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Kommentar

Tourismus in der Schweiz: Unbehagen muss ernst genommen werden

Es ist wichtig, Bedenken bezüglich wachsender Touristenzahlen ernst zu nehmen. Es besteht die Gefahr, dass sich die Diskussion mit Fragen der Migration durchmischt.
Roman Schenkel
Roman Schenkel.

Roman Schenkel.

Fernweh ist ein riesiges Geschäft. 1,4 Milliarden Touristen waren 2018 in einem fremden Land unterwegs – so viele wie noch nie. Das Problem: Sie verteilen sich nicht gleichmässig. Während manche Destinationen um jeden Gast kämpfen, werden andere überrannt. Im Urner Schächental wandert es sich einsam. Auf der Rialto-Brücke in Venedig, auf den Ramblas in Barcelona oder in den Gassen von Dubrovnik – hier stehen sich die Touristen aber auf den Füssen. In diesen Orten werden die Gäste nicht mehr von allen mit offenen Armen empfangen. In Barcelona wurde 2017 gar ein Car mit Reisenden attackiert. Ein solches Szenario ist in der Schweiz undenkbar. Dennoch gibt es auch hier sogenannte Hotspots, wo die Belastung deutlich höher ist als im Schnitt. Luzern etwa kämpft mit der steigenden Menge an Reisecars, Interlaken diskutiert über den Umgang mit der hohen Touristenzahl, und im Berner Oberland quetschen sich tagtäglich Tausende Touristen in die Waggons der Jungfraubahnen. Die Begleiterscheinungen des Massentourismus werden auch in der Schweiz oft sehr emotional diskutiert. Höchste Zeit also für den Tourismus-Verband, sich in die Debatte einzuschalten.

Die Zahl der Hotspots dürfte in der Schweiz in Zukunft zunehmen. Trotz Klimadiskussion steigt die Zahl der Flugpassagiere, die in die Schweiz reisen, weiter an. Zudem darf man sich nicht darauf verlassen, dass die Touristenströme aus Fernost abreissen werden: Derzeit reist erst eine wohlhabende Minderheit von Chinesen oder Inder nach Europa. Deshalb sind Ideen gefragt, wie die Massen gelenkt werden sollen. Wird das Unbehagen der Bevölkerung nicht ernst genommen, besteht die Gefahr, dass die Diskussion über die hohe Gästeschar mit der Migrationsdebatte vermischt wird. Das kann nicht im Sinne der Tourismusindustrie sein.

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