TOURISMUS: «Ein Imageverlust für die ganze Branche»

Die Meldung sorgte diese Woche für Aufregung: Der Reisekonzern Kuoni gibt das Geschäft mit der Organisation und dem Verkauf von Reisen in der Schweiz, Grossbritannien und weiteren Ländern auf. Einen neuen Käufer zu finden, werde aber nicht so einfach, sagt Beat Walser, Präsident der Travel Trade Service TTS Ltd.

Interview Dominik Buholzer
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Beat Walser. (Bild: pd.)

Beat Walser. (Bild: pd.)

Noch in diesem Jahr soll ein Käufer präsentiert werden. Betroffen von der Massnahme sind rund 3800 Mitarbeiter. Die TTS ist ein Zusammenschluss von mittelständischen, unabhängigen und eigenständigen Reiseunternehmen für Freizeit- wie auch Geschäftstourismus sowie spezialisierten Reiseveranstaltern.

Beat Walser, kommt der Verkauf des Freizeitreisegeschäfts von Kuoni für Sie überraschend, oder musste man branchenintern nicht damit rechnen?

Beat Walser: Grundsätzlich haben wir und die Branche wohl gewisse Veränderungen bei Kuoni erwartet. In dieser Radikalität kamen die Massnahmen, der Verkauf aller Büros und des Operatings in der Schweiz sowie der Zeitpunkt total überraschend.

Was bedeutet der Entscheid für die Schweizer Reisebranche?

Walser: Er ist bedauerlich, insbesondere für die vielen sehr kompetenten Mitarbeitenden. Wir hoffen sehr, dass diese Traditionsmarke in Schweizer Händen bleibt.

Werden die anderen Reisebüros, unter anderem jene ihrer Vereinigung, vom Kuoni-Entscheid profitieren?

Walser: Profitieren ist das falsche Wort. Kurzfristig können wir sicherlich mehr Reisen verkaufen; schliesslich decken wir mit unseren Marken fast die ganze Welt und sämtliche interessanten Badeferiendestinationen in Europa ab. Mittelfristig ist dies aber eher weniger realistisch, der Verkauf stellt einen Imageverlust für die gesamte Branche dar.

Also kein gutes Omen für die Schweizer Konsumenten?

Walser: Der Entscheid ist ein Stück weit die Folge des veränderten Konsumentenverhaltens. Reisen werden heute verstärkt online gebucht oder in Deutschland. Aber ich bin überzeugt: Werte wie Tradition, Vertrauen und Qualität werden in Zukunft wieder eine höhere Bedeutung erlangen. Dies sind alles Werte, wofür wir mit unserer Vereinigung einstehen.

Die Konzernleitung drängt es. Noch in diesem Jahr will sie einen Käufer präsentieren – ein schwieriges Unterfangen?

Walser: Das ist schwierig zu beurteilen. In der Schweiz gibt es wenig Potenzial. Aber auch international sehe ich nur wenige Kandidaten, für die eine solche Übernahme – zumindest als Paket – Sinn machen würde. Bei einer Aufsplitterung des Gesamtpaketes ergibt sich eine andere Situation.

Welche?

Walser: Dann wird es interessant werden zu verfolgen, wer sich für welche Teile des Reiseveranstaltergeschäfts von Kuoni entscheidet. Es könnten dann neue Kräfteverhältnisse entstehen.

Besteht nicht die Gefahr, dass ein Anbieter zuschlägt und später die Hälfte der Kuoni-Reisebüros schliesst?

Walser: Bei einer Übernahme durch ein Schweizer Unternehmen könnte diese Gefahr wegen Doppelspurigkeiten in der Tat bestehen. Bei einer Übernahme durch einen internationalen Tourismuskonzern oder einen reinen Investor ist es sicherlich nicht erste Priorität. In einem zweiten Schritt könnte dies aber drohen.

Kuoni kommunizierte den Entscheid just kurz vor jener Zeit, in der das Sommergeschäft lanciert wird. Ist dies nicht ein wenig fahrlässig?

Walser: Doch, das ist es. Der Termin vor der Hauptbuchungszeit und kurz vor dem Start einer der wichtigsten Ferienmessen war suboptimal.

Immer mehr reisen werden online gebucht. Muss man nach dem Kuoni-Entscheid nicht sagen, dass das klassische Reisebüro keine grosse Zukunft mehr hat?

Walser: Da muss ich Ihnen heftig widersprechen. Gemäss Umfragen steigt die Zahl der Personen, die ihre Reise im Reisebüro buchen, sogar wieder leicht. Know-how und Qualität wird sich am Ende durchsetzen – der Kunde weiss, was er kriegt. Und darauf werden wir auch in Zukunft bauen.