TOURISMUS: Die neuen Weltenbummler

Sie sind zahlungskräftig, sie haben Zeit und wollen etwas erleben. Senioren werden für die Reisebranche immer wichtiger. Fernreisen werden dabei immer stärker nachgefragt.

Hans-Peter Hoeren
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Im Fokus der Reisebranche stehen zunehmend Personen ab 50 Jahren: Sie haben im Vergleich zu früher mehr Geld, sind gesünder und reisefreudiger. (Bild: Archiv Neue LZ)

Im Fokus der Reisebranche stehen zunehmend Personen ab 50 Jahren: Sie haben im Vergleich zu früher mehr Geld, sind gesünder und reisefreudiger. (Bild: Archiv Neue LZ)

Senioren sind für die Reisebranche eine sehr attraktive Zielgruppe. «Diejenigen, die reisen, weisen im Schnitt eine höhere Aufenthaltsdauer als der Durchschnitt der Schweizer Reisenden auf und geben überdurchschnittlich viel Geld aus», sagt Roland Lymann, Dozent für Destinationsmanagement und Gesundheitstourismus am Institut für Tourismuswirtschaft der Hochschule Luzern. Die Reiseintensität und die Reiselust in dieser Zielgruppe habe in den vergangenen Jahren stetig zugenommen.

«Heute sind viele Senioren vitaler, sportlicher und unternehmungslustiger als noch vor 10 bis 15 Jahren», sagt Peter Brun, Mediensprecher beim Reisekonzern Kuoni. Dadurch seien auch die Ansprüche gestiegen. «Diese Zielgruppe will etwas erleben und unternehmen in den Ferien», sagt Brun.

Rundreisen sind sehr populär

Sehr gefragt sind nach wie vor geführte Rundreisen. Dabei würden fernere und exotischere Ziele wie Kuba, Feuerland, Kolumbien oder Tansania samt Kilimandscharo mittlerweile in diesem Kundensegment vermehrt nachgefragt. Kuoni hat darauf mit einem neuen Rundreiseprogramm reagiert. Unter dem Titel «Meine Reise» haben Kuoni-Reiseberater ihre beliebtesten Rundreisen zusammengestellt. Das Angebot reicht von Portugal über Kambodscha bis Neuseeland. Die jeweilige Gruppe wird begleitet von dem Berater, der die Reise konzipiert hat.

Neben Rundreisen sind auch Strand- und Sportferien, Aktivurlaub sowie Kreuzfahrten gefragt. «Man kann hier nicht alle Pensionäre in eine Schublade stecken. Es gibt Senioren, die mehr Rambazamba machen als junge Leute oder auch mehr Sport», sagt Brun.

Das Qualitätsbewusstsein der Best Ager sei generell sehr hoch, ergänzt Roland Schmid, Sprecher von Tui Suisse. Als Best Ager werden Menschen ab 50 Jahren bezeichnet. Wenn die Qualität nicht stimme, verzichte man lieber auf eine Reise. «Der Preis hingegen ist nicht das absolut dominierende Entscheidungskriterium im Best-Ager-Alter, die Erfüllung eines Wunsches steht im Vordergrund», sagt Schmid.

Speziell die Kombination von Aktiv- und Badeferien sei bei der Zielgruppe sehr gefragt, sagt Prisca Huguenin-dit-Lenoir, Medienverantwortliche von Hotelplan Schweiz. Besonders beliebt seien auch Kreuzfahrten und Flussreisen. «Hier nehmen die massgeschneiderten Angebote zu, auf gewissen Kreuzfahrten und Flussreisen werden spezielle Tarife für Best Agers angeboten», sagt die Hotelplan-Sprecherin. So böten gewisse Reedereien Preisnachlässe an.

«Grossgruppen sind out»

Christine Ziegler, Geschäftsführerin von Lohri-Reisen in Brig, bestätigt die Popularität von Reisen per Kreuzfahrt- oder Flussfahrtschiff. Lohri-Reisen organisieren einen Teil der Leserreisen der «Neuen Luzerner Zeitung». Auch begleitete Gruppenreisen stünden hoch im Kurs, sagt Ziegler: «Reisen in Länder wie Japan, Tibet oder Usbekistan sind besonders gefragt.»

Nahezu komplett auf die Reisegruppe 50+ ist das Aktivferien-Angebot der Luzerner Baumeler Reisen ausgerichtet. Dieses umfasst unter anderem begleitete Wander- und Veloreisen. «Grossgruppen sind out, Kleingruppen von 10 bis 15 Personen sind gefragt», umreisst Geschäftsführer Michael Mettler einen der aktuellen Trends. Zudem werde die Individualität immer wichtiger. Die Teilnehmer legten Wert auf mehr Freizeit und optionale Ausflüge.

Spezialisiert auf Reisen für Senioren respektive Best Agers hat sich Wirz Travel aus Sarnen. «Heute gibt es fast keine Länder mehr, welche nicht auch von 65- bis 75-Jährigen bereist werden können», sagt Odette Stierlin, verantwortlich für den Verkauf und Beratung der so genannten Reisen mit Stil. Dies sind massgeschneiderte Rundreisen.

Medizinisch begleitete Reisen

Eine Besonderheit des Reiseveranstalters aus Sarnen ist, dass jeder Reiseleiter einen Assistenten hat, der über eine medizinische Ausbildung verfügt. «Im Notfall ist damit jederzeit eine gute medizinische Versorgung vor Ort, unsere Kunden schätzen das sehr», berichtet Odette Stierlin. Für das Unternehmen ist diese zusätzliche Leistung ein Alleinstellungsmerkmal. Reisen mit medizinischer oder ärztlicher Begleitung sind gemäss Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Reisebüroverbands, in der Schweiz eher Nischenangebote. Hotelplan und Tui Suisse bieten diese Leistungen in ganz speziellen Bereichen an.

Der Begriff Seniorenreisen ist tabu

Egal wie das Angebot ausgerichtet ist, eine Grundregel müssen alle Veranstalter beim Umwerben zahlungskräftiger Kundschaft tunlichst beachten. «Diese Zielgruppe will auf keinen Fall als Senioren oder Best Agers angesprochen werden», sagt Walter Kunz vom Schweizerischen Reisebüroverband. Die klassischen Best Ager fänden es toll, in gemischten Reisegruppen reisen zu können, in denen sich auch Personen mittleren und jüngeren Alters befänden.