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TOURISMUS: Die Geschichtenerzähler aus Sarnen

Das Kreativatelier Steiner Sarnen zählt zu den renommiertesten Ausstellungsmachern der Schweiz. Ihre Erlebniswelten haben sich zu Exportschlagern entwickelt.
Hans-Peter Hoeren
Sie wissen, welchen Weg man einschlagen muss, damit eine Ausstellung erfolgreich wird: Mauro Testerini (links) und Otto Steiner. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Sie wissen, welchen Weg man einschlagen muss, damit eine Ausstellung erfolgreich wird: Mauro Testerini (links) und Otto Steiner. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Die Lifttüren öffnen sich. Vogelgezwitscher ertönt. Lichtprojektionen versetzen den Besucher in eine Urwaldlandschaft. Ins 15. Jahrhundert. Zu den Azteken. Dort entdeckt der Konquistador Cortés die Kakaobohne. Der Ausgangspunkt für den Siegeszug der Schokolade. Im Zeitraffer geht es durch die nächsten Jahrhunderte, bis 1819 Alexandre Cailler im Kanton Freiburg schliesslich die Milchschokolade erfindet. Hautnah erleben kann man die Geschichte der Schokolade seit über drei Jahren in neun begehbaren Räumen im Maison Cailler in freiburgischen Broc. 180 000 Besucher pro Jahr waren das ursprüngliche Ziel, mittlerweile sind es fast 400 000.

«Bestehende Attraktion verstärken»

Konzipiert und umgesetzt hat diesen Rundgang das Obwaldner Kreativatelier Steiner Sarnen Schweiz. «Letztlich ist es nicht so leicht, auch quengelnde Kinder über einen längeren Zeitraum gut zu unterhalten. Dafür braucht es immer eine gut erzählte Geschichte», sagt Inhaber Otto Steiner (58). Der Nidwaldner und sein 20-köpfiges Team zählen zu den renommiertesten Ausstellungsmachern der Schweiz und haben sich auch in Europa und Asien einen Namen gemacht. «Wir verstehen uns in erster Linie als Geschichtenerzähler, die eine bestehende Attraktion verstärken oder mit neuen Augen erlebbar machen wollen», sagt Steiner.

Das Team steht an oberster Stelle

An rund 15 Projekten arbeitet das Unternehmen aktuell. Museen, der Tourismus und die Industrie sind die wichtigsten Auftraggeber für die Erlebniswelten made in Sarnen. Kreativität und Innovationsfreude sind dabei bei jedem Projekt wieder aufs Neue gefordert. «Wir erfinden uns bei jedem Projekt wieder neu», sagt Mauro Testerini, der seit Anfang 2013 das Atelier als Geschäftsführer leitet. Für den Erfolg des Unternehmens sei dabei in erster Linie das Kollektiv verantwortlich. «Die Firma muss unabhängig von einzelnen Personen funktionieren können. Das geht nur mit ganz unterschiedlichen Charakteren, die miteinander zusammenspielen», sagt der Designer und Innenarchitekt.

Konkurrenz als Gewinnsituation

Anregungen und innovative Inputs holt sich der Obwaldner Betrieb dabei immer wieder im engen Austausch mit Mitbewerbern. «Wir arbeiten nicht mit Stillhalteabkommen. Wir versuchen aus einer Konkurrenzsituation eine Gewinnsituation für beide Seiten zu machen. Man lernt am meisten beim Erzählen», sagt Steiner dazu. Einmal im Jahr beispielsweise organisiert das Unternehmen in Luzern ein Fachtreffen für Szenografie und Kommunikation im Raum. Konzept, Idee, Story, Design, Szenografie, Dramaturgie und die Koordination und Betreuung – das alles gehört zum Management der «hochkomplexen Projekte» hinzu. Grafiker, Gestalter, Innenarchitekten, Architekten, Bühnenbildner, Autoren – das sind einige der wichtigsten Berufsbilder im Team von Steiner Sarnen Schweiz. Bei den für die Dramaturgie so wichtigen Erzählern handelt es sich meist um freie Mitarbeiter. Darunter sind bekannte Autoren, die schon für den «Tatort» und andere Krimis Drehbücher geschrieben haben. Die Auftragslage ist gut. Mit grossem Erfolg hat das Kreativatelier kürzlich eine Erzählmaschine für das Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen am Bodensee realisiert. In einer 10-minütigen Show taucht der Besucher ein in die Welt der über 6000 Jahre alten Pfahlbaufunde.

Neuer Glamour für St. Moritz

Aktuell konzipiert Steiner Sarnen Schweiz unter anderem das Klostermuseum Muri, welches die wechselvolle Geschichte des Konvents erzählt. Und anlässlich des 150-jährigen Bestehens von Nestlé wird 2016 das Nestlé Centre Vevey eröffnet. Die Obwaldner Firma entwickelt eine Erlebniswelt, welche die wichtigsten Stationen der Geschichte und die Gegenwart und Zukunft des Konzerns zeigt. Ein zentrales Thema vieler Projekte sind die Berge. Nachdem man bereits für den Pilatus einen Masterplan entwickelt und auf dem Jungfraujoch einen Besucherrundgang realisiert hat, arbeitet man aktuell an einem Projekt, das den Sommertourismus in St. Moritz ankurbeln soll. «In St. Moritz wurde der Wintersport erfunden und 1924 die erste Winterolympiade durchgeführt. Diesen Glamour möchten wir wieder sichtbar machen», sagt Otto Steiner. Mit Blick auf die Ski-WM 2017 soll bis Ende Jahr auf dem Corviglia eine WM-Bar gebaut werden.

Konzept für Vogelwarte Sempach

Auch die Planungen für das neue Besucherzentrum der Vogelwarte Sempach laufen auf Hochtouren. Dieses soll 2015 eröffnet werden. Einen Clou verraten die Ausstellungsmacher bereits. Im letzten Raum wird der Besucher beringt. Analog zur Vogelwelt, wo Plastikringe am Mittelfuss angebracht werden, um das Verhalten der Tiere studieren zu können. Der beringte Besucher muss nun an weiteren Stationen Angaben über seine Ernährung, seine liebste Flugart und das Federkleid machen. «Am Ende erfährt jeder Besucher, was für ein Vogel er ist, das Spektrum reicht von der Nachtigall bis zum Höckerschwan », sagt Otto Steiner schmunzelnd. Ziel sei es, dass die Leute sich noch bei der Fahrt nach Hause über die Vogelwelt unterhielten.

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