur, betont Peter Kämpfer. Lange könne dieser Zustand so nicht weitergehen. Zum Glück habe sich der Rubel in den vergangenen Tagen wieder ein wenig erholt. «Die russischen Gäste sind für uns wichtig. Es gibt keinen Markt, bei denen unsere Anstrengungen jeweils so schnell Früchte tragen», sagt er.

Aber klagen will Kämpfer nicht. «Wir müssen nach vorne blicken. Die Gäste verwöhnen und mit neuen Angeboten von uns reden machen», betont er. «Aber jetzt lassen Sie uns dem angenehmeren Teil zuwenden», sagt er und schreitet zum Apéro in den Garten.

Dominik Buholzer