TOURISMUS: Run auf Reisen nach Ägypten

Trotz Terrrordrohungen boomt das Feriengeschäft der Schweizer Reiseanbieter. Selbst für heik­le Regionen wie Ägypten mussten sie zusätzliche Flugsitze einkaufen.

Max Fischer
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Touristen beim Sonnenbaden im ägyptischen Scharm el-Sheik. Die Buchungen für den beliebten Badeort haben wieder angezogen. (Bild: Keystone/Adel Hana)

Touristen beim Sonnenbaden im ägyptischen Scharm el-Sheik. Die Buchungen für den beliebten Badeort haben wieder angezogen. (Bild: Keystone/Adel Hana)

Der Drang nach Sonnenstrahlen ist bei den Schweizern grösser als die Angst vor Anschlägen oder Entführungen: Kuoni Schweiz meldet für Ägypten und Tunesien in der Herbstferienzeit «eine stetige Buchungszunahme und aktuell viele kurzfristige Buchungen». Kuoni musste gemäss Sprecher Julian Chan sogar zusätzliche Flugkapazitäten und für Oktober/November gar einen Vollcharter nach Marsa Alam einkaufen. Auch für die Türkei musste Kuoni die Angebote erhöhen.

Früh ausgebucht war Ägypten bei Coop ITS Travel, für das tunesische Djerba mussten laut Geschäftsführer Andi Restle gar Zusatzflüge organisiert werden. Die Reiselust der Schweizer in diesem Herbst spürt auch Hotelplan Suisse. «Speziell gefragt ist Hurghada, sodass wir für Oktober nur noch wenige freie Plätze haben», bestätigt Sprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir. Noch Platz finden Touristen in Sharm el-Sheikh. Doch auch diese Destination sei seit der Aufhebung der EDA-Reisewarnung im Juni wieder gut angelaufen.

Von einem richtigen Ferienhype spricht TUI Suisse. Allein für die Herbstferien hat der Reiseanbieter 6000 zusätzliche Flugsitze ins Programm aufgenommen – darunter auch ins ägyptische Hurghada. Trotz der Anschlagsdrohungen der Dschihadistengruppe IS verzeichnen die Reise­veranstalter weder Umbuchungen noch Stornierungen. TUI-Suisse-Sprecher Roland Schmid: «Auch die Reiseleiter vor Ort erhalten keine Anfragen von Gästen, die sich unwohl fühlen und vorzeitig nach Hause reisen wollen.»

Letzte Woche hat die IS-Miliz aufgerufen, wahllos Bürger jener Staaten zu töten, die sich an der internationalen Koalition gegen die Dschihadisten beteiligen. Im Anschluss verschärfte das Auswärtige Amt in Deutschland die Sicherheitshinweise für Reisende. Vor allem in der Nahostregion, aber auch in Malaysia und Thailand sollen diese Orte meiden, an denen regelmässig Europäer und Amerikaner verkehren.

Das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) führt für alle Länder Sicherheits- und Reisehinweise (www.eda.ch/eda/de/home/travad/travel.html). Gemäss einem EDA-Sprecher bestehe aber kein Anlass, generell von Reisen in Gebiete abzuraten, in denen das Risiko von Anschlägen besteht. Eine solche Massnahme würde das Ziel der Terroristen, Angst zu schüren, nur zusätzlich unterstützen.