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TOURISMUS: Der Schnee löst nicht alle Probleme

Gruppenreisende aus Asien halten die Schweiz trotz Frankenstärke im Geschäft. Trotzdem habe dieses Segment zu viel Gewicht, finden Ökonomen der Credit Suisse.
Daniel Zulauf
Asiatische Touristen auf dem verschneiten Gipfel des Titlis bei Engelberg. (Bild: Roger Grütter (1. November 2016))

Asiatische Touristen auf dem verschneiten Gipfel des Titlis bei Engelberg. (Bild: Roger Grütter (1. November 2016))

Daniel Zulauf

Ein stärkerer Euro und viel Schnee – so vielversprechend hat sich die Wintersaison im Schweizer Tourismus schon lange nicht mehr angelassen. Allein der Wechselkurseffekt sollte dafür sorgen, dass die Zahl der Gäste aus unseren Nachbarländern deutlich zunimmt. In der Vergangenheit war der starke Franken jedenfalls der entscheidende Faktor für deren Ausbleiben. Die Credit Suisse schätzt in einer gestern veröffentlichten Studie, dass eine Abwertung des Euros um 10 Prozent beispielsweise bei den deutschen Gästen zu einem Rückgang der Logiernächte um 9 Prozent führt. Ähnlich preissensitiv sind offenbar auch die Italiener. Und noch empfindlicher reagieren die Belgier und die Niederländer.

Nachdem sich der Euro im Zwölfmonatsvergleich um fast 9 Prozent gegenüber dem Schweizer Franken verteuert hat und – der Erwartung vieler Beobachter zufolge – noch weiter zulegen könnte, ist in der Wintersaison mit einer Rückkehr von zumindest einem Teil der Gäste aus Europa zu rechnen. Im Hinblick auf diese entscheidende Trendwende hatte vor einigen Wochen schon die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich eine Zunahme der Logiernächte in der aktuellen Wintersaison um 3,6 Prozent vor­ausgesagt. Auch für die inländischen Gäste, die im Winter mehr als 50 Prozent der Logiernächte in den Schweizer Bergen für sich in Anspruch nehmen, hat die preisliche Attraktivität von Ferien im eigenen Land zugenommen. Auch sie werden in den Feriendestinationen wieder in grösserer Zahl als Gäste erwartet.

Ein schneereicher Winter käme für die Hotellerie im Alpenraum gerade zur rechten Zeit. Der Wechselkurs und zwei schnee­arme Winter in Folge haben den vielen strukturschwachen Destinationen arg zugesetzt.

Titlisbahn steuert auf ­Rekordabschluss zu

Ganz anders präsentiert sich die Lage dort, wo vor allem Gruppen aus Asien und namentlich aus China auf ihrer Europareise Halt zu machen pflegen. Das sind in der Schweiz vor allem das Berner Oberland mit dem Jungfraujoch als Flaggschiff und die Zentralschweiz mit dem Titlis.

Der anhaltende Gästeboom in diesen Topdestinationen äussert sich etwa bei der Jungfraubahn, die im ersten Halbjahr ihre Passagierzahlen und das Geschäftsergebnis auf Rekordwerte steigern konnte. Die an der Schweizer Börse gehandelten Jungfraubahn-Aktien haben seit Jahresbeginn um 27 Prozent zugelegt. Auch die Titlisbahn, die im Vergleich zu den Oberländern ein stärkeres Wintergeschäft geniesst, steuert auf einen Rekordabschluss zu.

Trotz dem eindrücklichen Erfolg der genannten Destinationen stellt dieser «Massentourismus» im Urteil der Credit Suisse eher einen Fluch als einen Segen für die Tourismusdestination Schweiz dar. Teure Hotels profitierten kaum von chinesischen Gruppenreisenden, und weil diese typischerweise im Bus anreisen, blieben auch dem Transportwesen die Erträge versagt.

Hinzu kommt, dass auf kommerziell lukrativere Individualtouristen die Masse auch abschreckend wirken könnte, heisst es in der Studie. Mit dieser Analyse mag man sich in Engelberg allerdings gar nicht anfreunden. In der langen Geschichte der Titlis­bahnen hätten Gruppenreisen stets eine wichtige Rolle gespielt und die Destination vorangebracht, sagt Mediensprecher ­Peter Reinle. Die Grenze zwischen Massen- und Individualtourismus sei ohnehin sehr unscharf.

«Insbesondere Gäste aus Indien sind oft Wiederkehrer und reisen heute meist mit ihren Familien und kaum noch in Gruppen», weiss auch Patrizia Bickel, Sprecherin der Jungfraubahn. Die Anziehungskraft der Destination ist offenbar gross genug, dass man sich dort «vehement gegen das Preisdumping» der lokalen Konkurrenz wehren kann. «Das Jungfraujoch gibt es auch in Zukunft nicht zum Tiefpreis.»

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