TOURISMUS: Die Wohnungen sind beliebt

Die Schweizer Hotelbranche erholt sich zwar leicht. Das Geschäft mit den Ferienwohnungen und Gruppenunterkünften hingegen kennt keine Eurokrise.

Rainer Rickenbach
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Frédéric Füssenich, Direktor von Engelberg- Titlis Tourismus. (Bild Corinne Glanzmann)

Frédéric Füssenich, Direktor von Engelberg- Titlis Tourismus. (Bild Corinne Glanzmann)

In Engelberg entfallen über 40 Prozent der registrierten Gäste-Übernachtungen auf die Parahotellerie. Im Skigebiet Sörenberg-Flühli übernachten fast die Hälfte der Besucher in Wohnungen, Pensionen mit Gruppenzimmern oder in Campingwagen. «Die Parahotellerie ist eine wichtige Ergänzung zur Hotellerie und vor allem bei Familien sehr beliebt», sagt Marcel Perren, Direktor von Luzern Tourismus. Seine Aussage trifft auf Sörenberg und Engelberg in besonderem Masse zu, dort stehen zusammengezählt über 3000 Ferienwohnungen.

Sörenberg: Viele «kalte Betten»

Sie sind freilich längst nicht alle zu mieten. In Sörenberg etwa vermarktet die lokale Tourismusorganisation nur jede zehnte Ferienwohnung. Die Besitzer des grossen Restes zeigen kein Interesse am Vermietgeschäft – Tendenz zunehmend. «Die meisten Häuser wurden in den 1970er-Jahren gebaut. Die erste Besitzergeneration war eher auf Mieteinnahmen angewiesen, weil sie ihr neues Wohneigentum amortisieren mussten. Bei der zweiten Generation ist das trotz zahlreicher Umbauten weniger oft der Fall», sagt Carolina Rüegg, die Direktorin von Sörenberg Flühli Tourismus. Da sich wegen der Zweitwohnungsinitiative das Angebot in absehbarer Zeit nicht mehr ausdehnen lässt, gerät die abnehmende Vermietbereitschaft zu einem Problem. Sörenberg Flühli Tourismus hat darum die Hochschule Luzern beauftragt, nach neuen Wegen zu suchen. Ziel: die Zahl der «kalten Betten» minimieren.

Im Pyjama zum Frühstück

Engelberg ist im Kampf gegen lange Zeit leer stehende Ferienwohnungen einen Schritt weiter. Dort entfallen immerhin 38 Prozent der Übernachtungen in den Ferienwohnungen nicht auf deren Besitzer, sondern auf Mieter. «Seitdem wir mit dem Internet-Vertriebspartner Interhome zusammenarbeiten, stiegen die von uns vermittelten Wohnungen um fast 35 Prozent», erklärt Frédéric Füssenich, Direktor von Engelberg-Titlis Tourismus. Eine Studie macht deutlich: Die Feriengäste in den Wohnungen, Gruppenunterkünften und auf den Campingplätzen tragen 27 Prozent zur Tourismus-Wertschöpfung im Klosterdorf bei. In Engelberg liegt dieser Wert unter denen der Hotelgäste und der Tagesgäste. Im regionaler ausgerichteten Sörenberg tragen die Parahotelgäste mehr zur Wertschöpfung bei als die Tagesgäste. «Diese Parahotellerie-Gäste wohnen ein paar Tage oder Wochen hier. Sie kaufen in den Läden ein und gehen auch ab und zu auswärts essen», sagt Rüegg von Sörenberg Flühli Tourismus. Gefragt sind die Ferienwohnungen vor allem bei den Familien. Freilich nicht nur bei denjenigen, die genau kalkulieren müssen, um sich Ferien in den Skigebieten leisten zu können. «Die teuren Wohnungen vermieten sich auch sehr gut. Sie kommen dem individualisierten Zeitgeist entgegen: Familien mit hohem Einkommen schätzen es, zwischen Restaurantbesuch und Abendessen zu Hause auszuwählen. Man ist unter sich, kann im Pyjama zum Frühstück erscheinen», weiss Füssenich.

Euro-Schwäche ist kein Thema

Die grosse Mehrheit der Gäste in den Ferienwohnungen, Gruppenunterkünften und auf den Campingplätzen sind in beiden Orten Schweizer. In Sörenberg sind es sogar vor allem Leute aus der näheren Region, die nicht mehr als eine Stunde für die Hinfahrt unterwegs sind. Dass es immer mehr Luzerner, Aargauer oder Zuger zum Skifahren für mehrere Tag ins Entlebuch zieht, bezeichnet die Tourismusdirektorin als Trend. «Sie wollen die eigenen vier Wände verlassen, suchen eine Abwechslung. Oft sind auch die Grosseltern dabei, die sich um die Kleinkinder kümmern.»

Vier von fünf Parahotellerie-Gästen in Sörenberg leben in der Schweiz. In En­gelberg mit der Marke Titlis sind es ein Fünftel weniger, nämlich 60 Prozent. Zum Vergleich: In den Engelberger Hotels machen die Inländer 40 Prozent der Gäste aus. Für das Tourismusgeschäft war die Parahotellerie in den letzten paar Jahren ein Segen. Renggli: «Wir bekommen die Euro-Schwäche kaum zu spüren.» Vertreten in diesem Gästesegment sind ebenfalls die Deutschen, Holländer, Belgier und Skandinavier. «Dazu kommen über das ganze Jahr verteilt auch immer mehr Inder und Gäste aus dem Nahen Osten. Sie nutzen Engelberg als Ausgangspunkt für Kurztrips auf den Titlis oder nach Luzern», so Füssenich.

Zuverlässige Gäste

Hohe Logierzahlen generieren die Gruppenunterkünfte. Davon gibt es zum Beispiel in Sörenberg 13, registriert wurden dort 25 000 Übernachtungen. «Die Bandbreite der Gäste reicht von Jugendlagern über Guuggenmusigen oder Sportgruppen bis hin zu mehreren Familien, die gemeinsame Ferientage verbringen», sagt Rüegg von Sörenberg Flühli Tourismus. In den beiden Wintersportorten sind die Parahotellerie-Gäste nicht nur deshalb gerne gesehen, weil sie unabhängig von Währungsschwankungen buchen. Rüegg: «Anders als die Tagesausflügler kommen sie auch, wenn das Wetter schlecht und die Schneeverhältnisse zu wünschen übrig lassen.»