TOURISMUS: Sawiris’ persönliche Verpflichtung

Orascom schreibt einen Verlust von knapp 100 Millionen Franken. Für Investitionen in Andermatt fehlt das Geld. Samih Sawiris springt erneut in die Bresche.

Roman Schenkel
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Multimillionär Samih Sawiris springt erneut ein. (Bild Roger Grütter)

Multimillionär Samih Sawiris springt erneut ein. (Bild Roger Grütter)

Andermatt ist für Samih Sawiris eine persönliche Verpflichtung. Das hat der ägyptische Investor in unzähligen Interviews zu Protokoll gegeben. Gestern liess er den Worten wieder einmal Taten folgen: Da Orascom das Geld für die künftigen Investitionen in Andermatt fehlt, springt Multimillionär Sawiris – laut den aktuellsten Schätzungen des Wirtschaftsmagazins «Forbes» ist er 525 Millionen Dollar schwer – erneut in die Bresche. Mit 150 Millionen Franken aus seiner Privatschatulle sichert Sawiris die Investitionen im Urserental bis ins Jahr 2017. Dies gab der Immobilienentwickler Orascom Development an seiner gestrigen Bilanzmedienkonferenz in Zürich bekannt.

Sawiris selber war gestern nicht vor Ort. Er wird aber am 16. April in Andermatt über die Details der Transaktion informieren und über den Fortschritt des Luxusferienresorts berichten.

Skiarena, Sportcenter, Hotel

«Das Geld wird in Andermatt für die nächsten Ausbauschritte dringend benötigt», sagte der österreichische Orascom-Chef Gerhard Niesslein (siehe Interview rechts). Die Skiarena Andermatt-Sedrun, ein weiteres Hotel, das der Andermatter Bevölkerung versprochene Sportcenter samt Schwimmbad und das Clubhaus für den Golfplatz müssten dringend in Angriff genommen werden, zählte Niesslein auf. «Und was gibt es Besseres, als wenn jemand dafür mit 150 Millionen Franken aus seinem Privatvermögen aushelfen will?», so Niesslein. Es ist nicht das erste Mal, dass Sawiris mit seinem Privatvermögen aushilft. Bereits vor einem Jahr gewährte er Orascom einen Kredit über 125 Millionen Franken. Dieses Mal aber springt er in Andermatt nicht nur mit Geld ein. Er wird sich künftig auch wieder operativ in Andermatt engagieren. Dafür übernimmt Sawiris das Verwaltungsratspräsidium der Andermatt Swiss Alps AG, der Betreiberin des Luxusresorts im Urserental. Eine Funktion, die er erst vor Jahresfrist an Gerhard Niesslein abgegeben hatte.

Der Grund dafür liegt in der Verschiebung der Aktienmehrheiten bei der Tochterfirma von Orascom: Indem Sawiris seine bisherigen Kredite an die Orascom – laut Niesslein betragen diese rund 95 Millionen Franken – in Eigenkapital der Andermatt Swiss Alps AG umwandelt, wird Sawiris mit 51 Prozent Mehrheitsaktionär der Betreiberin des Luxusferienresorts.

Die Muttergesellschaft Orascom hält künftig nur noch eine Minderheit von 49 Prozent am Andermatter Resort. Niesslein verneint jedoch, dass er deshalb ganz aus dem Verwaltungsrat ausscheiden werde: «Mit 49 Prozent Aktienanteil werde ich immer noch eine gewisse Rolle spielen», sagte er trocken.

Für Orascom hat diese Transaktion den Vorteil, dass sie die Verschuldung gegenüber ihrem Mehrheitsaktionär und Präsidenten reduziert. Das Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital wird verbessert. «Unsere Zinskosten werden dadurch deutlich sinken», bestätigt Konzernchef Niesslein.

Marco Strittmatter, Analyst der Zürcher Kantonalbank, fand nicht viel Gefallen an den gestrigen Neuigkeiten zu Orascom. Die Transaktion unterstreiche, dass man als Orascom-Aktionär «auf Gedeih und Verderben» den Plänen von Samih Sawiris ausgeliefert sei, kommentierte Strittmatter. Ein UBS-Analyst hielt zudem fest, dass dies einen wichtigen Wachstumstreiber des Unternehmens schwäche.

Finanzspritze auch für Orascom

Bei Orascom selber sieht es nach wie vor nicht gut aus. Der Bau- und Hotelkonzern schliesst das Jahr 2012 mit einem Verlust von 97,2 Millionen Franken ab. Ausserordentliche Ereignisse und Rückstellungen führten zu dem erneuten Verlust. Aber auch die Probleme auf dem Heimmarkt Ägypten bereiten Orascom grosse Schwierigkeiten. Der Firma fliesst nach wie vor sehr wenig Bargeld zu.

Auch hier ist Mehrheitsaktionär Sawiris zur Stelle. Er versorgt das Unternehmen 2013 mit einer Kapitalspritze im Umfang von 60 Millionen Franken. Dieser Betrag soll das erwartete Defizit von 2013 ausgleichen. Und nicht genug: Auch im Jahr 2014 wird Sawiris den erwarteten Verlust von 40 bis 50 Millionen Franken ausgleichen. «Ab 2015 müssen wir wieder auf eigenen Füssen stehen»‹, sagte Niesslein.

Ergebnis schlechter als erwartet

Für ZKB-Analyst Strittmatter ist das Ergebnis sogar noch schlechter als erwartet ausgefallen. Im Vorjahr hatte das Minus knapp 70 Millionen Franken betragen. Zwar konnte Orascom im letzen Jahr die Umsätze um etwas über 7 Prozent steigern, die Auslastung in den Hotels und Ferienresorts ist mit 57 Prozent aber nach wie vor auf tiefem Niveau.

Zum Vergleich: Vor der Finanzkrise und den Unruhen im arabischen Raum lag die Auslastung in den Hotels bei 85 Prozent. Ebenso die Immobilienverkäufe: Sie fallen mit knapp 80 Millionen Franken zu tief aus, um das Ergebnis von Orascom aus den roten Zahlen zu hieven. Auch hier der Vergleich: In den guten Jahren verkaufte die Firma von Sawiris Immobilien im Wert von 250 Millionen Franken.

Der Ausblick der Gesellschaft tönt derzeit nicht optimistisch: Sowohl die Umsätze in den Hotels als auch die Immobilienverkäufe lagen in den ersten zwei Monaten 2013 unter der Vorjahresperiode. Auf mittlere Sicht geht das Unternehmen nicht davon aus, dass die Performance der Hotels auf das Niveau von 2008 bis 2010 zurückkehren wird.

Aktionäre enttäuscht

Um die finanzielle Situation der Gruppe zu verbessern, will die Firma den Fokus verstärkt auf die vier Kerndestinationen (El Gouna, Taba Heights, Jebel Sifah und Salalah Beach) richten

Bei den Orascom-Aktionären überwog gestern die Enttäuschung. Die Aktie notierte um 3,38 Prozent schwächer bei 11.45 Franken. Neben den schlechten Zahlen dürfte bei den Aktionären auch der Frust über die erneut ausfallende Dividende ein Grund für das Abstossen der Orascom-Aktie sein.