TOURISMUS: Hotels verzeichnen weniger Buchungen

Wegen des schlechten Wetters haben viele Touristen in diesem Sommer die Schweizer Berge gemieden. Damit spitzte sich die Krise weiter zu.

Für die Cvp 60+ Kanton Zug: Peter R. Hofmann
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Trübe Aussichten vom Stanserhorn: In diesem Sommer blieben viele Hotelbetten in den Schweizer Bergen leer. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Trübe Aussichten vom Stanserhorn: In diesem Sommer blieben viele Hotelbetten in den Schweizer Bergen leer. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Nicht nur Herr und Frau Schweizer klagen über den miesen Sommer. Das schlechte Wetter war auch nicht förderlich für die Schweizer Tourismusindustrie. In den Bergferienregionen Graubünden, Berner Oberland und Wallis gingen die Hotelübernachtungen im Juli, verglichen mit dem Vorjahresmonat, stark zurück. Auch andere ländliche Feriendestinationen wie das Tessin, die Region Jura oder die Ostschweiz verzeichneten teils deutliche Rückgänge.

Gäste aus Deutschland blieben aus

Insgesamt registrierten die Schweizer Hotels im Juli 3,9 Millionen Logiernächte, wie am Freitag publizierte Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS) zeigten. Das entspricht einem Rückgang um 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Vor allem die inländischen Gäste verzichteten auf Ferien in der Schweiz. Sie generierten im Juli insgesamt 1,7 Millionen Logiernächte, was einem Rückgang von 3,7 Prozent, verglichen mit dem Vorjahresmonat, entspricht. Aber auch Gäste aus dem nahen Ausland, insbesondere aus Deutschland, blieben aus. Die Deutschen bilden für den hiesigen Tourismus neben den inländischen Gästen das mit Abstand wichtigste Kundensegment. Sie generierten im Juli dieses Jahres noch rund 431 000 Hotelübernachtungen, was einem Rückgang um 9,1 Prozent entspricht.

Kurzfristig reagieren

«Die Schweizer und teilweise auch die Deutschen können kurzfristig auf schlechtes Wetter reagieren. Wenn es regnet, sagen sie die Ferien ab oder verschieben sie», sagte Alain Suter, Mediensprecher von Schweiz Tourismus. Manuel Staub, Mediensprecher des Verbandes Hotelleriesuisse, wies auch auf das immer kurzfristigere Buchungsverhalten hin. Dieses führe dazu, dass das Wetter immer entscheidender werde. «Das schlechte Wetter in diesem Sommer hat die Krise der letzten Jahre zugespitzt», sagte Suter von Schweiz Tourismus. Bereits seit einiger Zeit leidet die Tourismusbranche unter dem starken Franken, der viele Europäer von Ferien in der Schweiz abhält. Dass das Geschäft im Juli nicht noch schlechter ausfiel, haben die Hoteliers den asiatischen Gästen zu verdanken. Insbesondere aus China, Korea, Indien und den Golfstaaten kamen deutlich mehr Touristen. Während die Hoteliers in ländlichen Ferienregionen unter dem schlechten Wetter litten, war in den Städten davon nichts zu spüren. Im Gegenteil: Die Region Zürich und der Kanton Basel-Stadt verzeichneten eine Zunahme bei den Logiernächten. Dies liege allerdings nicht daran, dass Feriengäste wegen des schlechten Wetters von den Bergen auf die Städte auswichen, sagte Staub von Hotellerie­suisse. Die Kundenstruktur sei komplett unterschiedlich: Auf dem Land seien es vor allem Feriengäste, in den Städten Geschäftsleute. Diese richten sich nicht nach dem Wetter.

80 Prozent Geschäftsleute

Das schlechte Juli-Wetter hat auch bei den Schweizer Bergbahnen zu hohen Einbussen geführt. Am härtesten traf es die Ostschweizer Betriebe, die im Vergleich zur Vorjahresperiode einen Umsatzeinbruch von über 37 Prozent hinnehmen mussten. Dies zeigt eine Umfrage bei 50 Bergbahnen. Weniger hart traf es die Bergbahnen in der Zentralschweiz (–12 Prozent). Im Berner Oberland ging die Anzahl der beförderten Passagiere um 16 Prozent zurück.