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TOURISMUS: «Starker Franken: Hören wir endlich auf zu jammern»

Der starke Franken setzt dem Tourismus stark zu. Der CEO der Schweizer Jugendherbergen sagt, weshalb es sich längst nicht nur um eine Krise handelt.
Interview Dominik Buholzer Interview Dominik Buholzer
Asiatische Gäste in der Luzerner Jugendherberge am Rotsee. Vor allem der Anteil an Chinesen und Südkoreanern ist bei den Schweizer Jugendherbergen sehr stark gestiegen. (Bild Manuela Jans)

Asiatische Gäste in der Luzerner Jugendherberge am Rotsee. Vor allem der Anteil an Chinesen und Südkoreanern ist bei den Schweizer Jugendherbergen sehr stark gestiegen. (Bild Manuela Jans)

Interview Dominik Buholzer

Als CEO der Schweizer Jugendherbergen blickt Fredi Gmür auf ein äusserst erfolgreiches Jahr zurück: Mehr Umsatz (+6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr), mehr Gäste (+0,8 Prozent der Logiernächte), und in Saas-Fee wurde erfolgreich das weltweit erste Wellness-Hostel eröffnet: Innerhalb von acht Monaten wurden 21 089 Logiernächte gezählt, und die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt über dem Durchschnitt von 1,96 Nächten (2,46 Nächte). Als Präsident der Parahotellerie Schweiz steht Fredi Gmür vor einer äusserst herausfordernden Zeit. Der Dachorganisation gehören die Ferienwohnungsvermittler Reka und Interhome, TCS-Camping, die Schweizer Jugendherbergen sowie Bed and Breakfast Switzerland an. Sie generieren im Jahr rund 5 Millionen Logiernächte. Nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank steht die Branche vor einem heissen Sommer. Vom befürchteten Gästeeinbruch in der Schweizer Hotellerie wird die Parahotellerie allerdings kaum profitieren können.

Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses macht dem Schweizer Tourismus zu schaffen. Trotzdem gibt sich die Parahotellerie verhalten optimistisch. Was erwarten Sie konkret vom Sommer?

Fredi Gmür: Es wird ein extrem schwieriger Sommer. Das Wetter wird eine entscheidende Rolle spielen. Denn der Trend zum kurzfristigen Buchen hat nochmals zugenommen.

Jetzt ruhen die Hoffnungen einer ganzen Branche auf viel Sonnenschein?

Gmür: Das kann man so sagen. Denn bei den Langfristbuchungen liegen alle in der Parahotellerie hinter den Erwartungen. Gibt es einen guten Sommer, dann beschert dies uns viele Gäste. Regnet es längere Zeit, können wir die Saison abschreiben.

Wegen des starken Frankens kommen weniger Europäer, insbesondere weniger Deutsche und Holländer. Wird nun mehr auf die Asiaten gesetzt?

Gmür: Nein, der Überseemarkt ist äusserst schwierig. Die asiatischen Gäste werden uns kurzfristig noch nicht über die Runden helfen.

Aber Sie als CEO der Schweizer Jugendherbergen beweisen, dass es sehr wohl geht. Im vergangenen Jahr betrug bei Ihnen der Anteil an asiatischen Gästen erstmals über 10 Prozent.

Gmür: Das stimmt. Aber die Jugendherbergen stehen nicht stellvertretend für eine ganze Branche. Für Chinesen ist es beispielsweise etwas total Ungewohntes, eine Ferienwohnung zu mieten. Wir versuchen deshalb in der Parahotellerie über unsere Partnerorganisationen, den europäischen Markt noch gezielter zu bearbeiten. Aber hauptsächlich setzen wir auf Schweizer Gäste, was auch sehr gut funktioniert.

Und trotzdem wird wegen des starken Frankens reihum gejammert?

Gmür: Hören wir endlich auf zu jammern! Wir müssen akzeptieren: Das ist die neue Marktsituation. Es gibt kein Zurück mehr. Wir müssen noch stärker auf die Fernmärkte setzen, unsere Gäste noch mehr mit Qualität und Leistung überzeugen. Wenn wir unsere Gäste verwöhnen, kommen sie wieder und bringen sogar noch ihre Freunde mit.

Was tun Sie beziehungsweise die Schweizer Jugendherbergen, um die Gäste zusätzlich positiv zu überraschen?

Gmür: Jeder Gast findet auf seinem Bett eine Dankeskarte und ein Schöggeli. Es braucht oft nicht viel, um den Gästen eine Freude zu bereiten.

Ist dies als leise Kritik zu verstehen?

Gmür: Es ist doch ganz einfach: Wenn Sie für eine Leistung zahlen, dann dürfen Sie auch Qualität verlangen. Nicht mehr und nicht weniger.

Wird die derzeitige Situation zu einer Konsolidierung führen?

Gmür: Ich schätze, dass zwischen 20 bis 25 Prozent der Hotels in der Schweiz gefährdet sind. Leider werden auch zahlreiche Betriebe auf der Strecke bleiben, die eigentlich ihre Hausaufgaben gemacht haben.

Weshalb?

Gmür: Es gibt einige, die in den vergangenen Jahren investiert haben und jetzt dafür büssen, weil die Banken nach der Aufhebung des Mindestkurses zusätzliche Sicherheiten verlangen. Mir sind mehrere Fälle von Hoteliers bekannt, die eine Woche nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die SNB von ihrer Bank aufgefordert wurden, innerhalb von 60 Tagen einen Teil ihrer Hypothek zurückzuzahlen oder eine Lösung aufzuzeigen. Ich finde dies fahrlässig. Die Banken bestrafen damit die Falschen. Die Banken sollten nicht nur auf ihre Rendite schauen.

Es wird also zwangsläufig zu einer Flurbereinigung kommen. In welche Richtung entwickelt sich der Tourismus in der Schweiz?

Gmür: Der internationale Tourismus wird sich in Zukunft noch viel stärker als heute auf die Städte konzentrieren. Im ländlichen Gebiet wird er sich nur behaupten können, wenn er sich nicht nur auf einen Ort, sondern eine ganze Region konzentriert und dem Gast ein spezielles Erlebnis vermittelt.

Das tönt nach einschneidenden Veränderungen.

Gmür: Wir müssen umdenken. Wir müssen noch viel stärker als heute über die Grenzen hinweg zusammenarbeiten. Aber grundsätzlich bin ich sehr zuversichtlich für die Schweiz. Denn die Voraussetzungen sind aufgrund der Landschaft, über die wir verfügen, phänomenal. Das ist ein riesiges Potenzial.

Hinweis

Fredi Gmür (56) ist seit 1996 CEO der Schweizer Jugendherbergen und Präsident der Vereinigung Parahotellerie Schweiz. Davor war er Tourismusdirektor in Amden und Savognin.

Zweite Jugi für Luzern, Absage an Sawiris

Standorte bu. Die Schweizer Jugendherbergen wollen in Luzern einen weiteren Betrieb eröffnen. Ein entsprechender Vertrag könnte noch in diesem Jahr abgeschlossen werden, hofft Jugendherbergen-CEO Fredi Gmür: «Es beginnt die heisse Phase.» Details will Gmür noch nicht bekannt geben. Klar ist allerdings, dass sich der zweite Betrieb im Zentrum von Luzern befinden wird.

Die Schweizer Jugendherbergen sind heute in Luzern am Stadtrand, am Rotsee, vertreten. Dieser Betrieb soll weitergeführt werden.

Rahmenbedingungen nicht gut

Vorderhand kein Thema mehr ist hingegen Andermatt. Dies haben die Jugendherbergen Ende Mai Andermatt Swiss Alps, der Gesellschaft des ägyptischen Unternehmers Samih Sawiris, schriftlich mitgeteilt. «Aufgrund der Rahmenbedingungen sehen wir keine Möglichkeit, einen kostendeckenden Betrieb mit Jugendherbergenpreisen zu führen», erklärt Gmür. Definitiv zugeschlagen sei die Tür allerdings nicht, so Gmür.

Wegfall von Genf schmerzt

Auf der Suche nach einer neuen Lösung sind die Schweizer Jugendherbergen auch in Genf. Die Association Genevoise des Auberges de Jeunesse kündigte auf Ende 2014 die Zusammenarbeit. Der Wegfall schmerze, weil die Jugendherbergen damit nicht mehr in Genf präsent seien, sagt Gmür. Finanziell fällt dies aber nicht ins Gewicht. Der Betrieb in der Rhone-Stadt war ein Franchisepartner. In Genf zählten die Jugendherbergen rund 90 000 Logiernächte jährlich.

Schwierige Suche nach Alternative

Die Schweizer Jugendherbergen wollen so schnell als möglich nach Genf zurückkehren. «Genf ist für arabische und asiatische Touristen die Eingangspforte in die Schweiz», betont Gmür. Er macht sich aufgrund der Situation auf dem Immobilienmarkt auf eine langwierige Angelegenheit gefasst: «Wir stellen uns darauf ein, dass Genf vorderhand ein weisser Fleck auf unserer Karte bleiben wird.»

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