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TOURISMUS: Gesundheit statt Strandferien

Ferienangebote, die dem Gesundheitserhalt dienen, haben Konjunktur. Dafür ist speziell eine Hotelkategorie eingeführt worden: Medical Wellness.
Andreas Lorenz-Meyer
Sich in den Ferien erholen und gleichzeitig etwas für die Gesundheit tun liegt im Trend – zum Beispiel mit einer Massage. (Bild: Getty)

Sich in den Ferien erholen und gleichzeitig etwas für die Gesundheit tun liegt im Trend – zum Beispiel mit einer Massage. (Bild: Getty)

Andreas Lorenz-Meyer

Mancher reist, um Natur zu erleben. Ein anderer will am Strand liegen. Dem dritten geht es um Kultur. Und dann gibt es noch den Reisenden, der «seine gewohnte Umgebung verlässt, um einen wesentlichen Teil der Zeit damit zu verbringen, in nicht-klinischer Umgebung seinen Körper zu pflegen». So lautet eine Definition von Gesundheitstourismus. Dieser scheint eine rosige Zukunft zu haben. Denn der Markt wächst, so Roland Lymann, Dozent am Institut für Tourismuswirtschaft in Luzern. Er wächst sogar überproportional im Vergleich zum gesamten Tourismus. Die Wachstumsraten für Wellness liegen bei 9 Prozent jährlich bis 2017.

Nun dient Wellness ja vor allem der Entspannung und dem Vergnügen, etwa in Form einer Gesichtsbehandlung. Es gibt aber auch Medical Wellness. Hier handelt es sich wohlgemerkt nicht um medizinischen Tourismus. Der spielt sich in Kur- und Reha-Zentren als Fortsetzung einer ärztlichen Behandlung ab.

Bild: Grafik Martin Ludwig

Bild: Grafik Martin Ludwig

Kombination Tourismus und Medizin

Vielmehr geht es bei Medical Wellness um eine Kombination aus touristischen und medizinisch-therapeutischen Leistungen, die in Hotels erbracht werden. Hotelleriesuisse hat die Spezialisierungskategorie im vergangenen Jahr eingeführt. «Bei Medical Wellness unterziehen sich gesunde Menschen freiwillig und präventiv einer medizinisch-therapeutischen Behandlung», erklärt Daniel Beerli, Leiter Schweizer Hotelklassifikation beim Branchenverband. Nicht gesund werden, sondern gesund bleiben lautet das Ziel.

Wichtig dabei: Die medizinischen Leistungen führen Ärzte oder medizinische Fachleute durch. Medical Wellness grenzt Leistungen und Produkte aus, die sich nur im Bereich Wellness oder Tourismus ohne medizinischen Aspekt bewegen, erklärt Beerli. Die Gäste werden, wie in Hotels üblich, als Gäste angesprochen und nicht als Patienten.

Mit Kurhäusern steht Medical Wellness nicht in Konkurrenz, so Beerli weiter. Eher ergänzen sich die Angebote. Während medizinische Behandlungen in Kurhäusern und Reha-Zentren auf ärztliche Anordnung erfolgen, entspreche Medical Wellness dem verstärkten Wunsch nach einem gesunden Lebensstil.

Kurhäuser und Kliniken kooperieren

Für die starke Nachfrage gibt es mehrere Gründe. Das steigende Gesundheitsbewusstsein zum einen. Um die physische und psychische Leistungsfähigkeit zu erhalten, muss man vorsorgend etwas tun. Warum nicht im Rahmen eines Hotelaufenthalts? Hinzu kommt der demografische Wandel. 2017 wird es in der Schweiz erstmals mehr Rentner als Kinder und Jugendliche geben. Der Bedarf an touristischen Gesundheitsangeboten, die auf Ältere zugeschnitten sind, dürfte zunehmen.

Hier und da arbeiten Kliniken, Kurhäuser und Hotels schon zusammen. Beerli spricht von «hybriden Angeboten», die sowohl für Gäste als auch für Patienten gedacht sind. Dazu gehören das Grand Hotel Quellenhof in Bad Ragaz, das Kempinski Grand Hotel de Baisin in St. Moritz und das Hotel Hof Weissbad im Appenzellerland. «Etwa ein Drittel unserer Gäste wählt Angebote aus dem Medical-Wellness-Bereich», sagt Prisca Peterer, Leiterin des Gesundheitszentrums im 4-Sterne-Plus-Haus am Fuss des Alpsteins. Es gibt Fussreflexzonen-Behandlungen, Lymphdrainagen oder Craniosacral-Behandlungen, Shiatsu.

Die Gäste bezahlen die Behandlungen aus eigener Tasche, jedoch stellt das Hotel auf Wunsch einen Rückerstattungsbeleg für die Krankenkasse aus. Peterer spricht von einem grossen Bedürfnis nach medizinischen Dienstleistungen. Besonders Gäste zwischen 40 und 60 Jahren sind an Medical Wellness interessiert. Sie möchten präventiv etwas für die Gesundheit tun und legen vor allem Wert auf eine professionelle Behandlung.

Morgenturnen und Arztvorträge

Los geht es für den Medical-Wellness-Gast am Morgen meist mit einem geführten Bewegungsprogramm: Morgenturnen im Kräutergarten oder Wassergymnastik. In der Regel gibt es 2 bis 3 Anwendungen pro Tag. Dazwischen bleibt Zeit zum Schwimmen, fürs Trainieren im Fitnessraum und Erkundungen zu Fuss oder per Velo. Ergänzend zum Behandlungsangebot bietet das Hotel auch geführte Wanderungen in der Umgebung oder Arztvorträge zum Thema Ernährung an. Auch eine Rolle spielt die Einrichtung des Hauses. Ein «medizinisches» Ambiente wollen die Gäste nicht.

Laut einer Umfrage des Beratungsunternehmens Deloitte aus dem Jahr 2015 planen 15 Prozent von 32 befragten Schweizer Hotelbetrieben den Ausbau der Aktivitäten im Gesundheitstourismus. Worauf kommt es dabei an? «Ein Medical-Wellness-Angebot sollte touristische und medizinische Kompetenzen verknüpfen», so Roland Lymann. Die Dienstleistungsbereitschaft, die bei einem guten Hotel zum Standard gehört, müsse auf das medizinische Personal übertragen werden. Dazu gehört, dem Gast mit Herzlichkeit zu begegnen und seine Bedürfnisse zu erspüren. Auch eine gewisse Grösse ist notwendig. 100, besser noch 150 Zimmer sollte ein Hotel, das in die Medical Wellness einsteigt, schon haben. Sonst lohne es sich nicht.

Koordinationsstelle in Luzern

Auch Städte setzen auf Gesundheitstourismus. In Luzern gibt es Lucerne Health, eine Koordinationsstelle für internationale Patienten, initiiert von Luzern Tourismus, Luzerner Kantonsspital, Hirslanden-Klinik St. Anna, der auf Neurorehabilitation spezialisierten Klinik Cereneo in Vitznau und einigen Hotels. «Unser Fokus liegt auf Russland und China», sagt Walter Stalder, Direktor der Wirtschaftsförderung Luzern und Präsident von Lucerne Health. Er bezeichnet das Angebot als «One Stop Shop»: 3 Mitarbeiter organisieren den Aufenthalt der Patienten und begleiten diese von der Ankunft am Flughafen Zürich bis zur Abreise.

Meist lassen die Patienten spezielle Behandlungen, Operationen, Geburten oder Neurorehabilitation durchführen. Stalder: «Sie vertrauen den Schweizer Leistungen und der Diskretion.» Den Patienten wird auf Wunsch ein touristisches Rahmenprogramm geboten. Untergebracht sind sie meist in Partner-Häusern wie dem Hotel Palace Luzern. Die Zahl der Patienten pro Jahr variiert stark. Einen Markt für Gesundheitstourismus mit ausländischen Patienten sieht Stalder durchaus. Aber die Konkurrenz in der Schweiz und vor allem im nahen Ausland sei gross.

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