TOURISMUS: Luzern kämpft um Marktanteile

Die Zahl der Touristen aus Asien stieg im September in der Schweiz. Die Zentralschweiz hat jedoch nicht davon profitiert, in den Hotels der Region stiegen weniger asiatische Gäste ab als im Vorjahr.

Rainer Rickenbach
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Der September zählt in der Tourismusregion Luzern-Zentralschweiz zur Hauptsaison. Die Wellenbewegungen bei den Hotelübernachtungszahlen im ersten Herbstmonat sind darum von Bedeutung. Sie fielen für dieses Jahr nicht gut aus: Im Vergleich zum Rekordjahr 2015 ging die Zahl der Logiernächte in der Region um 11000 (3 Prozent) zurück. In keiner anderen wichtigen Schweizer Tourismusregion fiel der Rückgang in absoluten Zahlen so deutlich aus.

Das Minus überrascht umso mehr, weil in der gesamten Schweiz im September mehr Hotelgäste eincheckten als im Vorjahr und weil besonders viele asiatische Touristen unter ihnen waren (plus 4 Prozent). Bisher galt die Faustregel: Je mehr Gäste aus Asien in die Schweiz einreisen, desto besser sind die Hotelzimmer rund um den Vierwaldstättersee gebucht.

China entwickelt sich zum «reifen Markt»

Verliert Luzern im Asien-Geschäft Marktanteile an andere Schweizer Ferienregionen? Sibylle Gerardi, Sprecherin der Vermarktungsorganisation Luzern Tourismus, hält es zwar für voreilig, aus den Ergebnissen eines einzigen Monats Schlüsse zu ziehen. «Tendenziell lässt sich aber feststellen, dass speziell die Gäste aus China sich etwas mehr auf andere Regionen in der Schweiz verteilen. Da unsere Region rund 30 Prozent der chinesischen Gäste willkommen heisst, ist mit einem Rückgang des Marktanteils zu rechnen», sagt sie. Das habe seine Ursache auch in den sich ändernden Reisegewohnheiten der Chinesen: Sie sind we­niger in grossen Gruppen unterwegs, sondern unternehmen ihre Europareisen mehr und mehr in kleinen, individuell reisenden Gemeinschaften. Zu ihren Reisezielen zählen auch Gegenden, von denen bei ihnen zu Hause noch nicht die Rede ist.

Die Welttourismusorganisation bezeichnet China denn auch als zunehmend «reifen» Markt. Seine Bewohner gestalten ähnlich wie in Europa oder in den USA ihre Reisen ausserhalb der touristischen Trampelpfade. Gleichzeitig ist das Land aber so bevölkerungsreich und regional verschieden stark entwickelt, dass die «erste Reisewelle» mit dem klassischen Gruppentourismus nicht so schnell abebbt. Gerardi ist überzeugt, dass die Stadt Luzern und die Region Vierwaldstättersee darum ihre Spitzenstellung auf dem asiatischen Markt behaupten können.

Schwankungen von Monat zu Monat, sagt sie, seien nicht unüblich. «Es ist aussagekräftiger, die Entwicklungen über eine längere Periode zu vergleichen. So haben die Zahlen aus Asien während den zurückliegenden fünf Jahren in der Stadt Luzern um mehr als 20 Prozent und in der Region um mehr als 25 Prozent zugenommen. Auch aktuell, per Ende September, handelt es sich immerhin um das zweitbeste Resultat nach dem Rekordjahr 2015.»

Thais übernachten in Zürich günstiger

Kommt hinzu, dass sich der asiatische Markt heuer unterschiedlich entwickelt. Wegen der Angst vor Terroranschlägen in Europa, dem schwächeren Wirtschaftswachstum und dem zusätzlichen Aufwand für Visa aufgrund des biometrischen Passes kommen schon seit Jahresbeginn weniger Reisende aus der Volksrepublik China nach Europa. Der Rückgang hinterliess auch im September deutliche Spuren; die Zahl der Hotelübernachtungen der Gäste von dort sackte in der ganzen Schweiz um fast einen Viertel ab.

Das machten Touristen aus Südkorea, den arabischen Golfstaaten und Indien mehr als nur wett – in der Schweiz, nicht aber in Luzern. Wie sehr der Wettbewerb unter den Ferienregionen spielt, machen die thailändischen Touristen deutlich: Ihre Zahl ging in Luzern um 11 Prozent zurück, gleichzeitig stieg sie in der Region Zürich, weil die Reisegruppen aus dem südostasiatischen Königreich dort zu günstigeren Preisen unterkamen. Ganz ver­loren gingen die Thais für die Innerschweiz indes nicht. Gerardi: «Sie unternahmen Tagesausflüge nach Luzern.»

Rainer Rickenbachrainer.rickenbach@luzernerzeitung.ch

Asiatische Touristen gehören in Luzern zum Stadtbild. (Bild Corinne Glanzmann/LZ)

Asiatische Touristen gehören in Luzern zum Stadtbild. (Bild Corinne Glanzmann/LZ)