Frankenstärke
Tourismus fordert Mindestkurs von 1.15 – Druck auf Nationalbank wächst

Die Unzufriedenheit mit der aktuellen Politik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) greift um sich. Nun fordert aus dem besonders betroffenen Bergtourismus erstmals ein Wirtschaftsverband einen neuen Mindestkurs.

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Ausländische Touristen vergnügen sich auf dem Titlis. Der Tourismusverband hat hingegen wenig Grund zur Freude.

Ausländische Touristen vergnügen sich auf dem Titlis. Der Tourismusverband hat hingegen wenig Grund zur Freude.

Keystone

«Wir sind zur Überzeugung gelangt, dass es einen Mindestkurs von 1.15 Franken zum Euro braucht», sagt Silvio Schmid, Präsident der Bergbahnen Graubünden, zur „Schweiz am Sonntag“. Die 20-prozentige Verteuerung seit der Aufhebung des Mindestkurses würden die Bergbahnen aus eigener Kraft nicht wettmachen können, so Schmid. «Es kann doch nicht sein, dass die staatliche Geldpolitik unsere Wettbewerbsfähigkeit dermassen einschränkt.»

Dass der Tourismus unter Druck steht, zeigt die Fremdenverkehrsbilanz. Ende 2014 war sie beinahe ausgeglichen: Schweizer gaben im Ausland fast gleich viel aus wie ausländische Reisende in der Schweiz. Das gab es in den letzten vierzig Jahren überhaupt noch nie. «Das zeigt, dass etwas grundlegend schief läuft», sagt der emeritierte Professor Franz Jaeger, zur „Schweiz am Sonntag“. Und das war der Trend bis zum Ende des Jahres 2014.

Durch die Aufhebung des Mindestkurses im Januar 2015 geriet der alpine Tourismus noch mehr unter Druck. «Man muss davon ausgehen, dass wir dieses Jahr eine negative Fremdenverkehrsbilanz haben werden», warnt Jaeger. «Für ein Tourismusland wie die Schweiz ist das schlicht ein Desaster.»

Die SNB steht unter Druck. Ein ehemaliges Direktoriumsmitglied sagt zur „Schweiz am Sonntag“: «Ich habe grosse Angst, dass Präsident Thomas Jordan aus dem Amt gedrückt werden könnte.» Dessen Abgang würde ein grosser Verlust sein. «Er steht unter enormem Druck.» Jedoch erachtet er einen SNB-Kurswechsel unter Jordan für machbar. «Das müsste nur richtig kommuniziert werden.»

Derweil wird in Bankenkreisen befürchtet, dass die SNB die Negativzinsen heraufsetzen könnte, um die geldpolitische Lockerung durch die Europäische Zentralbank zu kontern. «Es gibt Indizien, dass die SNB einen solchen Schritt macht», sagt ein einflussreicher Banker zur „Schweiz am Sonntag“.

Noch höhere Negativzinsen hätten massive Nebenwirkungen. Bisher konnte die Banken die Auswirkungen einigermassen abfedern, indem sie die Marge bei den Hypotheken erhöhten und die Freigrenze bei der Nationalbank ausnutzen. «Diese Zitrone ist langsam ausgepresst», sagt der Banker. Die Banken würden nicht darum herumkommen, den Negativzins auch den Sparern zu belasten.