TOURISMUS: Die kurze Fahrt liegt im Trend

Viele Schweizer sind öfter und weniger lang unterwegs. Von den Kurzreisen profitiert auch der Luzerner Bahnausflugs-Anbieter Railaway.

Rainer Rickenbach
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Die SBB-Tochter Railaway feierte gestern mit einer Loktaufe im Luzerner Verkehrshaus ihr 15-jähriges Bestehen. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Die SBB-Tochter Railaway feierte gestern mit einer Loktaufe im Luzerner Verkehrshaus ihr 15-jähriges Bestehen. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Rainer Rickenbach

«Es sind immer die einfachsten Ideen, die aussergewöhnliche Erfolge haben», zitiert Geschäftsführer René Kamer zum 15-Jahre-Jubiläum von Railaway den russischen Schriftsteller Tolstoi. Einfach heisst beim vorwiegend auf dem inländischen Markt tätigen Reiseanbieter: Zugfahrt in die Nähe einer Ausflugsattraktion, wo sich der Abstecher für die Kunden in der Regel in einem andern Transportmittel fortsetzt.

Das Ziel kann ein Berg, ein See, ein Zoo, ein Hotel oder auch ein Rockkonzert sein. Railaway arbeitet bei den ­Ticketkombis mit 1100 Partnern zusammen. Deren Spektrum reicht vom Verkehrshaus über Bergbahnen, Schifffahrtsgesellschaften, Weihnachtsmarkt-Veranstaltern in Süddeutschland bis hin zu Agenturen für Rockkonzerte.

Gutes Jahr trotz miesem Sommer

Der «aussergewöhnliche Erfolg» des Geschäftsmodells schlägt sich in den Betriebszahlen nieder: Kombibillette für mehr als 1,9 Millionen Personen verkaufte die SBB-Tochtergesellschaft in diesem Jahr. Bereits vor den Weihnachtsfesttagen hat der auf ÖV-Reisen spezialisierte Kurzreisen-Veranstalter 10 Prozent mehr Fahrscheine verkauft als im Vorjahr. In den letzten paar Jahren pendelte sich die Zahl der Kunden zwischen 1,5 und 2 Millionen ein (Grafik). Der Umsatz stieg dieses Jahr trotz des verregneten Sommers um über 10 Prozent auf 80 Millionen Franken. Seit 15 Jahren betreibt Kamer an der operativen Spitze von Railaway das Ausflugsgeschäft und beobachtete dabei eine Veränderung beim Reiseverhalten. «Unsere Kunden wollen in immer kürzerer Zeit mehr Freizeit erleben. Ziele mit langen Anfahrtswegen liegen darum nicht im Trend», stellt er fest. Jedes zehnte verkaufte Ticket entfällt inzwischen auf Ausflüge, die bloss einen halben Tag in Anspruch nehmen.

Was in der Schweiz leicht zu bewerkstelligen ist, wie Andreas Willich von der Railway-Partnerin BLS gestern am Festakt zum Jubiläum (Kasten) mit einer weiteren Literaturgrösse veranschaulichte. Sein Zitat stammt von Goethe und besagt: Wäre die Schweiz flach wie ein Pfannkuchen, hätte sie eine grössere Ausdehnung als das alte Preussen. «Glücklicherweise ist unser Land gefaltet und bietet darum zahlreiche Ausflugsziele», folgerte Willich. Die Halb- und Viertelstunden-Taktfahrpläne der Bahnen zu den Attraktionen des gefalteten Landes kommen kürzeren Ausflügen entgegen.

Sitz in Luzern

«Das Auto ist unsere eigentliche Konkurrenz. Acht von zehn Ausflüglern machen sich mit ihrem eigenen Wagen auf den Weg zu ihrem Freizeitziel», sagt Kamer. Der Grund dafür dürfte aber mehr die Bequemlichkeit als überfüllte Züge sein. Railaway plant seine Angebote zudem so gut wie möglich abseits der Pendlerströme.

Der ÖV-Reiseveranstalter hat seinen Sitz in Luzern. Zusammen mit den Aussenstellen in Lausanne und Lugano beschäftigt er 70 Mitarbeitende. Die SBB sind mit 86 Prozent Mehrheitsaktionär. Die restlichen Anteile verteilen sich auf sieben verschiedene Bahnpartnerinnen wie die Rhätische Bahn oder die Südostbahn. Ebenfalls Partnerin ist die Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV).

Anzahl Kunden der Railaway (Bild: Quelle: Railaway AG, Luzern. Grafik: Oliver Marx)

Anzahl Kunden der Railaway (Bild: Quelle: Railaway AG, Luzern. Grafik: Oliver Marx)