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TOURISMUS: Neue Gäste für die Region

Die Schweiz hat beste Voraussetzungen für das Tourismusgeschäft. Doch die langen Wege durch die Ämter und die hohen Preise sind hinderlich.
Rainer Rickenbach
Auf dem Bürgenstock entsteht eines von mehreren touristischen Leuchtturmprojekten in der Region. Herzstück des Resorts soll die 5-Sterne-Herberge Park-Hotel werden. (Bild: Visualisierung)

Auf dem Bürgenstock entsteht eines von mehreren touristischen Leuchtturmprojekten in der Region. Herzstück des Resorts soll die 5-Sterne-Herberge Park-Hotel werden. (Bild: Visualisierung)

«Tausend Franken für eine Nacht im neuen Luxushotel von Andermatt – welcher Familienvater soll sich das leisten können?», fragte ein Zuhörer an der Diskussionsrunde «Standpunkt um 10». Dort redeten drei mit grossen Hotel-Grossprojekten betraute Tourismusprofis auf Einladung der Luzern Tourismus AG über ihr Geschäft (siehe Kasten).

Hohe Bau- und Lohnkosten

Die Ursachen für die stattlichen Hotelpreise in der Schweiz gehen bis auf den Spatenstich für einen Gästeneubau zurück. «Bauen ist hier 60 Prozent teurer als in vergleichbaren Ländern wie Italien, Deutschland oder England», begründete Toni Bucher vom Sarner Immobiliendienstleister Eberli. Über den Daumen gepeilt gilt der Dividend tausend: Entfallen von den Baukosten 800 000 Franken auf ein Zimmer, muss der Hotelier 800 Franken dafür haben, wenn er die Investitionen hereinspielen und etwas daran verdienen will. Hinzu komme das hohe Lohnniveau. Etwa die Hälfte der Ausgaben entfallen auf Personalkosten. Vielleicht reicht es für den Familienvater nicht für eine Übernachtung im «Chedi» – Leute mit genügend Geld für Aufenthalte in luxuriösem Ambiente gibt es gemäss Bruno H. Schöpfer aber immer mehr. «Auf den Malediven zahlen die Gäste in der Hochsaison 1800 Franken für eine Nacht, und die Hotels dort sind sehr gut gebucht. Es gibt weltweit immer mehr reiche Leute,» sagte der Projektverantwortliche für das neue Bürgenstock-Resort.

Die Touristenorte wandeln sich

Die Diskussionsrunde war sich einig, mit den neuen Hotelanlagen in Andermatt, auf dem Bürgenstock oder in Engelberg könne es der Zentralschweiz gelingen, an die Tradition des 19. Jahrhunderts anzuknüpfen. Damals war die Region ein beliebtes Ziel für Reiche und Adlige aus ganz Europa und den USA. «Die neuen Hotels werden neue Gäste anziehen», ist der Luzerner Tourismusdirektor Marcel Perren überzeugt. Die neuen Gäste werden freilich nicht mehr blaublütig sein, und ein schöner Teil wird aus Indien und China stammen.

Auch da war man sich einig: Auf die erste Welle mit den Gruppentouristen aus diesen Wachstumsmärkten folgt in wenigen Jahren die zweite Welle mit gut betuchten Gästen, die ihr Geld nicht nur für Uhren, sondern auch für schicke Hotels ausgeben. «Bis dahin braucht es genügend Schnauf», so Schöpfer. Darum sind die Investitionen des Ägypters Sawiris, der Kataris oder des Chinesen Gao für die Region viel wert. Schöpfer nennt ihre Projekte «Leuchttürme», die der ganzen Tourismusbranche neue Impulse verleihen. Auch wenn am Anfang berechtigte Zweifel herrschten. Schöpfer: «Als ich bei der Hotelgruppe Mandarin Oriental tätig war, planten wir ein neues Haus auf der thailändischen Insel Koh Samui. Die Zweifler sagten: Das funktioniert nie, Koh Samui ist eine Destination für Rucksacktouristen. Doch heute gibt es auf der Insel zwei Dutzend weitere Luxushotels.»

Die Zentralschweiz bringt nach Einschätzung der Diskussionsteilnehmer viele wichtige Voraussetzungen mit, um nicht nur für Gruppen-, sondern auch für Individualreisende wichtig zu sein: beschauliche Landschaften, gute Infrastruktur, Tradition, Flughafennähe und das alles eingebettet in einem politisch stabilen Land. Dass die neuen Luxushotels vorderhand ausserhalb der Stadt Luzern entstehen, halten die Tourismusexperten bei den geringen Distanzen und dem ÖV-Angebot nicht für ein Problem.

Von den wirklichen Problemen der Tourismusprofis bekommen die Touristen gar nichts mit. «Die Einsprachenfluten und die vielen Gesetze kosten viel Kraft und Geld», berichtete Bucher aus dem Alltag eines Hotelentwicklers. Auch Schöpfer kann ein Lied davon singen: Obwohl die Nidwaldner Regierung voll hinter dem Bürgenstock-Projekt stehe, habe er für das Bürgenstock-Resort 68 Baubewilligungen einholen müssen, 6 weitere stehen noch aus.

«Wenn unsere Investoren von diesem beschwerlichen Prozedere gewusst hätten, hätten sie es wohl bleiben lassen», sagte Schöpfer. Vielleicht, so merkte ein Zuhörer an, gehe es den Schweizern zu gut, um zu erkennen, dass sich solche Rahmenbedingungen im internationalen Standortwettbewerb verheerend auswirken können.

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