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TOURISMUS: Die Talsohle ist durchschritten

Die Aussichten für die Sommersaison sind besser als auch schon: Deutlich mehr asiatische Gäste besuchen die Schweiz, und die Zahl der europäischen Gäste dürfte leicht steigen. Von den Europäern profitieren vor allem die Touristenorte im Alpenraum.
Rainer Rickenbach
Tourismusorte in den Alpen hoffen wieder auf mehr Gäste aus der EU. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (Stanserhorn, 27. Mai 2017))

Tourismusorte in den Alpen hoffen wieder auf mehr Gäste aus der EU. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (Stanserhorn, 27. Mai 2017))

Rainer Rickenbach

rainer.rickenbach@luzernerzeitung.ch

Luzern, Genf und Zürich zählen zu den Gewinnern. Anders als in den übrigen Tourismusregionen der Schweiz übernachten seit der Jahrtausendwende dort Jahr für Jahr mehr Gäste in den Hotels. Grund ist ihre Beliebtheit bei den asiatischen Reiseplanern, die ihre Kunden innert zehn Tagen oder zwei Wochen durch den Kontinent schleusen. Im vergangenen Jahr legte das Wachstum zwar eine Pause ein. Wegen der Angst vor Terroranschlägen, verschärften Visabestimmungen für die Schengen-Staaten und einer vorübergehenden wirtschaftlichen Schwächephase in China machten sich weniger Leute in Fernost zu einer Europa-Rundreise auf. Die Folge: In der Zentralschweiz verkauften die Hoteliers 2,4 Prozent weniger Logiernächte als im Rekordjahr 2015. Es reichte für die Region aber immer noch zum zweitbesten Übernachtungsergebnis der Geschichte.

Im Sommer geht es indes wieder aufwärts. «Das Tourismusgeschäft wächst weltweit um 3 Prozent. In den für die Schweiz wichtigen Regionen Fernost, USA und Indien legt die Wirtschaft deutlich zu, und die Angst vor Terroranschlägen rückte vorerst etwas in den Hintergrund. Das sind gute Voraussetzungen für die Tourismusbranche», sagte Jan-Egbert Sturm, Direktor der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich, gestern an einer Medienkonferenz. In diesem Sommer steigt die Zahl der Hotelübernachtungen nach den KOF-Prognosen um 1,7 Prozent schweizweit. Im Sommer 2018 soll sich das Wachstum gar auf 2,5 Prozent beziffern.

Zentralschweizer Hoteliers sind zuversichtlich

Buchen die Reisefreudigen in Asien, Amerika und Australien wieder vermehrt Europa-Reisen, ist das für die Zentralschweiz eine gute Nachricht. Die Stimmung in der Hotelbranche sei gut, sagt Marcel Perren, Direktor von Luzern Tourismus. «Die Hoteliers berichten von einem erfreulichen Reservierungsstand. Viele sind für die Hochsaison bereits sehr gut gebucht», so Perren. Auf die Gäste aus den sogenannten Fernmärkten (Fernost, Indien, Nordamerika, Australien) entfällt in der Stadt Luzern etwa die Hälfte der Logiernächte. Perren: «Die Region profitiert in der Hochsaison vom Boom der Fernmärkte in der Stadt. Verschiedene Reiseveranstalter weichen dorthin aus, wenn die Stadt ausgebucht ist oder wenn sie in der Nähe von Luzern günstigere Unterkunftsmöglichkeiten suchen.» Die Schweizer Gäste sind für rund einen Viertel der Hotelübernachtungen in Luzern verantwortlich, die EU-Europäer für einen Fünftel.

Die Europäer und die Schweizer Gäste spielen in den Zentralschweizer Tourismusregionen ausserhalb der Stadt Luzern eine wichtige Rolle. Während der Binnentourismus stabil bleibt, zeichnet sich bei den Besuchern aus der EU für dieses Jahr eine zögerliche Wende ab. «Es scheint, als sei der Tiefpunkt überwunden», sagte Sturm von der Konjunkturforschungsstelle KOF mit Blick auf den europäischen Markt. Der stabile Frankenkurs gegenüber dem Euro und die zufriedenstellende Konjunktur in den EU-Ländern geben zu Hoffnungen Anlass. Sturm rechnet mit einem leichten Anstieg der Anzahl Logiernächte von Gästen aus Europa. Die Trendwende vollzieht sich indes auf unterirdischem Niveau. Denn die zwei Wert-Explosionen der Schweizer Währung haben tiefe Spuren hinterlassen: Seit 2009 ging die Zahl der Übernachtungen von Gästen aus den 16 EU-Kernländern in den über 270 000 Hotelbetten der Schweiz um satte 29,7 Prozent zurück. Besonders schmerzlich: Die für die Schweizer Tourismusbranche so wichtigen Deutschen blieben in Scharen weg. Die Zahl ihrer Logiernächte sackte in diesem Zeitraum sogar um 38,6 Prozent ab. Das bekamen die Tourismusorte in den Alpen stark zu spüren. In Graubünden, im Wallis und im Berner Oberland schlossen anders als in Luzern die Asiaten nicht die Lücke, welche die Deutschen, die Engländer und die Holländer hinterlassen hatten. Alle werden sie wohl nicht zurückkehren. Doch der Aderlass scheint gestoppt zu sein. «Die Schweiz beginnt, am europäischen Tourismusboom teilzuhaben», prophezeit Sturm. Boom darum, weil in den meisten Nachbarländern die Zahl der europäischen Gäste seit 2011 stark steigt.

Bild: Grafik: LZ

Bild: Grafik: LZ

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