TOURISMUS: Per Mausklick ins Skilager

Der starke ­Franken macht Reisen ins ­Ausland attraktiv. Ein neuer Verein hat sich etwas einfallen lassen, um Familien in die Schweizer Berge zu locken.

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Zu Beginn brauchts Unterstützung: Ein Vater hilft seiner Tochter beim Skifahren. (Bild: Keystone)

Zu Beginn brauchts Unterstützung: Ein Vater hilft seiner Tochter beim Skifahren. (Bild: Keystone)

Maurizio Minetti

Wenn man beginnt, seinem Passfoto ähnlich zu sehen, sollte man in die Ferien fahren, sagte einst Ephraim Ki­shon. Wohin man fahren sollte, sagte der israelische Satiriker allerdings nicht. Bei den Schweizern sind Badeferien und Städtereisen besonders gefragt, wie eine Umfrage des Reiseveranstalters Kuoni ergab. Die beliebtesten Destinationen bleiben Spanien, Italien oder Griechenland. Zieht es Schweizer weiter in die Ferne, stehen asiatische Länder oder Kanada auf der Wunschliste. Ein neuer Trend ist Kuba, weil man wegen der bevorstehenden Öffnung befürchtet, dass sich das Leben vor Ort verändern wird. «Kuba steht hoch im Kurs», bestätigt Hotelplan-Sprecherin Anja Dobes.

Ins Ausland zu reisen, ist noch attraktiver geworden, seit der Franken Anfang Jahr an Stärke gewonnen hat. Schweizer zieht es etwa in die österreichischen Berge – entsprechend leiden Schweizer Destinationen darunter. Nicht erst seit gestern versuchen deshalb verschiedene Akteure in der Schweizer Tourismusbranche, die Schweiz als Feriendestination für Schweizer attraktiver zu machen. «Wir wollen Familien aufzeigen, wie einzigartig unser Ferienland Schweiz ist», sagt Peter Kirchgessner, der an der Luzerner Herbstmesse Travelexpo die Sonderschau «Family Destination» mitorganisiert (siehe Box).

Skifahren ist weniger beliebt

Der vergangene Sommer mit den vielen Hitzetagen hat dem Ferienstandort Schweiz sicher geholfen. Im Winter sieht die Situation allerdings ganz anders aus: Der Wintertourismus ist rückläufig (siehe Grafik). «Es wird weniger Ski gefahren als früher», bestätigt Ole Rauch, Geschäftsführer der Schneesportinitiative. Hinter der Initiative stehen diverse Interessenvertreter wie die Seilbahnbetreiber, der Schweizer Tourismus-Verband und der Verband Schweizer Sportfachhandel. Anfang dieses Jahres hat der Verein seine Tätigkeit aufgenommen. Präsidiert wird er von Snowboardcross-Olympiasiegerin Tanja Frieden.

Der Verein will mit konkreten Massnahmen den Schneesport wieder attraktiver machen und somit im Endeffekt auch Ferien in den Schweizer Bergen fördern. Über die Internetplattform ­GoSnow.ch können Lehrpersonen mit wenigen Klicks fixfertig organisierte Schneesportlager oder Skitage auswählen – gemäss Ole Rauch zu «sehr attraktiven Preisen».

Dieses All-inclusive-Angebot richtet sich an Schulen und Lehrkräfte, die vor dem organisatorischen Aufwand zurückschrecken. Bisher fanden solche Fördermassnahmen unter verschiedenen ­Namen und in Vereinen statt. Die Schneesportinitiative wurde mit dem Ziel gegründet, die verschiedenen ­Kräfte zu bündeln. Die Lager und Schneesporttage werden von den Destinationen selber organisiert. Die Initiative fungiert als Plattform und Vermittler.

Zahl der Skilager stark rückläufig

In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der nach Jugend+Sport-Vorgaben organisierten Schneesportlager kontinuierlich zurückgegangen. Zwar werden nicht alle, aber doch die meisten Schneesportlager über J+S abgerechnet. Für den kommenden Winter erwartet Rauch, dass dank der neuen Initiative über hundert zusätzliche Lager für rund 2500 Kinder organisiert werden können. Hinzu kommen geschätzte 6000 Kinder der Unterstufe, die einen Schneesporttag besuchen werden.

«Unsere Initiative allein kann die Winterferien in der Schweiz nicht retten, aber wir können einen Beitrag dazu leisten», sagt Rauch. Fahren Kinder wieder vermehrt Ski oder Snowboard, könnte sich dies auch auf die Eltern beziehungsweise die Reisedestination der Familie auswirken. Kinder, die ein von GoSnow.ch organisiertes Lager oder auch einen Skitag besuchen, bekommen Gutscheine für Seilbahnen, kostenlose Tageskarten oder auch Wellness-Gutscheine für die Eltern. Die Schneesportinitiative will künftig vermehrt solche Folgeangebote für die ganze Familie fördern. Pro Jahr hat die Initiative rund eine halbe Million Franken zur Verfügung, wobei die Hälfte aus der Privatwirtschaft stammt und die andere vom Staatssekretariat für Wirtschaft und vom Bundesamt für Sport.

Druck auf Reisebüros

Ob in die Berge oder an den Strand: Ferien werden oft übers Internet ­gebucht, etwa über die führenden Vergleichsplattformen Ebookers und ­Booking.com. Diesen Trend bekommen die hiesigen Reisebüros zu spüren: Deren Zahl hat sich seit der Jahrtausendwende fast halbiert, von 2887 auf 1622. Doch mittlerweile haben die Reisebüros reagiert und investieren stark in den Onlinekanal. «Seit 2012 können wir Reisearrangements dynamisch zusammenstellen. Basierend darauf bauen wir das Online-Angebot laufend aus», sagt Anja Dobes von Hotelplan. Gleichzeitig will der zum Migros-Konzern ­gehörende Reiseveranstalter an den Filialen festhalten. Die Filiale habe nach wie vor eine Daseinsberechtigung. «Viele Kunden möchten nicht stundenlang im Internet Angebote vergleichen und lieber von einem kompetenten Berater bedient werden», so Dobes.

Eine weit verbreitete Meinung ist, dass Ferienhungrige zwar gerne kurze Trips übers Internet buchen, aber lange, komplexe und teure Reisen nach wie vor gern vor Ort in einem Reisebüro abgeschlossen werden. «Wenn man 20 000 Franken für eine Kreuzfahrt ausgibt, will man sicher sein, dass alles reibungslos funktioniert», begründet dies Peter Kirchgessner von Travelexpo. Allerdings hat ein Unternehmer aus Zürich gezeigt, dass es durchaus möglich ist, aufwendige Reisen übers Internet zu verkaufen. 2008 gründete Simon Schnellmann die Firma Travel Worldwide. Das Unternehmen verkauft Reisen, die im Durchschnitt 10 000 Franken kosten – manchmal sogar zehnmal so viel. Sein Erfolgsrezept: Er gibt jedes Jahr rund eine Million Franken für Google-Werbung aus. Ohne Einbindung des Internets, so scheint es, geht auch im Tourismussektor nichts.

Bild: Grafik: Janina Noser

Bild: Grafik: Janina Noser