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TOURISMUS: Das weisse Gold wird immer rarer

Der Klimawandel wird den Schneetourismus in der Schweiz verändern. Einige Destinationen haben länger Zeit, bis es sie trifft. Andere denken heute schon um.
Andreas Lorenz-Meyer
Der Ski- und Schneespass für Kinder und Jugendliche ist in Airolo – wie vielerorts in der Schweiz – derzeit nur dank dem Einsatz von Schneekanonen möglich. (Bild: Keystone/Samuel Golay)

Der Ski- und Schneespass für Kinder und Jugendliche ist in Airolo – wie vielerorts in der Schweiz – derzeit nur dank dem Einsatz von Schneekanonen möglich. (Bild: Keystone/Samuel Golay)

Andreas Lorenz-Meyer

Die Trockenheit und die Frühlingstemperaturen bereiten den Wintersportorten Sorgen. Weil es vielerorts kaum geschneit hat, zeigen die Webcams aus Skigebieten in tiefen Lagen vor allem die Farben Braun und Grün statt Schneeweiss. In vielen Regionen ist nur ein Teil der Pisten und Anlagen geöffnet. Die Pisten sind zum Teil wie weisse Streifen in die braune Landschaft gemalt.

Ski fahren ohne genug Schnee – das funktioniert nicht. Darum gibt es im Wintertourismus eine Regel, die sogenannte 100-Tage-Regel. Sie lautet: Hat ein Skigebiet in 7 von 10 Wintern in der Zeit vom 1. Dezember bis 15. April an mindestens 100 Tagen eine für den Skisport ausreichende Schneedecke von mindestens 30 bis 50 Zentimetern, dann ist es auch schneesicher, bietet also gute Voraussetzungen für einen erfolgreichen Skibetrieb. Künftig dürfte es jedoch schwieriger werden, die 100-Tage-Marke zu erreichen. Denn der Klimawandel hält Einzug in den Alpen. Nahm die durchschnittliche Temperatur in der Schweiz von 1864 bis 2011 schon um 1,7 Grad Celsius zu, so ist bis zum Ende des Jahrhunderts mit einer weiteren Erwärmung um mindestens 1,4 Grad, vielleicht auch um 3 Grad zu rechnen.

Grenze dürfte weiter steigen

Welche Konsequenzen das für den Skibetrieb hat, untersucht Christoph Marty vom WSL-­Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF. Marty sieht die Grenze der Schneesicherheit in der Schweiz momentan bei 1200 Metern. Unterhalb dieser Marke zeigt sich an den meisten Stationen schon eine klare Abnahme der mittleren Schneehöhe. Dabei dürfte es nicht bleiben, wenn wir mit den Klimagasemissionen so weitermachen. Marty: «Bis 2030 könnte die Grenze der Schneesicherheit in der Schweiz um 150 Meter angestiegen sein, bis 2050 um 300 Meter.» Dann gäbe es Schneesicherheit nur noch ab 1500 Metern.

Später klettert die für den Skitourismus wichtige Grenzmarke sogar noch weiter den Berg hinauf. Gegen Ende des Jahrhunderts ist eine kontinuierliche Schneedecke im Winter nur noch über 2000 Metern garantiert. Das folgt aus einer neuen Studie des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF, bei der man die Messwerte von elf Schweizer Stationen, unter anderem in Davos, Zermatt und Engelberg, auswertete. Die mittleren Lagen, 1000 bis 1700 Meter, haben es danach schwer. Dort liegt zum Jahr 2100 hin in 50 Prozent der Winter keine dauerhafte Schneedecke mehr.

Wintersaison ist zentral

Auch wenn es um Zeiträume geht, die weit weg scheinen: In den Urlaubsorten wird man die Prognosen nicht gerne hören. Dafür ist die Skisaison zu wichtig. Die touristische Wertschöpfung liegt in den meisten Regionen im Winter deutlich höher als im Sommer, erklärt Fabian Weber vom Institut für Tourismuswirtschaft der Hochschule Luzern. Die Seilbahnen erwirtschaften 80 Prozent ihres Jahresumsatzes im Winter. Die touristische Entwicklung in den alpinen Gebieten ist jedoch rückläufig, unter anderem wegen des starken Frankens, der ausländische Gäste abschrecke, so Weber. Und auch die Skifahrertage (Skier Days) gingen in den letzten zehn Jahren deutlich zurück. Darunter versteht man die Zahl der Gäste, die mindestens einmal den Skilift benutzen. In der Saison 2014/15 waren es laut Seilbahnen Schweiz 22,6 Millionen. 2004/05 wurden noch 28,1 Millionen gezählt.

Ein direkter Einfluss der Schneebedingungen auf die Besucherzahlen ist schwer nachzuweisen. Weber: «Andere Faktoren fallen insgesamt deutlich stärker ins Gewicht.» Dazu gehören hohe Preise und ein vielseitigeres Angebot abseits der Pisten. Selbst gute Schneelagen oben in den Bergen genügen nicht immer. Fehlt es nämlich im Unterland an Winterstimmung, dann gehen die Leute häufig nicht auf die Pisten.

Tiefer gelegene Skigebiete trifft die Erwärmung natürlich härter. Viele von ihnen sind klein und kämpfen mit ungenügender Rentabilität und Investitionsstaus. Weber: «Hier verschärft ein milderer Winter die Situation noch.» Einigen geht es aber noch richtig gut. Engelberg-Titlis, grösstes Skigebiet der Zentralschweiz, verzeichnete im letzten Winter ein Übernachtungsplus von 6,5 Prozent. «Bei der Schneesicherheit können wir zum Glück punkten», sagt Frédéric Füssenich, Direktor der Engelberg-Titlis Tourismus AG. In den letzten Jahren habe es keine grossen Unterschiede zu früher gegeben.

Das Hauptskigebiet befindet sich oberhalb von 1800 Metern. Zudem liegt der Ort günstig, wie Füssenich erklärt. Es hat in normalen Wintern mehr Nordwestwetterlagen, die viel Schnee bringen. Der bleibt dank Nordlage des Gebiets auch lange liegen. Ausnahme: der Winter 2013/14. Da kamen die Tiefdruckgebiete eher aus dem Süden, und es gab verhältnismässig wenig Schnee. Grundsätzlich, so Füssenich, sei Engelberg-Titlis aber eines der schneesichersten Gebiete in den Alpen.

Künstliche Beschneiung soll helfen

Beschneit werden die 82 Pistenkilometer im Skigebiet auch. Aber nur früh in der Saison, im Dezember und Januar, wie Peter Reinle von den Titlis-Bahnen erklärt. 200 000 Kubikmeter sogenannt technischen Schnee trägt man im Schnitt auf, in schneeärmeren Jahren auch mal bis zu 250 000. Pro Jahr werden 150 000 bis 200 000 Kubikmeter Wasser für die Beschneiung benötigt, etwa 20 Prozent des kommunalen Wasserverbrauchs (Siehe Kastentext).

In Engelberg-Titlis fallen bei 3 Franken pro Kubikmeter technischem Schnee jährlich Kosten von 600 000 bis eine Million Franken an. Die Beschneiungsanlagen sind saniert worden, und die Pistenfahrzeuge verfügen über ein neues Messsystem namens Snow Sat. Reinle: «Der Fahrer weiss da immer, wie viel Schnee gerade unter dem Fahrzeug ist, ob 30 Zentimeter oder 1 Meter. So wird nie zu viel und nie zu wenig aufgetragen.»

Schnee wird gelagert

Die künstliche Beschneiung gilt als wichtigste Massnahme gegen die Erwärmung. Die Skigebiete hoffen, mit technischem Schnee, einem Gemisch aus kalter Luft und Wasser, den Betrieb noch über mehrere Jahrzehnte sichern zu können. Von den schweizweit knapp 24 000 Hektaren Pisten sind rund 11 450 Hektaren beschneibar (Siehe Grafik). 1 Kilometer Beschneiungsanlage verlangt Investitionen von rund 1 Million Franken. Hinzu kommen jährlich Betriebskosten von 20 000 bis 30 000 Franken pro Pistenkilometer und pro Wintersaison. «Der Grund für flächendeckende Beschneiung liegt nicht primär in klimatischen Veränderungen», betont Weber, «sondern vielmehr in den gestiegenen Ansprüchen der Gäste.» Sie erwarten eine sichere Schneelage und eine schneesichere Talabfahrt. Bereits jetzt müssen sich viele Skigebiete fragen, ob Investitionen in die Beschneiung wirtschaftlich noch sinnvoll sind, so Weber. Diese Frage werde noch drängender, sobald eine effiziente Beschneiung wegen steigender Temperaturen an weniger Tagen möglich ist.

Wie bereiten sich die Skigebiete sonst noch auf schneeärmere Zeiten vor? Davos legt Schneedepots in höheren Lagen an. Mit Folien oder Sägespänen zugedeckt soll der Schnee «übersommern» und zu Beginn der neuen Saison wieder eingesetzt werden.

Sommergeschäft wird wichtiger

Vielerorts versucht man, stärker zu diversifizieren, um unabhängiger vom Skisport zu werden. Diese Strategie erscheint nicht nur wegen der Erwärmung angebracht, so Weber. Sondern auch, weil Gäste, selbst wenn sie in den Skiferien sind, nicht mehr jeden Tag auf die Piste gehen. Ganz konsequent waren die Betreiber der Monte-Tamaro-Bahn. Sie stellten den Winterbetrieb ein und erweiterten das Angebot im Sommer. Rodelbahn statt Skipiste heisst es im Tessin. Diese Strategie wird aber nicht jeder verfolgen können. Weber: «Offensichtliche Alternativen zum Skitourismus, die eine ähnliche Wertschöpfung bringen, sind schwierig zu finden. Deshalb verzichtet kaum einer auf das Skigeschäft.»

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