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TOURISMUS: Sawiris geht in die Offensive

Der ägyptische Investor steigt bei zwei deutschen Reiseveranstaltern ein. Dadurch sollen seine neuen Resorts schneller bekannt werden. Andermatt werde davon profitieren, sagt Sawiris.
Hans-Peter Hoeren
Jebel Sifah, das neue Resort von Samih Sawiris’ Orascom in Oman, soll von der Übernahme der FTI und der Raiffeisen-Touristik profitieren. (Bild: PD)

Jebel Sifah, das neue Resort von Samih Sawiris’ Orascom in Oman, soll von der Übernahme der FTI und der Raiffeisen-Touristik profitieren. (Bild: PD)

In Oman hat Samih Sawiris kürzlich sein neustes Hotel eröffnet. «Wir hatten bereits vom ersten Tag an Gäste», sagt Sawiris. Lokale Vertriebspartner hatten den Markt seit längerem bearbeitet. Das funktioniert längst nicht immer so gut. «Manchmal bleibt ein neues Hotel längere Zeit praktisch leer. All unsere neuen Destinationen haben Probleme, bekannt zu werden. Das kann künftig viel schneller gehen und erspart mir viel Frustration», sagt Sawiris. Deshalb investiert der ägyptische Unternehmer gleich in zwei deutsche Reiseveranstalter, sie sollen ihm zusätzliche Kunden für seine mittlerweile 35 Hotels weltweit zuführen und die Bekanntheit seiner Resorts steigern.

Sawiris übernimmt einen Anteil von 25 bis 35 Prozent an dem Münchner Reiseveranstalter FTI Group und 74,9 Prozent an der bayerischen RT/Raiffeisen Touristik Group GmbH. Die Beteiligungen finanziert er aus seinem Privatvermögen.

Sprachreisen und Kreuzfahrten

Über den Kaufpreis für die Beteiligungen sei Stillschweigen vereinbart worden, sagte Sawiris an einer Medienkonferenz gestern in München. Deutsche Journalisten spekulierten über einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag. Die deutschen Kartellbehörden müssen dem Deal noch zustimmen.

Die FTI Group ist nach eigenen Angaben der viertgrösste Reiseveranstalter im deutschsprachigen Raum und zählt rund 3500 Mitarbeiter. Die Gruppe ist im Reisebürovertrieb und als Reiseveranstalter tätig. Zu ihr gehören unter anderem ein Mietwagenbroker, der grösste deutsche Sprachreiseveranstalter LAL Sprachreisen. Sie ist zudem mit der MS «Berlin» im Kreuzfahrtengeschäft tätig und betreibt auch eigene Hotelanlagen.

Die ebenfalls bayrische Raiffeisen-Touristik-Gruppe betreibt rund 500 eigene Reisebüros in Deutschland und den Niederlanden. Inklusive den Franchisenehmern und weiteren Partnern sind über 7000 Reisebüros der Gruppe angeschlossen.

Ab der nächsten Saison soll die Kooperation Sawiris mehr Hotelgäste bescheren. «Die Kooperation ist auch eine Chance für Andermatt», sagte Sawiris gegenüber unserer Zeitung. Er beteilige sich an zwei Reiseveranstaltern, die spezialisiert seien auf hochwertige Reisen. «Davon kann und wird auch Andermatt profitieren», versicherte der Investor. Die Kooperation gebe ihm die Möglichkeit, Andermatt in dem Angebotsportfolio beider Veranstalter zu platzieren und damit die Destination noch bekannter zu machen. Die beiden Veranstalter seien vor allem in den Märkten Österreich, Niederlande, Deutschland, England und Belgien tätig.

«Wir erhöhen die Feuerkraft»

Der Einstieg von Sawiris soll den beiden deutschen Veranstaltern zudem neue Wachstumsmöglichkeiten eröffnen. «Wir erhöhen durch das Zusammengehen unsere Feuerkraft. Dadurch haben wir mehr Mut, eine Wachstumsoffensive zu starten», erklärte Sawiris. Wegen der langen Durststrecke im Tourismus würden beispielsweise in Ägypten aktuell viele Hotels aufgegeben. Bisher hätten ihn die dadurch entstehenden Opportunitäten nicht sonderlich interessiert. «Jetzt, wo wir über die beiden Reiseveranstalter einen neuen Hebel haben, um die Betten zu füllen, sind solche Opportunitäten plötzlich interessant», verdeutlichte Sawiris. Deshalb habe er vor einiger Zeit eines der aufgegebenen Hotelobjekte in Ägypten erworben. Ägypten ist der mit Abstand wichtigste Markt für Sawiris (siehe Box).

Sawiris hat schnell zugegriffen

Aber auch die Partner hätten durch ihn und sein Unternehmen Orascom mehr Feuerkraft. «Wenn die FTI Group in der Türkei ein Hotel kaufen will, dann können Orascom-Mitarbeiter das Potenzial des Objektes sehr schnell prüfen», sagte Sawiris.

Auffällig ist, wie schnell die beiden Geschäfte über die Bühne gingen. Die Verhandlungen mit der RT/Raiffeisen Touristik GmbH dauerten gemäss Vorstandsvorsitzendem Wolfgang Altmüller gerade einmal «zehn Wochentage». Die Gespräche mit der FTI Group erstreckten sich über drei Monate. Doch offenbar hatte man es derart eilig, dass man die abschliessende Bewertung des Unternehmens durch Experten gar nicht abwarten wollte. Sawiris hat nach eigenen Angaben eine feste Summe für den Einstieg in das Unternehmen angeboten. Je nachdem, wie hoch die FTI Group bewertet wird, dürfte sein Anteil an dem Unternehmen zwischen 25 und 35 Prozent liegen. «Diese Beteiligungen führen zu Kooperationen, die mein Kerngeschäft fördern. Deshalb habe ich die Gelegenheiten ergriffen, als sie sich ergaben», erklärte Sawiris. Dadurch, dass seine neuen Hotels künftig besser bekannt würden, verdiene er «einiges mehr pro Hotel». «Allein das rechtfertigt meine Spontaneität», sagte Sawiris.

Integration in Orascom wird geprüft

Die börsenkotierte Orascom, an der Sawiris die Mehrheit besitzt, könne derartige Entscheide nicht so schnell fällen. Der Verwaltungsrat der Orascom werde aber die Frage einer Integration der Beteiligungen prüfen und sich eine Meinung bilden. Nach der Trennung von Orascom-CEO Gerhard Niesslein musste Sawiris dort als CEO ad interim einspringen (wir berichteten). «Aktuell muss ich erst mal mein eigenes Haus in den Griff kriegen», sagte Sawiris an der gestrigen Pressekonferenz. Den CEO-Posten möchte er aber schnellstmöglich wieder abgeben. «Ich gönne Orascom einen besseren CEO als mich», scherzte Sawiris.

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