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TOURISMUS: Der China-Boom macht Pause

Es reisen weniger Chinesen nach Europa. Das bekommen auch Hotels, Uhrenverkäufer und Bergbahnen in der Zentralschweiz zu spüren.
Rainer Rickenbach
Chinesische Touristinnen machen ein Gruppenfoto vor dem Löwendenkmal in Luzern. (Bild Corinne Glanzmann)

Chinesische Touristinnen machen ein Gruppenfoto vor dem Löwendenkmal in Luzern. (Bild Corinne Glanzmann)

Rainer Rickenbach

Beim Luzerner Schmuck- und Uhrenhändler Bucherer spricht man von einem «spürbaren» Umsatzrückgang. Grund dafür sind gemäss Mediensprecher Jörg Baumann weniger Kunden aus Fernost. Auch einige Meter weiter am Luzerner Schwanenplatz, in den neu ausgebauten Verkaufsräumlichkeiten des Mitbewerbers Gübelin, machten sich die Folgen der rückläufigen Touristenzahlen bemerkbar, sagt Gübelin-Spre­cherin Anne Gorgerat Kall.

Rückgang bei Bahnen und Hotels

Die Uhren- und Schmuckhändler geben keine Umsatzzahlen bekannt. Mit Zahlen dokumentierte Fakten liefern indes die Logierzahlen der Hotels. Die verdeutlichen zum ersten Mal seit acht Jahren einen Abwärtstrend bei den kauffreudigen Gästen aus China: Im ersten halben Jahr haben über 12 000 Hotelgäste weniger aus dem Fernen Osten in einem Stadtluzerner Hotel übernachtet als in der gleichen Vorjahresperiode. Über die Hälfte des Rückgangs entfällt auf die Gäste aus China. Die Zahl ihrer Übernachtungen nahm von Januar bis Ende Juni um 7000 oder 12,7 Prozent ab. Eine Trendwende zeichne sich für dieses Jahr nicht mehr ab, sagt der Luzerner Tourismusdirektor Marcel Perren.

Die Titlis-Bahnen mussten in der ersten Jahreshälfte beim Gruppengeschäft einen Dämpfer von minus 23 Prozent hinnehmen. Er war mitverantwortlich für den Umsatzrückgang von mehr als 20 Prozent im Wintersaison-Ergebnis des börsenkotierten Transportunternehmens. Das Gruppengeschäft am Titlis bedeutet Chinesen und Inder – das Geschäft mit den indischen Reisegruppen läuft in Engelberg nach wie vor gut, es hapert also im chinesischen Markt.

2015 war ein Ausnahmejahr

Die Hiobsbotschaften aus der Tourismusbranche sind freilich auf den zweiten, vertieften Blick nicht mehr ganz so dramatisch. Denn verglichen wird mit 2015 – einem aussergewöhnlich starken Jahr im touristischen Asien-Geschäft. Damals schoss in der Stadt Luzern die Zahl der Hotelübernachtungen von chinesischen Gästen um nicht weniger als 36 Prozent in die Höhe. In der gesamten Innerschweiz lag das Plus sogar bei fast 50 Prozent. «Bei den Logiernächten ist das Niveau zurzeit immer noch hoch. Geht es so weiter, wird 2016 immerhin das zweitbeste Jahr», sagt Perren. Bei den Titlis-Bahnen rechnet man mit einem Geschäftsjahr, das immerhin über dem fünfjährigen Durchschnitt liegt.

Es gibt zudem Ausnahmen: Die Region Weggis, Vitznau, Rigi zum Beispiel legte bei den Hotelübernachtungen im ersten halben Jahr um 12,4 Prozent zu. Die Logiernächte der Gäste aus Asien legten in den Luzerner Seegemeinden sogar um satte 55 Prozent auf knapp 36 000 zu.

Wirtschaft, Terror und Visa

Trotzdem: Aus dem Reich der Mitte strömen weniger Gäste in die Schweiz. Frankreich und Deutschland sind vom Rückgang noch stärker betroffen. Bei der Marketingorganisation Schweiz Tourismus macht man drei Gründe für den Rückgang verantwortlich: Die chinesische Wirtschaft wächst langsamer als noch vor ein paar Jahren, die Bilder der Terrorattacken in Frankreich und Deutschland verschreckten viele reisefreudige Chinesen, und seit die Schengen-Länder biometrische Pässe für ein Visum verlangen, mussten die Antragsteller in China zum Teil lange Wege auf sich nehmen, um ihren Fingerabdruck abzugeben (siehe Kasten).

Was die wirtschaftliche Entwicklung angeht, so steckt die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt im Übergang von einer Exportwirtschaft zu einer Konsumgüterindustrie für den eigenen Markt mit 1,3 Milliarden Konsumenten. Für das Reisegeschäft ist diese Umstellung eigentlich förderlich. Kommt hinzu: Die chinesische Wirtschaft stagniert nicht, sie soll dieses Jahr um immerhin 6 Prozent wachsen. In Europa bewegen sich die Wachstumsraten zwischen 0,5 und 1,5 Prozent.

Die Reisepreise bröckeln auch in China. «Wegen der zugespitzten Konkurrenz zwischen den Reiseveranstaltern herrscht in China ein Preiszerfall», sagt André Aschwanden, Sprecher von Schweiz Tourismus. Eine zehntägige Reise durch drei europäische Länder mit Mittelklasse-Hotels koste um die 2000 Franken. Bemerkenswert: Rund 30 Prozent der chinesischen Schweiz-Reisenden sind gemäss Perren heute in Kleingruppen, meistens im Familienverband, unterwegs.

Chinesische Terroropfer

Vor allem die Axt-Attacke eines jungen Islamisten in Würzburg sorgte in China für grosses Aufsehen, denn die meisten der teilweise schwer verletzten fünf Opfer stammen aus Hongkong. Die Meldungen darüber schadeten nicht nur der Reisedestination Deutschland. «Viele Chinesen haben ihren Fokus auf ganz Europa gerichtet, sie unterscheiden nicht zwischen den verschiedenen Ländern», sagt Perren.

Allerdings würden die Bilder des Schreckens recht schnell in Vergessenheit geraten, so Perren. Da unterscheiden sich die chinesischen nicht von den europäischen Touristen. Der Direktor von Luzern Tourismus ist zuversichtlich, dass früher oder später die Zahl der chinesischen Gäste wieder zunimmt. «Wahrscheinlich fällt das Wachstum künftig aber nicht mehr im zweistelligen, sondern im einstelligen Prozentbereich aus.»

Die Schweiz rüstete auf

rr. Wenn Chinesen ein Land des europäischen Schengen-Raums bereisen wollen, müssen sie seit dem vergangenen November einen biometrischen Pass haben und ihren Fingerabdruck in der Visa-Abgabestelle abgeben. Das Visum berechtigt sie zwar, in allen Schengen-Ländern unterwegs zu sein. Doch es muss von dem Land ausgestellt sein, in dem die Touristen sich hauptsächlich aufhalten. Antragsteller müssen für die Abnahme eines Fingerabdrucks bei einem Visa- Antragszentrum erscheinen.

Neu 15 Visa-Antragsstellen

Bis Ende Januar hatte die Schweiz nur gerade drei Visa-Antragszentren im Reich der Mitte. Länder wie Frankreich, Österreich und Italien verfügten bereits über 15 solche Zentren. Das führt in der Schweiz zu Kritik am Eidgenössischen Departement für äussere Angelegenheiten (EDA), weil viele reisefreudige Chinesen lange Wege in Kauf nehmen mussten, um zu einer Einreisebewilligung in die Schweiz zu kommen.

Inzwischen hat das EDA gehandelt. «Bis Ende Juli haben weitere Antragsstellen ihren Betrieb aufgenommen, es sind nun 15 Schweizer Zentren», sagt Schweiz-Tourismus-Sprecher André Aschwanden. Es bestehen zudem Abmachungen unter den europäischen Visa-Stellen, auch für andere Schengen- Länder Einreisedokumente zu erstellen.

Bild: Grafik Neue LZ/Janina Noser

Bild: Grafik Neue LZ/Janina Noser

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