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TOURISMUS: Frankreich ist wieder im Trend

Nach einem terrorbedingten Einbruch vor einem Jahr strebt Frankreichs Tourismus auf einen neuen Rekord zu. Bereits befürchtet man sogar, dass es in den nächsten Jahren zur Übersättigung kommt.
Stefan Brändle, Paris
Frankreich peilt die Rekordzahl von 100 Millionen Gästen an. (Bild: Sebastien Nogier/EPA (Antibes, 18. Juli 2017))

Frankreich peilt die Rekordzahl von 100 Millionen Gästen an. (Bild: Sebastien Nogier/EPA (Antibes, 18. Juli 2017))

Stefan Brändle, Paris

Das Internationale Olympische Komitee teilte am Montag mit, dass es sich mit zwei verbliebenen Kandidaten auf die nächsten Vergaben geeinigt habe: Paris soll Austragungsort im Jahr 2024 werden, Los Angeles 2028. Die Amerikaner liessen den Franzosen den Vortritt, da sie neu mit 1,8 Milliarden Dollar IOK-Zuschuss rechnen können. Der offizielle Beschluss durch die Komiteemitglieder im September in Lima (Peru) scheint damit nur noch eine Formalität. Der französische Präsident Emmanuel Macron begrüsste die «sehr wichtige Etappe» gestern.

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo bemühte sich, die Beschlussfassung nicht schon für ausgemacht zu nehmen. Doch die Erleichterung über die Vergabe ist in der französischen Hauptstadt weitherum spürbar. Und das nicht nur, weil Paris schon mehrfach vergeblich für die Austragung der Olympischen Spiele kandidiert hatte. Nach den schweren Terroranschlägen des Jahres 2015, gefolgt vom Attentat in Nizza Mitte 2016, hatte der Reiseverkehr landesweit gelitten. Die Besucherzahlen aus Japan gingen bis zu 40 Prozent zurück; aber auch aus Holland gab es Einbrüche von mehr als 10 Prozent, fast doppelt so viele wie aus der Schweiz. 2016 wurde zu einem schwarzen Jahr für den französischen Tourismus: Auf das ganze Jahr gerechnet ging die Zahl der ausländischen Besucher um 1,3 Millionen (2,3 Prozent) zurück.

Branche kommt mit Bettenangebot nicht nach

Jetzt kehren sie wieder nach Frankreich zurück. Sehr symbolisch war im Juli im terrorversehrten Nizza die Ankunft des ersten Riesen-Airbus A380 aus den Arabischen Emiraten. Im ersten Halbjahr registrierte Frankreich 5 Prozent mehr Übernachtungen als in der Vorjahresperiode. «2017 dürfte ein neues Rekordjahr werden», schätzt Christian Manei von der staatlichen Werbeagentur Atout France. Auch für den Juli hat das Branchenbüro Protourisme «in Paris, an der Côte d’Azur und in der Bretagne eine starke Besucherzunahme» festgestellt. Bis zum Jahresende rechnet Aussenminister Jean-Yves Le Drian mit «88 bis 89 Millionen ausländischen Touristen».

Damit würde Frankreich seine Position als meistbesuchtes Reiseland der Welt verteidigen. Eine Behördenstudie aus dem Jahr 2014 prophezeit sogar, dass Frankreich die Schallgrenze von 100 Millionen Besuchern am Ende dieses Jahrzehnts durchbrechen könnte. Bloss hält die Infrastruktur bisher nicht überall mit. Anders als etwa in Spanien bleibt die Zahl der Hotelbetten in Frankreich seit Jahren stabil, ein Zeichen, dass sich die Branche zu stark auf ihren Lorbeeren ausruht. In die Bresche springen private Übernachtungsplattformen wie Airbnb. Deren erste Destination auf dem Planeten ist heute Paris mit 65 000 Angeboten. In touristischen Vierteln wie dem Quartier Latin oder dem Marais bringt das auch etliche Probleme mit sich, verwandeln sich doch ganze Gebäude in Internet-Absteigen. Der Pariser Stadtrat will deshalb in den nächsten fünf Jahren 12000 zusätzliche Hotelbetten schaffen. Die Olympischen Spiele dürften dafür als Katalysator wirken.

Der innere Stadtkern von Paris, wo sich die allermeisten Touristen konzentrieren, stösst jedoch immer mehr an seine Grenzen, was sich auch in den hohen Miet- und anderen Preisen äussert. Die Behörden versuchen deshalb, die Touristenströme besser zu kanalisieren. Um die langen Wartezeiten am Eiffelturm zu bekämpfen, wurde neu die Reservation per Internet und mit festen Besuchszeiten geschaffen.

Neuer Renner ist Europas grösster Frischmarkt

Zudem wird das Tourismusangebot auf die Agglomeration von ­Paris erweitert. Ein Renner ist der grösste Frischmarkt Europas in der Vorstadt Rungis. Um drei Uhr früh müssen die Fisch- und Früchtehändler immer häufiger für chinesische Reisefotografen posieren. Auch die Exkursionen zu den Loire-Schlössern werden ausgebaut, und mit einer neuen TGV-Linie wird die von Grund auf renovierte Weinstadt Bordeaux zu einer aufstrebenden Destination: In zehn Jahren haben sich die Besucherzahlen auf jährlich sechs Millionen verdoppelt.

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